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DFB-Pokal

Pokalauftakt als Stolperfalle

David gegen Goliath! In kaum einem Wettbewerb stehen Sensationen so auf dem Programm wie in der ersten Runde des DFB-Pokals. Und deswegen darf geträumt werden in Rielasingen-Arlen, Dorfmerkingen oder auch in Bremerhaven.

Der oft ungleiche Kampf zwischen den Fußball-Bundesligisten und Amateurklubs aus der vierten, fünften oder gar sechsten Liga zieht seit Jahrzehnten die Fans in den Bann. Schon viele Profiteams sind an unterklassigen Gegnern grandios gescheitert. Der DFB-Pokal zieht seinen Reiz eben aus den Sensationssiegen der Kleinen gegen die Großen. Diese Coups der Underdogs gibt es in der deutschen Pokalgeschichte zuhauf und könnte es jetzt wieder geben.

So beispielsweise wenn am Samstag (15.30 Uhr MESZ im DW-Liveticker) der Verbandsligist 1. FC Rielasingen-Arlen Titelverteidiger Borussia Dortmund herausfordert. Die Vorfreude in dem 12.000-Seelen-Örtchen unweit der Schweizer Grenze ist riesengroß, es ist der wichtigste Tag in der Geschichte der kleinen Gemeinde. An eine Pokal-Sensation glaubt dennoch kaum jemand, der Champions-League-Teilnehmer mit seinen Starspielern ist dann doch eine Nummer zu groß für die Feierabend-Kicker aus der Verbandsliga Südbaden. Aber darum geht es auch gar nicht. "Durch dieses Spiel", mutmaßt Rielasingens 2. Vorstand Erwin Gräble, "wird unser Verein europaweit bekannt".

Umzug nach Freiburg

Vollbesetzte Tribüne im Schwarzwald-Stadion von Freiburg (Foto: picture-alliance/dpa/P. Seeger)

DFB-Pokal im Schwarzwald-Stadion, aber ohne Freiburg

Und weil der BVB dann doch eine ganz andere Hausnummer ist als der VfB Stuttgart, 1899 Hoffenheim oder andere Profivereine aus Baden-Württemberg, steht Rielasingen eine kleine Völkerwanderung bevor. "25 oder 30 Busse werden nach Freiburg rollen", sagte Baumert. Im Schwarzwald-Stadion wird gespielt, weil Dortmund laut Gräble "ganz andere Massen anzieht" und selbst das Stadion im benachbarten Singen keine wirkliche Alternative war.

Wenn die gesamte Gemeinde und zumindest ein Teil der Bundesrepublik dann in den Breisgau blicken, will sich die Mannschaft von Jung-Trainer Jürgen Rittenauer gut präsentieren. "Wir haben auch eine Verantwortung der Region gegenüber", sagte der 31-Jährige, der größtenteils auf junge Spieler aus dem Umfeld baut. Primäres Ziel aber sei es, "den Tag zu genießen". Denn so ein Spiel gegen den BVB, meint Zeugwart und Schalke-Fan Uwe Schwarzer, "wird für das ganze Umfeld unvergesslich bleiben."

Ganz kleiner Funke Hoffnung

Ähnlich ist die Situation in Dorfmerkingen, wo die Sportfreunde - ebenfalls Sechstligist - am Sonntag (15.30 Uhr MESZ im DW-Liveticker) RB Leipzig empfangen. "Ich müsste sofort als Trainer aufhören, wenn ich nicht einen kleinen Funken Hoffnung hätte, aber der ist in diesem Fall sehr, sehr klein", sagte Trainer Helmut Dietterle schmunzelnd: "Aber im Ernst: Ich wünsche mir einfach, dass nach dem Spiel alle zufrieden nach Hause gehen." Auch die Sportfreunde ziehen um und verlassen den heimischen Dorfplatz am Sportgelände Felsenstraße. Das Duell gegen den Champions-League-Teilnehmer aus Leipzig steigt in der Ostalb-Arena des VfR Aalen in rund 20 Kilometern Entfernung. In das Stadion des Drittligisten passen 14.500 Zuschauer, Dorfmerkingen hofft auf ein nahezu ausverkauftes Haus.

Die Kölner Profis Konstantin Rausch (l.) und Jhon Cordoba (r.) beim Training (Foto: picture-alliance/Revierfoto)

Kölns Neuzugang Jhon Cordoba (r.) wird beim Fünftligisten Leher TS Bremerhaven wohl auflaugen können

Für die Partie gegen den 1. FC Köln zieht die Leher Turnerschaft von 1898 ins Nordseestadion um, wo sonst der OSC Bremerhaven spielt. Die idyllische LTS-Sportanlage im Stadtpark Speckenbüttel ist zu klein. Deshalb wählte der Verein - wie schon 2005 und 2006 der FC Bremerhaven gegen den FC Schalke 04 und den VfL Wolfsburg - das größte Stadion der Stadt als Austragungsort. Wegen der Sicherheitsauflagen passen 8500 Zuschauer hinein. Auch der Fünftligist hofft am Samstag (15.30 Uhr MESZ) auf einen unterhaltsamen Fußball-Nachmittag. Die Zeichen dafür stehen gut, denn der FC rechnet überraschend doch mit dem Einsatz von Rekordeinkauf Jhon Cordoba. Trotz seiner Hüftprellung aus einem Testspiel konnte der für mindestens 15 Millionen Euro als Nachfolger von Torjäger Anthony Modeste verpflichtete Kolumbianer wieder trainieren. "Die Schmerzen sind noch nicht weg, aber er wollte unbedingt mitmachen", sagte Kölns Trainer Peter Stöger.

Petersen vs. Petersen

Zu einem reizvollen Aufeinandertreffen kommt es am Samstag (15.30 Uhr MESZ) zwischen dem Regionallliga-Aufsteiger Germania Halberstadt und dem Bundesligisten SC Freiburg. Der Trainer der Halberstädter, Andreas Petersen, ist der Vater von Freiburgs Angreifer Nils Petersen. Dieser spielte in der C- und B-Jugend bei seinem Heimatverein. "Ein Spiel vor der Haustür zu haben und gegen den eigenen Papa zu spielen, ist wirklich eine tolle Geschichte", sagte Nils Petersen kurz nach der Auslosung.

Video ansehen 01:50

DFB-Pokal-Familienduell: Vater gegen Sohn

Doch nun fürchtet er im "Familien-Duell" den nächsten Rückschlag für die Breisgauer. "Da geht es ganz schnell, und man scheidet auch dort aus", sagte der 28-Jährige.

Der Anspruch sei natürlich, "gegen einen Viertligisten weiterzukommen", äußerte Petersen junior. Doch nach den beiden schwachen Spielen und dem Aus in der Europa-League-Qualifikation gegen den slowenischen Pokalsieger NK Domzale "sollten wir ansonsten aber kein großes Mundwerk haben." Denn der Angreifer weiß "um die Gefahren gerade nach einem solchen Negativerlebnis." Zudem ist Halberstadt bereits im Spielrhythmus und bis in die Haarspitzen motiviert. "Es wird nicht einfach gegen uns", sagte Petersen senior, "Papa Petersen hat einen Plan und weiß, wie es gehen könnte."

Chemnitz will es versuchen

Derweil träumt Drittligist Chemnitzer FC von der Sensation gegen den deutschen Rekordmeister Bayern München. "Es wird zwar nichts von uns erwartet, aber vielleicht haben wir ja doch die Chance auf eine Sensation", sagte Trainer Horst Steffen: "Ich werde versuchen, Lösungen zu finden, damit wir vielleicht doch Möglichkeiten haben, ein Tor zu machen."

Einen kleinen Vorteil für die Begegnung am Samstag (15.30 Uhr) sieht der 48-Jährige darin, dass Chemnitz schon vier Ligaspiele absolviert hat. "Für uns ist es gut. Für die Bayern wird das aber wohl nicht so relevant sein", sagte Steffen, der einen mutigen Auftritt seines Teams erwartet: "Die Mannschaft soll und darf zeigen, was sie kann, wozu sie fähig ist - und vielleicht sogar ein Stück mehr."

Ebenso wie Chemnitz haben auch die Regionalligisten Berliner FC (gegen Schalke 04), Energie Cottbus (gegen den VfB Stuttgart) und Rot-Weiss Essen (gegen Borussia Mönchengladbach) bereits Ligaspiele absolviert. Es könnte ein kleiner Vorteil sein auf dem Weg zur Sensation - ein unvergesslicher Tag wird es so oder so.

ck/to (sid, dpa)

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