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Aktuell Deutschland

Piratenpartei setzt wieder auf Frauen-Power

Die Piraten möchten einen Neuanfang ausrufen - und das ausgerechnet auf einem dreitägigen Parteitag in Neumarkt in der Oberpfalz. Statt auf alte Bekannte setzt die Partei auf neue Gesichter.

Die Piratenpartei in Deutschland hat zum Auftakt ihres Parteitags am Freitag einen neuen politischen Geschäftsführer gewählt - genauer gesagt: eine Geschäftsführerin. Die Neuwahl war notwendig geworden, weil der bisherige Amtsinhaber Johannes Ponader vorzeitig zurückgetreten ist. Er hatte in der Partei für heftige Debatten und Personalquerelen gesorgt. Mit Sandalen an den Füßen als seinem Markenzeichen und als bekennender Anhänger der freien Liebe genoß er auch in der breiten Öffentlichkeit wenig Sympathien.

Anhänger der Piratenpartei heben beim Bundesparteitag der Piraten in Neumarkt in der Oberpfalz ihre Stimmkarten (Foto: dpa)

Mehr Geschlossenheit soll es geben - zumindest darin waren sich die Piraten in Neumarkt einig

Seine Nachfolgerin, die 26-jährige Katharina Nocun, wurde mit einer fulminanten Mehrheit von 81,7 Prozent der Parteitagsstimmen gewählt. Sie bekam viel Applaus und Standing Ovations. "Wir müssen uns als Team endlich zusammenreißen und nach vorne schauen", rief sie mit entschiedener Stimme den Piraten im Saal zu. Die Partei habe sich in den vergangenen Monaten zu sehr auf Kleinigkeiten konzentriert und ihre Mission nicht klar kommuniziert.

"Wir sind die politische Kraft des Kommunikationszeitalters", sagte Nocun. "Wir stehen nicht nur für Internetthemen und Datenschutz, sondern für ein neues Gesellschaftskonzept für alle Lebensbereiche." Nun müsse man die politischen Bewerber vor sich hertreiben.

Neue Sympathieträgerin

Die neue Geschäftsführerin sieht wenig nerdig aus, also so, wie man typische Vertreter der Internetgeneration gern beschreibt. Sie trug einen wadenlangen Rock mit Rüschenkante, darüber eine lange schwarze Strickjacke mit Spitzenbesatz und schwarze Riemchenschuhe mit unauffälligem Absatz. Dieses schon fast neo-romantische Outfit wird durch ihre klare und frische Stimme kontrastiert.

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Kämpferisch: neue Piraten-Geschäftsführerin

Nocun stammt aus Niedersachsen, steht kurz vorm Ende ihrer Studiums der Politik, Wirtschaft, Philosophie und Wirtschaftsinformatik. Sie arbeitet bereits als Online-Redakteurin, unter anderem im Bereich Verbraucherschutz. In der Piratenpartei ist sie zudem Themenbeauftragte für Datenschutz und will für den Bundestag kandidieren. In einer Pressekonferenz nach ihrer Wahl redete sie wie gedruckt und ließ sich von den Journalisten nicht aufs Glatteis führen. Sie kündigte an, die Piratenpartei mit einer aggressiven Öffentlichkeitsarbeit über die Fünfprozenthürde bei der Bundestagswahl im September hieven zu wollen. Gleichzeitig gab sie zu verstehen, dass die Piraten ein "langfristiges Projekt" seien, falls es mit dem Einzug in den Bundestag dieses Mal nicht klappen sollte.

Die Piratenpartei hat gute Erfahrungen mit einer Frau als Geschäftsführerin: Marina Weißband führte die Partei im Jahr 2011 und 2012 in die Erfolgsspur, auch weil sie zum Medienliebling avanciert war. Mit Katharina Nocun haben die Piraten nun wohl ein neues mediengeeignetes Gesicht. Und mit ihrer Person sind große Hoffnungen verbunden. "Sie bringt uns zwei Prozentpunkte mehr", sagte ein Pirat. Und intern wird sie von den Piraten schon liebevoll "Katta" genannt.

Abgrenzung zur "Alternative für Deutschland"

Der dreitägige Parteitag der Piraten wird von vielen Medien und Beobachtern in Deutschland als letzte Chance betrachtet, aus dem derzeitigen Umfragetief zu kommen. In Meinungsumfragen sank die Zustimmung innerhalb eines Jahres von 13 auf derzeit 3 Prozent. Zumindest das innerparteiliche Interesse an der Entwicklung der Piratenpartei ist weiterhin groß. Rund 1500 Mitglieder sind zum Parteitag in die bayerische Provinzstadt Neumarkt gekommen. Eine Besonderheit bei der Piratenpartei ist, dass jedes Mitglied und nicht nur Delegierte am Parteitag teilnehmen können.

Sie wollten vor allem Geschlossenheit demonstrieren, hieß es zum Auftakt. Gezeigt haben die Mitglieder das bei der Abgrenzung zur rechtspopulistischen "Alternative für Deutschland", die derzeit in Meinungsumfragen ebenfalls auf drei Prozent kommt. Als Geschäftsführer bewarb sich auch Christian Jachten, der sich in seiner Bewerbungsrede als Mitglied der neuen Gruppierung outete. Ihm schlug daraufhin eine lautstarke Welle der Ablehnung entgegen, was sich dann auch in seinem mageren Wahlergebnis von drei Prozent niederschlug. In der Vergangenheit hatte die Piratenpartei immer wieder mit Vorwürfen zu kämpfen, ehemalige Rechtsradikale in ihren eigenen Reihen zu haben und sich nicht deutlich genug von Extremismus abzugrenzen.

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