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Von Hollywood bis Teheran

Oscar-Gewinner Asghar Farhadi im Iran wie Nationalheld gefeiert

Der iranische Regisseur war aus Protest gegen das Einreisedekret von Präsident Trump nicht nach Hollywood gekommen, hat aber den zweiten Oscar gewonnen. Seine Landsleute sind begeistert.

Oscars Asghar Farhadi (picture-alliance/AP Photo/M. Euler)

Asghar Farhadi posiert für ein Foto bei der "Salesman"-Premier in Paris

Auch wenn die Trump-Administration für ihn eine Ausnahme machen würde, wolle er aus Empörung nicht an der Zeremonie in Los Angeles teilnehmen: Der iranische Filmemacher Asghar Farhadi hatte für seinen Protest gegen den Einreisestopp von Präsident Donald Trump gegen sieben muslimische Staaten viel Unterstützung erhalten, auch aus seinem eigenen Land. Umso mehr wurde er jetzt von den Iranern begeistert bejubelt, nachdem er für sein Werk "The Salesman" mit dem bereits zweiten Oscar ausgezeichnet wurde.   

Auch Außenminister stimmt ein in Lobeshymnen 

In den sozialen Netzwerken wurde Farhadi wie ein Nationalheld gefeiert. Auch von Regierungsseite gab es Glückwünsche und Lobeshymnen. Auf Twitter gratulierten der Außen- und der Jugendminister. Man sei nicht nur stolz wegen des Oscars, sondern auch wegen der Reaktion des gesamten Ensembles auf das Einreiseverbot der US-Regierung, schrieb Außenminister Mohammed Dschawad Sarif.

USA Nominiert als bester fremdsprachiger Film The Salesman (picture alliance/AP Photo/Cohen Media Group/Amazon Studios)

Szene aus dem preisgekrönten Streifen "The Salesman"

Farhadi gewann mit "The Salesman" den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Der Streifen handelt von einem Ehepaar, das einen Überfall nicht anzeigt, sondern Selbstjustiz übt.

Der Regisseur erklärte zur Begründung seiner Absage, er tue es für sein Volk. Wenn Iraner nicht in die USA reisen dürfen, wolle er es auch nicht. "Wer die Welt in Kategorien von 'Wir' und 'unsere Feinde' einteilt, schafft Angst", heißt es in seinem offenen Brief.

Schutz vor Verfolgung durch Erfolg?

Farhadi stellte in seinen Botschaften aber auch klar, dass er nicht nur die Politik des neuen US-Präsidenten kritisiere, sondern auch die der Teheraner Führung. Extremismus, egal von welcher Seite, schüre nur unnötig Hass. Der 44-Jährige gilt als Regimekritiker, der aber, auch wegen seiner zahlreichen internationalen Erfolge, vom System geduldet wird.  

Bereits 2012 hatte Farhadi in derselben Kategorie den Oscar für das Gesellschaftsdrama  "Nader und Simin - eine Trennung" ("A Separation") gewonnen. Die Nachrichtenagentur ISNA lobte jetzt überschwänglich, er stehe mit seinem zweiten Oscar nun auf einer Stufe mit legendären Filmemachern wie Akira Kurosawa, Federico Fellini und Ingmar Bergman. Der Chef der iranischen Cinema-Abteilung, Hodschatollah Ajubi, nannte Farhadi "Licht und Wein" der iranischen Filmindustrie.

SC/jj (APE, dpa) 

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