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Aktuell Europa

Papst wirbt in Karlspreisrede für Dialog und Integration

Papst Franziskus ist im Vatikan für seine besonderen Verdienste um Europa mit dem Aachener Karlspreis ausgezeichnet worden. Für ihn Anlass genug, Europa Mut zu machen und zu warnen.

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Franziskus will sich weiter einmischen

Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche nahm die Auszeichnung in der prächtigen Sala Regia des Apostolischen Palastes entgegen. In seiner eindringlichen Dankesrede widmete Franziskus seinen Preis Europa und forderte den Kontinent auf, sich an seine Gründerväter und deren Ideale zu erinnern. "Sie hatten die Kühnheit, nicht nur von der Idee Europa zu träumen, sondern wagten, die Modelle, die bloß Gewalt und Zerstörung hervorbrachten, radikal zu verändern." Die Pläne der Gründerväter seien nicht überholt: "Heute mehr denn je regen sie an, Brücken zu bauen und Mauern einzureißen", betonte Franziskus. Europa habe ein Fundament für ein Bollwerk des Friedens gelegt daran, müsse weiter gearbeitet werden. Er sei überzeugt, dass Europa nicht resignieren werde. Dabei warb der Papst für eine Kultur des Dialogs. Dialog und Integration müsse für alle selbstverständlich werden. "Gerade in dieser unserer zerrissenen und verwundeten Welt ist es notwendig, zur Solidarität der Tat zurückzukehren", sagte Franziskus.

Einhelliges Lob für den Preisträger

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz würdigte Papst Franziskus bei der Preisverleihung als Kirchenführer, der der Menschheit wichtige Werte vermittle. "Frieden, Solidarität und gegenseitiger Respekt - das was wirklich wichtig ist, zu vertiefen, nicht was uns trennt, sondern was uns einigt", dafür stehe Franziskus, sagte Schulz.

Europa erlebe stürmische Zeiten, stehe vielleicht sogar vor einer Zerreißprobe, so der Vorjahres-Preisträger. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker dankte Papst Franziskus dafür, dass er als Mahner Europa ins Gewissen rede. EU-Ratspräsident Donald Tusk würdigte Franziskus für dessen neue Vision der Kirche. Er stehe für eine Kirche, "die auf Prunk verzichtet, um den Armen zu helfen; eine Kirche, die in ihrer Liebe radikal ist und das urteilen Gott überlässt".

Der Vorsitzende des Karlspreis-Direktoriums, Jürgen Linden, sagte bei der Verlesung der Urkunde, Franziskus gebe "Mut und Zuversicht, Europa wieder zu dem Traum zu machen, den wir seit mehr als 60 Jahren zu träumen gewagt haben".

Preisverleihung an ungewohntem Ort

An dem Festakt im Vatikan nahmen neben den EU-Spitzen, Parlamentspräsident Martin Schulz, Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der spanische König Felipe VI. teil. Auch eine 500 Mitglieder zählende Delegation aus Aachen reiste nach Rom.

Die Feierlichkeiten zur Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen hatten mit einer Messe im Petersdom begonnen. Die Verleihung der renommierten Auszeichnung der Stadt Aachen findet traditionell am Feiertag Christi Himmelfahrt im Krönungssaal des Aachener Rathauses statt. In einer feierlichen Zeremonie werden Urkunde und Medaille überreicht. Für den Papst wurde eine Ausnahme gemacht und die Feier an seine Wirkungsstätte in Rom verlegt.

Der gebürtige Argentinier ist der erste Papst, der den regulären Karlspreis erhält. Sein Vor-Vorgänger Johannes Paul II. war 2004 ein außerordentlicher Karlspreis verliehen worden. Franziskus ist einer der wenigen Nicht-Europäer der mit dem nach Kaiser Karl dem Großen (747 bis 814) benannten Preis ausgezeichnet wurde. Der undotierte Preis gilt als einer der wichtigsten europäischen Auszeichnungen. Er wird seit 1950 an Personen und Institutionen verleihen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben.

qu/djo (dpa, kna, epd, Phoenix)

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