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Hintergrund

Perplex: Besuch im Googleplex

Massage, firmeneigene Ärzte und Waschsalons: Googleplex gleicht einem Arbeitnehmer-Paradies. Doch in Büros und hinter Schreibtische zu gucken ist nicht ganz einfach - ein versuchter Blick hinter die Kulissen

Passanten laufen am Hauptsitz des Firmengebäudes von Google vorbei, Quelle AP

Firmenhauptsitz im Silicon-Valley

Gerne hätte wir bei dem Besuch auch Interviews geführt mit einigen von den Google-Chefs. Viele Anfragen haben wir gestartet. An Google Deutschland und an die Firmenzentrale in Kalifornien, Wochen im Voraus. Das Ergebnis war ernüchternd: Nicht ein einziges Interview bekamen wir und der Besuch im Googleplex kam erst nach sehr hartnäckigem Nachfragen und auf den letzten Drücker zustande.

Google-Chefs Larry Page und Sergey Brin mit Firmenlogo, Quelle AP

Kein Kommentar: Google-Chefs Page und Brin scheuen Interviews

Der Firmenhauptsitz von Google besteht aus zwölf großzügig verteilten Gebäuden in Mountain View, Kalifornien. Es gibt viel Glas, viel Licht, viel Grün und viele neckische Spielereien und nützliche Einrichtungen, die das Leben und Arbeiten der "Googler", wie sie hier genannt werden, angenehmer machen sollen.

Sunny Gettinger arbeitet seit einem knappen Jahr in der Presseabteilung von Google und führt Besucher über das Gelände. "Hier muss sich jeder Besucher anmelden", sagt sie und zeigt danach auf etwas, was es in jedem Google-Empfangsbereich gibt: einen Fließtext, der auf eine Wand links über dem Schalter geworfen wird. Dort sind die Suchbegriffe zu sehen, die die Nutzer gerade auf der ganzen Welt in Google eingegeben haben. "Avatar, Vertigo, STF" ist da zu lesen, dann kommt ein Wort in Arabisch. Freilich darf der misstrauische Besucher zweifeln, ob dort die Realität abgebildet wird. Denn geht man zum Beispiel von einer Millionen Suchanfragen täglich aus, müssten die Worte im unlesbaren Takt von 0,08 Sekunden pro Wort wechseln. Da müssen also wohl einige ausgelassen werden, um die Lesbarkeit herzustellen.

20 Prozent Herz mit einem Hauch von Google

Ein hüpfburg-ähnlicher aufblasbares Konferenzraum, Quelle: DW Christina Bergmann

Betont kreativ: ein Konferenzraum im Googleplex

Ein Stückchen weiter werden die weltweiten Suchanfragen auf einem Bildschirm als bunte Punkte dargestellt, die aus einem Globus fliegen. Beides sind Beispiele für sogenannte 20-Prozent-Projekte, erklärt Sunny Gettinger: "Jeder bei Google aber insbesondere die Entwickler werden ermuntert, 20 Prozent der Arbeitszeit an einem Projekt zu arbeiten, das ihnen wirklich am Herzen liegt." Und das etwas mit Google zu tun hat. Manchmal nur entfernt, manchmal sei der Bezug stärker. Gmail und Google News seien zum Beispiel Ergebnisse von 20-Prozent-Projekten.

Denn die Googler arbeiten viel – und lange. Die genauen Arbeitszeiten werden nicht verraten. Aber man kann sie erahnen, wenn man sieht, wie die Firma versucht, ihren Mitarbeitern alle zeitraubenden Dinge des Alltags zu erleichtern. Sie sollen die Freizeit genießen können, heißt es. Tatsächlich schafft es wohl noch mehr Zeit, um für Google zu arbeiten.

Wäsche waschen auf der Arbeit

Wer will, kann in der Firma im wahrsten Sinne des Wortes schmutzige Wäsche waschen – es gibt Waschräume mit Waschmaschinen und Trocknern. Wer die chemische Reinigung vorzieht: Kein Problem. Hemden oder Anzüge können an Sammelpunkten auf den Büro-Etagen abgegeben werden und hängen am Freitag gereinigt neben dem Schreibtisch.

Ein Schreibtisch im Großraumbüro im Googleplex ist mit einer Jamaika-Fahne und Lavalampen dekoriert, Quelle: DW Christina Bergmann

Jamaika-Feeling: Googler gestalten sich ihre Arbeitsplätze selbst

Vier Ärzte bieten Sprechstunden an, für verkorkste Mägen oder hartnäckige Erkältungen. Wer vom langen Starren auf den Computer Nackenschmerzen hat, bucht eine Woche im Voraus – über den Google Kalender, über den auch Konferenzen einberufen werden – eine Massage in einem der dezent beleuchteten Massageräume.


Gratis sind die Massagen allerdings nicht, für die meisten Leistungen im Googleplex muss ein Eigenanteil bezahlt werden. Ausgenommen sind die Mahlzeiten: Frühstück, Mittag und Abendbrot gibt es in den diversen Cafés, alles sieht lecker aus. Wer hier allzu üppig zuschlägt, kann die Pfunde in den Schwimmbädern, auf dem Volleyballfeld oder in den Sportstudios wieder loswerden. Letztere gibt es in mehreren Häusern, schließlich soll der Arbeitsplatz nicht unnötig lang verlassen werden.

Kinderspielzeug für verspielte Googler

Mit Tüchern und Lampions bunt geschmücktes Großraumbüro bei Google, Quelle: DW-World, Christina Bergmann

Google-Wonderland: kein Kindergeburtstag, sondern ein Arbeitsplatz im Silicon Valley

In den Gebäuden wechseln sich Weite und Enge ab. Großzügig angelegt sind die Bereiche, in denen Billiardtische stehen. Küchentheken laden in bunten Farben zum Essen oder Spielen ein. In der Bibliothek sind Schienen und Brücken einer Brio-Holzeisenbahn und Legosteine über den Boden verstreut. Es sieht aus wie im Kinderzimmer, soll aber den Erwachsenen Ablenkung verschaffen.


Denn ständig in den kleinen Büro-Eckchen zu arbeiten, kann auf Dauer einengen. Das gibt selbst Sunny Gettinger zu. Die Teams sitzen dort zusammen, fünf bis sieben Leute, mehr oder weniger Rücken an Rücken, durch Stellwände oder Sideboards abgetrennt vom nächsten Team. Einige haben ihre Ecke fantasievoll geschmückt und ihr einen Namen gegeben. Im "Google-Wunderland" sind die Bürostühle mit buntem Tüll umwickelt und Lavalampen stehen auf den Regalen, in der Inselwelt wuchern tropische Pflanzen und dümpeln Kampffische im Glas, im Tanzclub hängt eine Disco-Kugel an der Decke und daneben steht eine beeindruckende Stereoanlage.

Geh doch nach Hause!

Offene, moderne Teeküche mit Barhockern und einem Schachbrett auf dem Thresen, Quelle: DW-World, Christina Bergmann

Pausen-Café: auf jeder Etage eins

Wer will, kann auch eine zeitlang in einem der Cafes arbeiten oder sich zum Telefonieren in separate Räume zurückziehen. Nur eines gibt es im Googleplex nicht: Betten. Schlafen sollen die Googler dann doch zuhause. Sunny Gettinger gehört zu denen, die trotz aller Annehmlichkeiten nicht nur im Googleplex arbeiten wollen. Sie kommt gerne früh, geht um fünf oder sechs Uhr abends, und arbeitet dann zuhause weiter: „Manchmal bin ich einfach gerne zu Hause. Ich mag meine Mitbewohnerin, ich genieße meine Couch und ich möchte einfach nicht immer auf der Arbeit sein.“

Denn ganz so locker, wie es scheint, ist es bei Google dann doch nicht. Fotografiert werden darf nicht überall, Zutritt ist für Besucher, selbst zum Café, nur mit Begleitung erlaubt. Andere, kleinere Firmen sagen, sie ziehen sich aus Bürogebäuden in der Nähe zurück, weil Google sich ausdehnt. Aus dem kleinen, transparenten Unternehmen ist ein großer Konzern geworden - mit weltweit mehr als 13.000 Mitarbeitern und allem, was dazu gehört.





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