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Katholische Kirche

Papst Franziskus erlaubt Absolution nach Abtreibung

Es war eine Ausnahmeregelung für das Heilige Jahr, das am Sonntag zu Ende ging. Nun soll sie dauerhaft gelten: Wer abtreibt, dem kann für eine der schwersten Sünden vergeben werden. Unter einer Bedingung.

Papst Franziskus im grünen Krankenhauskittel mit einem Baby auf dem Arm (Foto: Picture Alliance)

An einem seiner "Freitage der Barmherzigkeit" besuchte der Papst im September unangekündigt eine Neugeborenenstation

In seinem Apostolischen Schreiben erlaubt der Papst Priestern, nach einer Abtreibung Frauen und Ärzten bei der Beichte die Absolution zu erteilen, wenn diese reumütig um Vergebung bitten. Ursprünglich sollte dieses Zugeständnis nur für den Zeitraum des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit gelten, das am vergangenen Wochenende zu Ende gegangen war. Dies werde nun ausgedehnt, "ungeachtet gegenteiliger Bestimmungen".

Franziskus betonte aber, Abtreibung sei "eine schwere Sünde, da sie einem unschuldigen Leben ein Ende setzt". Jedoch gebe es keine Sünde, "die durch die Barmherzigkeit Gottes nicht erreicht und vernichtet werden kann, wenn diese ein reuevolles Herz findet."

Papst: "Abtreibung ist zur Gewohnheit geworden"

In einem am Sonntag ausgestrahlten Interview des katholischen, italienischen Senders TV 2000 hatte der Papst eine Abtreibung als "grauenhaftes Verbrechen" bezeichnet. Aus seiner Sicht sei es zu einer "Gewohnheit" geworden, Babys vor ihrer Geburt zu entfernen. Ungeborene Kinder würden abgetrieben, "weil es einfacher ist", sagte Franziskus in dem Interview. Im September 2015 erklärte er aber, als er Priestern erstmals die Vergebung von Abtreibung erlaubte, er wisse um den Druck, der viele Frauen zu dieser Entscheidung geführt habe. "Ich weiß, dass dies eine existentielle und moralische Tragödie ist."

Nach dem katholischen Kirchenrecht werden diejenigen von der Kirche ausgeschlossen, die an einem Schwangerschaftsabbruch mitwirken: die Frauen, Ärzte oder Partner, die Frauen zu einer Abtreibung drängen. In den meisten Ländern konnten bislang nur Bischöfe oder von ihnen beauftragte Priester diese Exkommunikation aufheben und die Sünde vergeben. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ändert sich durch die neue Praxis nichts; hier konnte schon vor dem Heiligen Jahr jeder Priester die Vergebung für eine Abtreibung erteilen.

Am Sonntag hatte Franziskus die Heilige Pforte des Petersdoms geschlossen und so das Heilige Jahr der Barmherzigkeit, das am 8. Dezember 2015 begonnen hatte, beendet. Zudem unterzeichnete er das nun veröffentlichte Schreiben "Misericordia et misera", in dem er Bilanz zieht und neue Initiativen ankündigt.

Video ansehen 02:55

Fazit zum Heiligen Jahr - Im Gespräch: DW-Kirchenexperte Christoph Strack

Barmherzigkeit gilt weiter 

Das Ende des Heiligen Jahres bedeute für ihn nicht das Ende der Barmherzigkeit. Er betont die Vergebung als Zeichen der bedingungslosen Liebe Gottes. "Niemand von uns kann der Barmherzigkeit Bedingungen stellen." Der "Imperativ der Liebe" reiche bis zur Vergebung.

Franziskus dehnt außerdem eine weitere Sonderregelung aus, die er zum Heiligen Jahr für die traditionalistische Piusbruderschaft eingeführt hatte. Bis auf weiteres können Gläubige bei Priestern dieser Gemeinschaft zur Beichte gehen. Der Papst verband damit das "Vertrauen auf den guten Willen ihrer Priester, dass mit der Hilfe Gottes die volle Gemeinschaft in der katholischen Kirche wiedererlangt werden kann". Die Piusbruderschaft hatte 1975 ihre kirchenrechtliche Anerkennung verloren. Ihr wird unter anderem Antisemitismus vorgeworfen.

ust/uh (kna, epd, dpa)

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