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Paul Spies: "Wir zeigen die internationale Vernetzung Berlins"

Eine lebendige Metropole inmitten einer globalisierten Welt - so will sich die Stadt Berlin im künftigen Humboldt Forum inszenieren. Im DW-Interview erläutert Chefkurator Paul Spies sein Konzept.

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Paul Spies ist Chefkurator der Berlin-Ausstellung im künftigen Humboldt Forum

In drei Jahren - 2019 - soll das Humboldt Forum im Herzen Berlins eröffnen. In den beiden oberen Etagen wird die Kunst der Welt gezeigt. Hierfür bereitet Gründungsintendant Neil MacGregor ein mit Spannung erwartetes Konzept vor, das Anfang November der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Die Ausstellungsfläche in der Etage darunter wird von der Stadt Berlin gestaltet. Die ursprüngliche Idee, hier mit Hilfe der Sammlungen der Zentral- und Landesbiblithek die "Welt der Sprachen" zu zeigen, war im März vergangenen Jahres überraschend fallen gelassen worden. Das neue Konzept ist mit "Berlin und die Welt" überschrieben und inszeniert Berlin als lebendige Großstadt inmitten der Globalisierung. Der mit der Planung beauftragte Chefkurator Paul Spies präsentierte jetzt erste Ideen bei einer Pressekonferenz in Berlin. Mit ihm sprach Gero Schließ.

DW: Sie haben die inhaltlichen Schwerpunkte für die Berlin-Ausstellung im künftigen Humboldt Forum vorgestellt. Zu diesen Schwerpunkten zählen etwa Themen wie Krieg, Grenzen, Revolution, aber auch Mode, Freiräume, Weltdenken und Vergnügen. Was genau ist die Idee dahinter, wo ist Ihr Fokus?

Paul Spies: Der Fokus ist die internationale Vernetzung von Berlin. Wir sprechen anhand dieser Aspekte darüber, wie die Stadt mit der Welt vernetzt ist. Es geht darum, zu zeigen, wie die Welt Berlin beeinflusst hat, aber auch, wie Berlin auf die Welt gewirkt hat. Das ist nicht nur eine positive Geschichte, da muss man ehrlich sein. Schauen Sie sich etwa das Thema Krieg an. Von Berlin sind bekanntlich viele Kriege ausgegangen. Vergnügen kann dagegen manchmal sehr positiv sein: Theater, Tanz, Musik, vielleicht auch Sport. Und in einem Raum soll bei uns auch getanzt werden. Unsere These ist: Eine Großstadt wie Berlin ist ständig Einflüssen ausgesetzt - sei es in Wissenschaft, bei der Migration, oder früher auch durch den Kolonialismus. Ständig kommen neue Mitbürger, ständig steht so eine Stadt unter dem Einfluss von Innovationen, die von außen in die Stadt hineingetragen werden.

Können Sie das an einem Beispiel erläutern? Sie haben die Migration genannt. Dazu gibt es in Berlin bereits eine ganze Menge, auch was museal aufgearbeitet ist. Was genau ist da Ihr eigener Ansatz?

Wir unterscheiden uns - natürlich. Man kann zum Beispiel erzählen, was andere nicht machen, dass der Große Kurfürst total pragmatisch seine Stadt für Menschen aus aller Welt geöffnet hat, damit neue Stadtteile entstehen konnten. Er hatte eine schöne Residenz, aber keine Bewohner für die Stadt drumherum, das war der Grund. Das war nicht Toleranz, das war aus Not, er brauchte Einwohner. Deswegen hat er gesagt: Bei uns ist jeder Glaube willkommen. Weil er aus pragmatischen Gründen so offen war, ist Berlin heute eine Weltstadt, die von außen immer wieder neue Einflüsse erhält. Das ist unsere These.

Sie bespielen auf der Beletage des Humboldt Forums 4000qm Ausstellungsfläche. Das ist ja sehr endlich angesichts Ihrer vielen Themen. Wo müssen Sie sich beschränken?

Es gibt unterschiedliche Wahrnehmungsebenen in der Ausstellung. Zunächst stellen wir eher leichtfüßig mit Hilfe von Multimedia die jeweiligen Themen vor. Und dann gibt es eine weitere Ebene, wo der Besucher mitmachen kann, wo er seine eigenen Erfahrungen hinzufügt. Wenn man das alles macht, ist man schon eine Stunde oder mehr in der Ausstellung unterwegs.

Und das alles auf 4000 qm?

4000qm sind schon sehr viel. Und wir sind ja nur ein Teil vom gesamten Humboldt Forum. Deswegen müssen wir die Leute hier auch nicht vier Stunden lang beschäftigen. Die Leute sollen auch gerne weitergehen zu unseren Kollegen nach oben. Da bin ich sehr kollegial.

Es gibt ja bereits sehr viel Aufmerksamkeit für die oberen beiden Etagen, auf denen Neil MacGregor, einer der Gründungsintendanten des Humboldt Forums, die Kunst der Welt präsentieren wird. Fürchten Sie, dass Sie da untergehen, dass Sie zu wenig Aufmerksamkeit bekommen?

Nein, überhaupt nicht. Berlin selbst ist der Grund, warum die Touristen in dieser Stadt sind, nicht die ethnologischen Objekte. Ich fürchte eher, dass wir mit dem Thema Berlin für die anderen so starke Konkurrenz sind, dass wir aufpassen müssen, dass wir nicht monopolisieren. Stellen Sie sich vor, Sie kommen im Humboldt Forum die Rolltreppe hinauf und sehen unsere Ausstellung "Berlin und die Welt". Viele werden sich entscheiden, das anzusehen. Und ein Stockwerk höher hat man eine riesige Ausstellung über ethnologische Objekte. Da muss man kollegial sein und sagen: Unsere Ausstellung ist nur der Beginn. Und sie soll den Menschen Lust machen, weiterzugehen.

Der holländische Museums- und Ausstellungsexperte Paul Spies ist seit Februar diesen Jahres Direktor der Stiftung Stadtmuseum in Berlin und gleichzeitig Chefkurator der Berlin-Ausstellung im künftigen Humboldt Forum. Zuvor leitete er das Amsterdam Museum, das er erfolgreich modernisierte.

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