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Afrika

Piraten verschleppen Besatzung aufs Festland

Nach der Freilassung des deutschen Frachters MS "Victoria" aus der Gewalt somalischer Piraten bemüht sich die Bundesregierung nun mit Hochdruck um eine Lösung für das Geisel-Drama auf der "Hansa Stavanger".

Die 'Hansa Stavanger' (Archivfoto: dpa)

Immer noch in Piratenhand:
Die 'Hansa Stavanger'

Dort hatte sich die Lage in den vergangenen Tagen offenbar zugespitzt. Wie das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtet, haben die Piraten 4 der 24 Seeleute aufs Festland verschleppt. Darunter sollen auch drei Deutsche sein. Das Containerschiff der Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg wurde Anfang April 2009 gekidnappt. Firmenchef Frank Leonhardt geriet am Wochenende wegen seiner unnachgiebigen Verhandlungstaktik in die Kritik. Unter anderen sollen Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) die "sehr hartleibige" Verhandlungsweise kritisiert haben.

Kurz nach der Entführung der "Hansa Stavanger" hatte die Bundesregierung Ende April aufgrund von Sicherheitsbedenken einen Kampfeinsatz der Anti-Terroreinheit GSG-9 zur Befreiung des Containerschiffes wegen zu hoher Risiken für das Leben der 24 Geiseln abgebrochen.

Dagegen wurde die "MS Victoria" am Samstagmorgen (18.7.2009) aus der Gewalt der Kidnapper entlassen, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte. Ein Piraten-Anführer hatte zuvor telefonisch mitgeteilt, seine Gruppe habe ein Lösegeld in Höhe von 1,8 Millionen Dollar erhalten. Die Seeräuber hätten die Geldübergabe mit Freudenschüssen in die Luft gefeiert, heißt es. Der unter der Flagge von Antigua und Barbuda fahrende Frachter war am 5. Mai mit elf rumänischen Besatzungsmitgliedern an Bord im Golf von Aden aufgebracht worden. Das Schiff gehört der niedersächsischen Reederei Intersee aus Haren an der Ems. Der Frachter war zum Zeitpunkt seiner Entführung mit rund 10.000 Tonnen Reis beladen und befand sich auf dem Weg nach Saudi-Arabien.


"Unterlassene Hilfeleistung"?

MS Victoria (Archivfoto: Reederei Intersee)

Wieder frei: Die MS Victoria

Weiterhin in der Gewalt von Piraten ist hingegen der deutsche Frachter "Hansa Stavanger", der Anfang April gekapert worden war. An Bord befinden 24 Besatzungsmitglieder, unter ihnen fünf Deutsche. "Der Krisenstab arbeitet weiterhin mit Hochdruck an einer Lösung", betonte der Berliner Außenamtssprecher. Andrew Mwangura vom Ostafrikanischen Seeleuteverband ergänzte: Das Problem bei den Gesprächen um die Freilassung der Hansa Stavanger sei, dass die deutsche Reederei zunächst wohl mit einem "falschen Verhandlungsteam" gesprochen habe.

Die in Bayern lebende Ehefrau des Kapitäns der "Hansa Stavanger" kündigte an, sie wolle die Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen. "Es liegt in der Hand der Reederei, die Geiselnahme zu beenden", sagte sie dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Das Unternehmen feilsche extrem hart um das Lösegeld und bewege sich nicht mehr, kritisierte die Ehefrau.

Großeinsatz gegen Seeräuber

Im Juni hatte der Bundestag das Mandat für den Einsatz der Deutschen Marine vor der afrikanischen Küste auf ein größeres Gebiet erweitert. Dies war nötig geworden, da die Piraten wegen der hohen Militärpräsenz in Küstennähe zuletzt immer weiter in den Indischen Ozean ausgewichen waren. Insgesamt patrouillieren in dem Seegebiet etwa 40 Kriegsschiffe, 13 davon unter dem EU-Mandat "Atalanta". (stw/chr/afp/rtr/dpa/ap)

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