Pfeifen auf das Montagsspiel | Fußball | DW | 19.02.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Bundesliga

Pfeifen auf das Montagsspiel

Beim ersten regulären Montagsspiel in der Geschichte der Fußball-Bundesliga gerät der Sieg von Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig in den Hintergrund. Die Fans nutzen die Plattform für ihre Proteste.

Aus den Stadionlautsprechern klang Bob Geldorfs "I don´t like Mondays", die zahllosen Banner im Frankfurter Stadion trugen Aufschriften wie "Wir pfeifen auf das Montagsspiel - Hier bestimmen wir den Ton", "Fankultur muss leiden, Einschaltquoten steigen" oder "Montags hat selbst mein Friseur frei". Frankfurter Fan-Aktivisten durften mit Erlaubnis der Gastgeber vor der Partie in den Innenraum und auch dort protestieren.

Zwar war die Partie zwischen Eintracht Frankfurt und RB Leipzig schon das insgesamt 16. Montagsspiel in der Geschichte der Bundesliga, aber das erste, das offiziell aufgrund der neuen Fernsehverträge für diesen Wochentag angesetzt wurde. DFL und Vereine argumentieren damit, dass durch diese Entzerrung Europa-League-Klubs mehr Zeit zur Regeneration erhalten, dass der Amateur-Fußball mehr Raum bekommt. Viele Fans allerdings wittern eine weitere Kommerzialisierung und beklagen, dass sie für die Reise zu einem Auswärtsspiel gleich zwei Tage Urlaub nehmen müssen.

Immerhin - der Protest in Frankfurt blieb friedlich. Auf Aufforderung des Stadionsprechers zogen sich die Demonstranten nach rund zwei Spielminuten der Partie, die mit sechsminütiger Verspätung vom guten Schiedsrichter Felix Zwayer angepfiffen wurde, auf die Tribünen zurück. Von dort nervten sie bei Leipziger Ballbesitz mit Tröten und Pfiffen.

Frankfurt dreht das Spiel

1. Bundesliga Eintracht Frankfurt vs RB Leipzig | Protest Montagsspiele (Getty Images/Bongarts/A. Grimm)

Peter Gulacsi im Frankfurter Bällebad

Die Gäste aus Leipzig ließen sich davon zunächst nicht beirren. Gleich ihr erster klug vorgetragener Angriff wurde mit dem Führungstreffer belohnt. Konrad Laimer gab von rechts nach innen, Jean-Kevin Augustin schoss flach aus acht Metern ins lange Eck (13. Minute). Aber es dauerte nur acht Minuten, ehe der Eintracht den Ausgleich gelang. Nach einer Ecke und einer darauf folgenden Kopfballstafette hielt Timothy Chandler aus kurzer Distanz seinen Fuß hin und spitzelte den Ball über die Linie(21.).

Diesen Schwung nahm das Team von Trainer Niko Kovac mit und kam nach einem Konter sogar zur Führung. Der Starke Ante Rebic legte den Ball von linksaußen zurück an die Strafraumkante, von wo Kevin-Prince Boateng (26.) direkt durch die Beine von Leipzigs Torhüter Peter Gulacsi verwandelte. "Wir haben gekämpft, haben uns reingehauen, manchmal vielleicht ein bisschen zu hart, aber das zeichnet uns aus", sagte Boateng nach der Partie bei Eurosport, "und wir haben einfach ein Tor mehr geschossen."

Wenig später hatte Schiedsrichter Zwayer zunächst auf Strafstoß entschieden, nachdem Marcel Sabitzer im Strafraum gefoult worden war. Allerdings wurde die Entscheidung durch den Videoschiedsrichter zurückgenommen, weil Sabitzer vor der Situation außerhalb des Spielfeldes im Abseits gestanden hatte - eine durchaus diskutable Entscheidung, in der der Videobeweis mal wieder keine große Hilfe war.

Wollen nur Fußball spielen

Deutschland Fussball 1 Bundesliga Eintracht Frankfurt vs RB Leipzig (imago/J. Huebner)

Timothy Chandler (M.) spitzelt den Ball zum Ausgleich für Frankfurt ins Tor

Auch die zweite Halbzeit begann wieder mit Verspätung. Diesmal warfen die Frankfurter Fans Tennisbälle und Klopapierrollen aufs Spielfeld. Das störte einige der Spieler wie den Leipziger Marcel Sabitzer: "Ich würde auch lieben am Samstag oder am Sonntag spielen", sagte er, "Aber wir wollen eine großartige Liga aufziehen wie in England. Warum man da Tausende Tennisbälle aufs Spielfeld wirft, verstehe ich nicht. Wir frieren auf dem Platz und wollen eigentlich nur Fußball spielen."

An die spielerische Brillanz der ersten 45 Minuten konnte der zweite Durchgang dann nicht mehr anknüpfen. Es entwickelte sich ein Kampfspiel, in dem Frankfurt keine Möglichkeiten der Gäste zuließ. "Es war sicher kein Leckerbissen, es war eine hitzige, extrem hart geführte Partie", analysierte Sabitzer, um selbstkritisch hinzuzufügen: "Natürlich hätten wir versuchen müssen, mehr unseren Stil reinzubringen." Und so hatte Frankfurts Trainer Kovac sicher recht mit seiner Einschätzung: "Über 90 Minuten, denke ich, waren wir die bessere Mannschaft, dieser Sieg war voll und ganz verdient." Sein Leipziger Kollege Ralph Hasenhüttl wollte die Proteste übrigens nicht als Ausrede gelten lassen: "Spielentscheidend war das nicht."

Die Frankfurter rücken durch das 2:1 (2:1) auf Rang drei der Tabelle vor und ziehen an Leipzig vorbei. Eine Europapokal-Teilnahme rückt in greifbare Nähe für das Team von Kevin-Prince Boateng: "Es läuft einfach bei und, es macht einfach Spaß - so muss es weitergehen."

Hier können Sie die Höhepunkte der Partie noch einmal nachlesen.

Die Redaktion empfiehlt