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Aktuell Deutschland

Panama Papers: Informant meldet sich zu Wort

Einen Monat nach der Veröffentlichung der Panama Papers hat die "Quelle" der Dokumente ihre Beweggründe dargelegt. Der Whistleblower hatte Journalisten Informationen über rund 200.000 Briefkastenfirmen zugespielt.

Auch wenn Briefkastenfirmen nicht immer illegal seien, dienten sie häufig dazu, Verbrechen zu begehen, schreibt die Person, die sich "John Doe" nennt, in der Süddeutschen Zeitung. Die Veröffentlichung der Dokumente habe "keinem bestimmten politischen Zweck" gedient.

Er habe sich dazu entschlossen, die Praktiken der Steuerkanzlei Mossack Fonseca "dem Urteil der Weltöffentlichkeit auszusetzen, weil ich der Meinung bin, dass die Kanzleigründer, Angestellten und Kunden für ihre Rolle bei diesen Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden sollten", schreibt "John Doe" weiter. Bislang sei erst "ein Bruchteil der schmutzigen Machenschaften" bekannt. Es werde Jahre, vielleicht Jahrzehnte dauern, bis alles ans Licht komme.

Steuerfahndung auf den Plan gerufen

Bei den Panama Papers handelt es sich um einen riesigen Berg interner Daten der in Panama ansässigen

Finanzkanzlei Mossack Fonseca,

die mehr als 200.000 Briefkastenfirmen von Politikern und Prominenten verwalten soll. Die Süddeutsche hatte die ursprünglich ihr zugespielten Informationen mit dem internationalen Recherchenetzwerk ICIJ geteilt. Die Enthüllung hatte Ermittlungen auf der ganzen Welt ausgelöst und eine internationale Debatte über Steueroasen und Geldwäsche angestoßen.

Großbritannien Premierminister David Cameron (Foto: Reuters)

Der britische Premier Cameron war durch die Enthüllungen so schwer unter Druck geraten, dass er seine Steuerdaten veröffentlichte

Wie der Informant an die 2,6 Terabyte vertrauliche Daten der Kanzlei gelangte, ist nach wie vor unklar. Er arbeite weder für eine Regierung noch einen Geheimdienst, schreibt er in seinem Manifest. Mossack Fonseca vermutet einen Hackerangriff auf seine Server. Allerdings bezweifeln IT-Experten, dass eine so große Datenmenge von außen gestohlen werden konnte.

Bereit zur Zusammenarbeit mit Behörden

"John Doe" erklärte sich grundsätzlich bereit, mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Derzeit sei aber

der gesetzliche Schutz nicht ausreichend:

"Ich habe mit angesehen, was mit Whistleblowern und Aktivisten in den USA und Europa geschehen ist, wie ihr Leben zerstört wurde, nachdem sie Vorgänge öffentlich gemacht hatten, die offensichtlich kriminell waren."

Er verwies auf das Schicksal des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden und der drei Informanten, die sich wegen der Enthüllung des "LuxLeaks"-Skandals derzeit vor einem Gericht in Luxemburg verantworten müssen. Darüberhinaus fordert "John Doe" die

Regierungen auf, entschieden gegen Steueroasen vorzugehen.

Kritisch äußert er sich auch über die Medien: Mehrere große Pressehäuser, denen er die Dokumente zur Verfügung gestellt habe, hätten kein Interesse daran gehabt, darüber zu berichten.

uh/sti (afp,dpa,süddeutsche)

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