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Musik

Orchestercampus: eine "ausgezeichnete Idee"

Der Orchestercampus beim Beethovenfest Bonn ist eine von Deutschlands besten Ideen. Das hat die Initiative "Deutschland - Land der Ideen" entschieden, die alljährlich 365 innovative Projekte auszeichnet.

Titel: Szenen von Proben mit dem National Youth Orchestra Iraq (Copyright: Bettina Kolb / DW)

Proben mit dem National Youth Orchestra Iraq

Der Orchestercampus ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Welle und des Beethovenfests Bonn, bei dem jedes Jahr das Jugendorchester eines anderen Landes antritt. Ob russische, vietnamesische, türkische oder chinesische Nachwuchsmusiker: Sie alle spielen Werke des berühmtesten Sohns der Stadt Ludwig van Beethoven und überraschen das Publikum dann mit zeitgenössischen Kompositionen, die von der Deutschen Welle bei Komponisten aus den jeweiligen Ländern in Auftrag gegeben wurden.

Für Furore sorgte bereits 2010 der Besuch der Sinfônica Heliópolis aus São Paulo, ein Orchester, das sich ausschließlich aus Jugendlichen formiert, die in den Armenvierteln Brasiliens leben. Und auch 2011 sorgte der Orchestercampus für Aufsehen: Das National Youth Orchestra of Iraq gab sein erstes Gastspiel im Ausland.

Spielfreude und Toleranz

Sinfonica Heliopolis ( Copyright: Danetzki & Weidner)

Sinfônica Heliópolis bei den Proben

Was den jungen Künstlern noch an Feinschliff fehlen mag, machen sie durch Leidenschaft und Spielfreude wett. In ihren Heimatländern ist es nicht immer selbstverständlich, Musik machen zu dürfen. Musizierende Mädchen sind zum Beispiel im Irak nur sehr ungern gesehen, westliche Musik ist verpönt. Und in Brasiliens Elendsvierteln können sich nur die wenigsten eigenes Instrument leisten. Umso mehr wissen sie den Wert der Musik zu schätzen und vermitteln das immer wieder einem begeisterten Publikum.

Musik ist eine internationale Sprache, das zeigt der Orchestercampus immer wieder. Über alle kulturellen Unterschiede und Sprachbarrieren hinweg werden Feindseligkeiten zwischen Völkern einfach weggegeigt. Palästinenser musizieren mit Israelis, Muslime mit Christen, Kurden mit Arabern. Offenheit, Toleranz und Kooperation sind die Schlüsselworte, die die Macher des Orchestercampus inspiriert, und sie scheinen Erfolg damit zu haben.

Über den Tellerrand hinaus

Ausflug nach Köln des National Youth Orchestra of Iraq, (Copyright: Naomi Conrad / DW)

Ausflug ins Städtchen

Der erste Orchestercampus beim Beethovenfest Bonn fand 2001 statt. Fragt man den Musikernachwuchs aus aller Welt, was sie am meisten beeindruckt, lautet die Antwort nicht selten: in der Stadt herumzulaufen, in der einst ihr Idol Beethoven wandelte. Erschreckend auch, dass sich nicht wenige einfach nur darüber freuen ,sich erstmals in einer Umgebung ohne Gewalt, Überfälle und Schießereien frei zu bewegen.

Der Orchestercampus ist sowohl für Besucher als auch für Gastgeber eine einzigartige Erfahrung, über den eigenen Tellerrand hinweg Einblicke in andere Kulturen zu bekommen. Die jungen Musiker sind zu Gast bei Bonner Familien und erleben so den deutschen Alltag, und die Gastfamilien erfahren von ihren Schützlingen viel Neues aus deren Ländern. Oft halten die geknüpften Kontakte über das Beethovenfest hinaus.

Visionen werden belohnt

Musiker beim Orchestercampus

Hoffnungsfrohe Nachwuchsmusiker

Das Konzept des Orchestercampus hat die Initiative "Deutschland – Land der Ideen" überzeugt. Die Auszeichnung wird im Rahmen des diesjährigen Beethovenfestes im September übergeben. Einfallsreichtum, schöpferische Leidenschaft und visionäres Denken sind die Hauptkriterien, die von den Juroren belohnt werden. Die Bundesregierung, führende Wirtschaftsunternehmen und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) haben die Initiative 2006 ins Leben gerufen. Der ehemalige Bundespräsident und frühere Schirmherr Horst Köhler brachte es auf den Punkt: "Deutschland - ein Land der Ideen: Das ist nach meiner Vorstellung Neugier und Experimentieren. Das ist in allen Lebensbereichen Mut, Kreativität und Lust auf Neues, ohne Altes auszugrenzen."

Aus allen 365 ausgewählten ideenreichen Projekten des Jahres werden pro Wettbewerbskategorie ein Bundes- sowie ein Publikumssieger gewählt. 2011 wurden übrigens in der Kategorie "Musik" die Schülermanager des jungen Beethovenfestes  Bundessieger.

Autorin: Suzanne Cords
Redaktion: Rick Fulker

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