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Welt

Papst und Patriarch: Historisches Treffen

Nie zuvor trafen sich die Spitzen von katholischen und russisch-orthodoxen Christen. Nun begrüßen sich der Papst und der Moskauer Patriarch in Havanna. Ein großes kirchliches Ereignis mit vielen realpolitischen Aspekten.

Beide Seiten verbinden, grob gesagt, die ersten tausend Jahre der Kirchengeschichte. Dann kam es zum Bruch. Über den Machtanspruch des Papstes, über die Bedeutung von Tradition und weitere Punkte. Heute gibt es sehr unterschiedliche Sichtweisen auf das Verhältnis von Kirche und Staat. Kaum eine andere christliche Kirche hat eine solche Nähe zum Gemeinwesen wie die russische Orthodoxie. Das galt im Zarenreich wie im Kommunismus. Deshalb sind bis heute seelsorgerliche Aktivitäten der katholischen Kirche in Russland sowie die Aufspaltung der Orthodoxie und der Christenheit in der Ukraine dem Moskauer Patriarchat ein vehementes Ärgernis.

Nun ist Franziskus unterwegs von Rom nach Mexiko, Kyrills Reiseweg führt von Kuba weiter nach Paraguay und Brasilien. Und doch liegt die kubanische Hauptstadt nicht einfach im zufälligen Schnittpunkt dieser beiden Reiserouten. Wenn in den vergangenen Jahren über ein solches Spitzentreffen spekuliert wurde, galten die weißrussische Hauptstadt Minsk oder die österreichische Hauptstadt Wien als möglicher Treffpunkt. Aber noch jeder Ort in Europa ist belastet mit den Problemen der Trennung von Ost- und Westchristen. "Havanna ist für ein solches Treffen ideal“" sagte der Vorsitzende der Gesellschaft für das Studium des Christlichen Ostens, der Marburger Kirchenhistoriker Karl Pinggera, der Deutschen Welle. Eine areligiöse Regierung mit, gelinde gesagt, Distanz zum Westen. Und Verbundenheit zu Moskau.

Russland Patriarch Kyrill Oberhaupt der Orthodoxen Kirche KIRILL KUDRYAVTSEV/AFP/Getty Images

Patriarch Kyrill, das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche in Russland

"Kreml und Kirche Seite an Seite"

"In Putins Russland stehen Kreml und Kirche Seite an Seite gegen den Westen“ überschrieb Rudolf Prokschi, Professor für Theologie und Geschichte des christlichen Ostens an der Universität Wien kürzlich einen Zeitungsbeitrag. Dies sei eine "Allianz, wie es sie nie zuvor gegeben hat in der mehr als tausendjährigen Geschichte der russischen Orthodoxie". Unter Putin sei die Orthodoxie fast so wie zur Zeit des Absolutismus wieder Staatskirche geworden.

Prokschi sieht die jetzige Begegnung als Überraschung. Hinter den Kulissen der russisch-orthodoxen Kirche konkurrierten unterschiedliche Sichtweisen, zu denen als starke Strömung eben auch eine entschiedene Distanz zum Westen und zu Rom gehöre, sagte er der Deutschen Welle. Doch könne die orthodoxe Seite mit der Begegnung versuchen, Eigenständigkeit zu zeigen. Auch Pinggera spricht mit Blick auf Kreml und Kirche von einer "unglaublichen Nähe zum Staat" - einerseits. Andererseits sei Patriarch Kirill, dessen Lebenslauf die Staatsnähe zeige, eine gewisse Selbständigkeit durchaus zuzutrauen.

Der vatikanische "Ökumene-Minister", der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch, ließ bei einem Interview in dieser Woche die Frage offen, ob das Treffen in Havanna dem russischen Präsidenten helfe. Aber er sagte doch: "Ich denke, dass Putin dem Treffen zustimmt." Mehr könne er dazu nicht sagen. Und Karl Pinggera, der Gelehrte in Marburg, schaut schon auf die russische Einordnung des Treffens von Havanna. "In Russland wird man das auch als Unterstützung des Kreml-Kurses sehen."

Papst Franziskus Copyright: picture-alliance/CITYPRESS 24

Seine Reiseroute kreuzt die des Patriarchen: Papst Franziskus

"Wirklicher Völkermord"

In den ankündigenden Statements kam ein sehr realpolitischer Aspekt zur Sprache. Über Jahre hatte der einflussreiche Leiter des Außenamts des Patriarchats, Metropolit Hilarion, Spekulationen über ein solches Treffen immer wieder mit dem Hinweis auf gravierende Meinungsverschiedenheiten zurückgewiesen. Nun führte er die Lage im Nahen Osten und in Teilen Afrikas an, wo Extremisten einen "wirklichen Völkermord" an Christen verübten. Angesichts dieser tragischen Situation müsse man "interne Meinungsverschiedenheiten" zurückstellen.

Das verweist auf die dramatische Situation in Syrien mit hunderttausenden Toten. Kirill segnete im vorigen Jahr "den Kampf gegen den Terrorismus" und damit Putins Waffengang als "heiligen Kampf“"ab. Eine Linie, die damals wie heute sicherlich nicht vom Vatikan geteilt wird. Deshalb wird es spannend, wie konkret die angekündigte Erklärung wird, die Papst und Patriarch auf dem Flughafen von Havanna unterzeichnen wollen.

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