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Kultur

Ostern: Hinter dem Horizont geht es weiter!

Karfreitag und Ostern sind nach christlichem Verständnis Ereignisse von universeller Bedeutung für die Menschen. Beide gemeinsam können als wichtigstes Fest der Christenheit viel Hoffnung geben.

Die großen Feste der Kirchen orientieren sich am Leben ihres Religionsstifter Jesus Christus. Keine Frage: Das beliebteste Fest der Deutschen ist Weihnachten, das Fest seiner Geburt. Da wird ein freudiges Ereignis gefeiert. Es werden Geschenke gemacht und die heilige Atmosphäre der Weihnachtszeit ruft viele positive Emotionen hervor.

So wichtig die Geburt Jesu, also das Menschwerden Gottes, auch ist - noch bedeutender sind Karfreitag und Ostern. Karfreitag ist der Gedenktag des Leidens und Sterbens Jesu, Ostern das Fest seiner Auferstehung von den Toten. Beide haben allerdings einen gewissen Vorlauf: Die so genannte Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag und ist die wichtigste Woche des Kirchenjahres. In besonderer Weise wird an die Leiden Jesu und sein Sterben erinnert. Die Bezeichnung "Kar" stammt aus dem Althochdeutschen. "Kara" bedeutet soviel wie Klage oder Trauer. Aus diesem Grund stehen am Todestag Jesu, dem Karfreitag, Trauer und Buße im Mittelpunkt des Gedenkens.

Verbindung von Tod und Auferstehung

Geschnitzte Jesus-Figur am Kreuz. Karfreitagsprozession in El Salvador

Karfreitagsprozession in El Salvador

Früher galt der Karfreitag als höchster Feiertag der evangelischen Christen. Mittlerweile besteht in den christlichen Konfessionen weitgehend Einigkeit darin, dass der stellvertretende Tod Christi für die Schuld der Menschen unlösbar zusammengehört mit Ostern, also dem Tag seiner Auferstehung. Dass das höchste Fest der Christenheit, bestehend aus Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag, inzwischen als Einheit mit unterschiedlichen Aspekten gesehen wird, unterstreicht auch der Theologe Ulrich Lüke: "Wenn man nur Karfreitag begeht, dann ist das ein todtrauriges Ereignis und dann ist das sozusagen der Abschied von einem Looser. Da muss ich Ostern mitdenken, sonst habe ich auch Karfreitag nicht richtig gedacht. Insofern gehören die unmittelbar zusammen." Allerdings ist es dem katholischen Theologieprofessor wichtig, dabei auch Weihnachten nicht aus dem Blick zu verlieren. Karfreitag dokumentiere die letzte Konsequenz von Inkarnation - also von der Menschwerdung Gottes. "Was Weihnachten beginnt - Gott von Anfang an als Mensch und beim Menschen - und am Karfreitag dann endet - Gott bis zum Ende beim Menschen - das gehört zusammen."

Intrige, Verleumdung, Prozess

Was am ersten Karfreitag der Geschichte passierte, wurde bereits am Vorabend eingeleitet. Jesus hatte mit seinen zwölf engsten Begleitern das Abendmahl eingenommen - ein letztes Mal Gemeinschaft und wegweisende Worte des Meisters. Kurz darauf folgten Verrat und Gefangennahme.

Silhouette des gekreuzigten Jesu vor der Sonne (Foto: http://de.fotolia.com/id/9840532)

Erleuchteter Jesus am Kreuz

Am Karfreitag hatte er zwei Prozesse zu erdulden - einen der jüdischen Obrigkeit, die Jesus aus theologischen Gründen beseitigen wollte und einen der römischen Herrscher. "Das Ganze war ein trickreiches Zusammenspiel", so Lüke, da die Juden nicht die Herren im eigenen Land waren, sondern die Römer. "Die hatten festgelegt, dass nur sie Todesurteile fällen und vollstrecken durften. Den Römern war es eigentlich egal, ob da einer behauptet, er sei Gottes Sohn. Die interessierte, dass Ruhe im Land war." Aus diesem Grund denunzierte die religiöse jüdische Oberschicht Jesus als Königsanwärter, als Aufrührer und Befreiungskämpfer. "Der römische Statthalter Pilatus hat dann mit ihm kurzen Prozess gemacht. Nach allem, was wir über den Prozess wissen, hat er wenig gegen ihn gefunden, aber dann doch unter dem Druck des Mobs Jesus dem Tod preisgegeben." Tod durch Kreuzigung - eine der brutalsten Hinrichtungsarten der Antike. Oftmals dauerte der Todeskampf der Delinquenten mehrere Tage.

Merkwürdige Dinge

Porträt von Prof. Dr. Ulrich Lüke. (Foto: Dr. Silvia Becker / Dr. Lüke Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Deutschlandradio und Deutsche Welle)

Prof. Ulrich Lüke

Nur wenige, die die Kreuzigung Jesu miterlebten, ahnten wohl, dass dort gerade jemand von besonderer Bedeutung starb. "Die theologischen Definitionen, Jesus sei vom Wesen her wahrer Gott und zugleich wahrer Mensch, sind Begriffe, die sich erst danach theologisch und philosophisch entwickelten", erklärt Lüke, Professor für Systematische Theologie an der Technischen Hochschule Aachen. Allerdings wird in den Berichten des Neuen Testaments der Bibel berichtet, dass sich zum Todeszeitpunkt Jesu die Sonne verfinsterte, dass die Erde bebte und weitere unerklärliche Dinge passierten. Für Lüke beeindruckend: "Jesus durchlebt die letzte Konsequenz von Menschsein bis zum brutalen Tod. Das ist der Inkarnationsgedanke, dass Gott von Anfang bis Ende beim Menschen ist. Was wäre das für eine Form von Solidarität mit der menschlichen Endlichkeit, Schwäche und Hinfälligkeit, wenn er sich gewissermaßen vorher aus dem Staub gemacht hätte?"

Zurück bleibt die kleine erschütterte, traurige und verängstigte Gruppe seiner Weggefährten, die das Ende all ihrer Hoffnungen und Träume vor Augen hat.

Das Ende nur ein Übergang

Friedhof im Herbst (picture-alliance/dpa)

Gräber - für Christen keine Endstation

Das, was wir heute Ostern nennen, wird für die Anhänger Jesu allerdings der Tag der Überraschung. Am Morgen des dritten Tages nach der Kreuzigung ist das Grab, in das der tote Jesus gelegt wurde, leer. Zeugen sind dem Auferstandenen begegnet. "Und zwar auch solche Zeugen, die überhaut nicht daran gedacht haben, dass er auferstehen könnte", sagt Ulrich Lüke. So habe Maria von Magdala, die als erste das leere Grab vorfand, schockiert geglaubt, der Leichnam sei gestohlen worden. "Sie ist sogar so tränenblind, dass sie Jesus noch nicht einmal erkennt als er ihr begegnet. Sie muss erst von ihm angesprochen werden und dann gehen ihr die Augen auf. Die Oster-Zeugen sind also keineswegs schon mit einem Halleluja auf den Friedhof gekommen, weil sie wussten, Jesus steht jetzt da als Held über allem." Erst die leibhaftige Begegnung mit dem, der von den Toten auferstanden ist, überzeugte die ersten Christen davon, dass er wirklich lebt.

Perspektive bis heute

Für Christen ist das Karfreitags- und Ostergeschehen mit dem Gefühl der Hoffnung verbunden. Lüke, der als Theologieprofessor und Biologe auch Fachmann für das Verhältnis von Naturwissenschaft und Glaube ist, erklärt das so: "Es eröffnet eine neue Perspektive."

Teil der Weltkugel mit Weltall und Sonne

Hinter dem Horizont - unendliche Weiten. Hinter dem Horizont menschlicher Existenz: Leben in der Ewigkeit Gottes

Die zahllosen Leiden, die ein Mensch für sich und die die Menschheit insgesamt habe, Dramen wie Auschwitz, Stalingrad oder das Massaker von My Lai würden durch die christliche Auferstehungsbotschaft gekontert. Sie vermittele: "Dieses Leben, das wir in seiner Endlichkeit und Materialität kennen, ist nicht das Letzte. Sie öffnet also den Horizont, macht Menschen fähig, die am Grab stehen, nicht nur 1,80 Meter in die Tiefe zu gucken, sondern über das Grab hinauszuschauen, in einen neuen Horizont von Leben hineinzuschauen." Das bedeutet: Ostern eröffnet für Christen eine Dimension, die über das irdische Leben und den Tod hinausgeht.

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