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Politik

Outposts in der Westbank: Bleiben um jeden Preis

Wenige Wochen sind seit dem Abzug der Israelis aus Gaza vergangen. Viele Siedler im Westjordanland fürchten, dass auch ihre Tage gezählt sind. Doch sie rüsten sich schon für ihren Kampf, für immer zu bleiben.

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Outpost Migron: Leben hinter Zäunen

Die Bewohner von Migron haben den Feind im Blick. Von dem Hügel, auf dem ihr Dorf liegt, schauen sie im Westen bis nach Ramallah. Im Winter, wenn der Himmel klar ist, können sie auf der anderen Seite das Tote Meer sehen. Migron ist ein so genannter israelischer Outpost im Westjordanland, mitten in palästinensischem Gebiet.

Der Unterschied zwischen Siedlungen und den Outposts besteht darin, dass Siedlungen nach israelischem Recht legale Außenposten jüdischer Siedler in Palästina sind, Outposts aber, so die offizielle Sprachregelung, "unautorisiert" sind. De facto sind sie illegal.

Leben in Containern

Siedlungen Israel - Migron Outpost

Outpost Migron: Leben in Wohncontainern

50 Familien leben hier, hinter Stacheldrahtzaun, auf einem kargen Felsen. Viele Menschen in den Siedlungen entscheiden sich für ein Leben in der Gefahr, weil der Wohnraum so billig ist. Nicht so in den Outposts. Wer hier hinzieht, ist Idealist. Die Menschen leben in ärmlichen Wohncontainern, in einer Ecke baumelt eine rostige Schaukel im Wind. Ein Container ist ungefähr 44 Quadratmeter groß und kostet 100.000 Schekel, das sind 20.000 Euro.

Alter Mann mit einem Traum

Pinhas Walerstein ist ein jüdischer Siedler im Westjordanland und der Bürgermeister der beiden Siedlungen Adam, Tel Zion und des Outposts Migron. Als sich Walerstein dem Sicherheitsscheck von Migron nähert, winkt die Wache ab: "umdrehen!" Erst nach einer Diskussion macht der Soldat das Tor für seinen eigenen Bürgermeister auf. Misstrauen ist überlebenswichtig in Migron.

Israelische Siedler - Migron Outpost

Siedler bis zum Ende: Pinhas Walerstein

Pinhas Walerstein ist 56 Jahre alt, doch er sieht aus wie 76. Ein grobes Gesicht mit tiefen Falten, die Haare schlohweiß und ein Mund, der niemals lächelt. Aber der Mann hat einen Traum: dass "seine" Städte Adam, Tel Zion und Migron Teil der Stadt Jerusalem werden, das knapp 15 Autominuten entfernt ist – hinter Kontrollposten und dem Sicherheitszaun.

Bleiben um jeden Preis

"Wir haben alles hier, Schulen, Krankenhäuser, Eiscafés. Es ist eine eigene kleine Welt", sagt Pinhas Walerstein als er von Migron auf die Siedlungen Adam und Tel Zion schaut. In den Straßen der Siedlungen ist kein Mensch zu sehen. Es sind Geisterstädte, das Eiscafé ist geschlossen.

58 Israelis sind seit Beginn der 2. Intifada vor fünf Jahren in Pinhas Walersteins Distrikt getötet worden. Erst letzte Nacht wurde bei Migron auf ein israelisches Fahrzeug geschossen. Doch die Siedler wollen bleiben, um jeden Preis.

"Jetzt gehört es uns"

"Wir können dieses Land nicht verlassen," sagt Walerstein, "es ist das Land unseres Volkes. Migron ist ein biblischer Ort, an dem einst König Saul sich aufhielt. Wir können hier nicht weg."

Der Abzug der Israelis aus Gaza macht Walerstein wütend. Jetzt gehe es darum, erst recht im Westjordanland zu bleiben. Und nicht nur das. Der Status quo ist für ihn nicht genug, er will, dass die drei Dörfer nicht länger zwischen Zäunen eingesperrt bleiben, umzingelt von Feinden. Das gesamte Gebiet solle den Siedlern zur Verfügung gestellt werden. "Sehen sie palästinensische Städte hier?", fragt Walerstein und zieht mit seiner Hand weite Linien am Horizont. "Hier leben nicht einmal Palästinenser, hier leben nur wir."

Doch was, wenn das israelische Parlament und die Israelis selbst für eine Räumung auch dieser Siedlungen wären? "Wir bleiben auf jeden Fall. Ob dies hier Palästina oder Israel ist, ist ja auch vollkommen egal. Wir haben dieses Land gekauft und jetzt gehört es uns."

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