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Wissen & Umwelt

Pandemie-Warnstufe 6 - und jetzt?

Ändern wird sich erst einmal nichts. Denn die Warnstufe sagt nichts über die Schwere der Krankheit aus. Zur Zeit verläuft die Schweinegrippe meist harmlos. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Denn das Virus ist unberechenbar.

Sechs Warnstufen bis zur Pandemie (picture alliance/dpa DW-Montage)

Sechs Warnstufen bis zur Pandemie

Seit März etwa breitet sich das Schweinegrippevirus "Influenza A (H1N1)" beeindruckend schnell aus. Aus einem in Mexiko lokal begrenzten Ausbruch (Stufe 3 des Pandemie-Alarmplans der Weltgesundheitsorganisation WHO) entwickelte sich dort rasch eine Epidemie, bei der der Erreger von Mensch zu Mensch übertragen wird. Diese vierte Stufe wurde Ende April erreicht. Schon einige Tage später tauchte das Virus auch in anderen Regionen Amerikas auf. In den USA, in Kanada und in Chile und breitete sich auch dort von Mensch zu Mensch aus.

Solche eigenständigen Epidemien in mehreren Ländern eines Kontinents bedeuten laut WHO-Alarmplan: Pandemiewarnstufe 5. Eine Pandemie (Warnstufe 6) ist erreicht, wenn sich der Krankheits-Erreger auf mehreren Kontinenten ausgebreitet hat. Das ist nun der Fall. In Australien soll es weit über 1000 Fälle geben, in Großbritannien fast 700 und in Japan etwa 500.

Schon nach einigen Monaten auf allen Kontinenten. Das Influenza-Virus A/H1N1 verbreitete sich außergewöhnlich schnell (Grafik: WHO)

Schon nach einigen Monaten auf allen Kontinenten. Das Influenza-Virus A/H1N1 verbreitete sich außergewöhnlich schnell

WHO warnt vor Panik

Trotzdem zögerte die WHO, eine Pandemie offiziell zu bestätigen. Vielleicht, um Panik zu vermeiden. Schließlich folgen aus der Stufe 6 des Alarmplans keine weiteren Konsequenzen. Denn die Stufe 6 spiegelt nicht die Schwere der Krankheit wider sondern ist einzig und allein Ausdruck der Ausbreitung. So sind die Empfehlungen für die einzelnen Länder auch die gleichen wie bei Stufe 5: die Infektion soll jeweils genau überwacht werden, Ausbrüche eingedämmt und die ganze Gesellschaft informiert werden.

Bei Stufe 6 werden die Länder aufgerufen, ihre nationalen Pandemiepläne in Kraft treten zu lassen. Deutschland sieht sich hier gut vorbereitet: "Die neue Einstufung kommt nicht unerwartet", sagt Jörg Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts. "Auf eine solche Situation hat sich Deutschland seit Jahren vorbereitet."

Warnstufe 6 stuft nicht die Schwere der Grippe ein

Die Pandemiestufe 6 der Weltgesundheitsorganisation ändert in Deutschland wenig, außer dass die Bundesländer eine Verteilung der Grippemedikamente vorbereiten. Experten gehen davon aus, dass Tamiflu (Wirkstoff Oseltamivir) und Relenza (Wirkstoff Zanamivir) auch gegen das Schweinegrippevirus "Influenza A (H1N1)" wirken. Diese Medikamente helfen am besten, wenn sie schon kurz nach Ausbruch der Krankheit genommen werden.

Das Influenza-Virus A/H1N1 (Foto: Picture alliance/dpa)

Das Influenza-Virus A/H1N1. Bislang verliefen die meisten Infektionen mit dem Grippe-Erreger harmlos. Doch Experten warnen davor, das Virus zu verharmlosen

Weitergehende Aktionen erfolgen erst, wenn sich die Situation in Deutschland dramatisch ändert. Dann würde Phase 6 B des Nationalen Pandemieplans ausgelöst, die zwei neue Elemente enthält:

Das erste sind "Ordnungsrechtliche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung", wie es im Pandemieplan heißt. Dann besteht je nach Lage die Möglichkeit, Reiseeinschränkungen, die Isolierung von Infizierten oder auch Polizeischutz für Medikamentenlager anzuordnen.

Das zweite neue Element ist der Auftrag zur Produktion und Verteilung eines Impfstoffes. Geimpft werden schließlich erst Personen, die für die medizinische Versorgung und die innere Sicherheit von Bedeutung sind.

Hoffentlich schützt der Impfstoff auch, falls A/H1N1 mutieren sollte. Denn das könnte durchaus passieren (Foto: Pictuere alliance/dpa)

Hoffentlich schützt der Impfstoff auch, falls A/H1N1 mutieren sollte. Denn das könnte durchaus passieren

Der Präsident des Berliner Robert-Koch-Instituts Jörg Hacker schätzt, dass im Herbst ein Impfstoff fertig gestellt sein könnte. Aber vielleicht geht es sogar schneller. Denn der Schweizer Pharmakonzern Novartis meldet jetzt, dass er mit den ersten klinischen Versuchen eines erfolgreich entwickelten Impfstoffs schon im Juli beginnen werde. Die Massenproduktion in Marburg könnte dann im Herbst anlaufen.

In Deutschland ist das Paul Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt für die Freigabe von Impfstoffen zuständig. Für den deutschen Markt produzieren die Unternehmen Novartis in Marburg und GlaxoSmithKline in Dresden den Impfstoff.

Autorin: Judith Hartl

Redakteurin Birgit Becker



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