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Aktuell Afrika

Opposition pocht auf Anerkennung von Völkermord in Nambia

Was in Deutsch-Südwestafrika geschah, nennen Historiker den "ersten Völkermord" des 20. Jahrhunderts. Aber die Bundesregierung nicht. Jetzt gibt es neue Forderungen, die Schuld komplett anzuerkennen.

Kaiserliche Truppen rüsten sich gegen Herero-Aufstand im damaligen Deutsch-Südwestafrika (Archivbild: dpa)

Kaiserliche Truppen rüsten sich gegen Herero-Aufstand im damaligen Deutsch-Südwestafrika (Archivbild)

Hundert Jahre nach dem Ende der deutschen Kolonialherrschaft im heutigen Namibia drängen Menschenrechtler, Opferverbände und die Opposition die Bundesregierung, die damaligen Massaker endlich als Völkermord anzuerkennen. Der Vorsitzende der Linksfraktion, Gregor Gysi, und Grünen-Parteichef Cem Ödzemir forderten eine offizielle deutsche Entschuldigung. Gysi sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Es geht nicht, dass die Bundesregierung sich bei diesem Thema immer noch wegduckt." Özdemir sagte ebenfalls der dpa: "Dieses Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte darf nicht unbearbeitet bleiben. Als Rechtsnachfolger trägt die Bundesrepublik hier Verantwortung."

Zwischen 1904 und 1908 hatten kaiserliche Truppen im damaligen Deutsch-Südwestafrika mindestens 85.000 Angehörige der aufständischen Volksgruppen Herero, Nama Damara und San ermordet. Nachkommen von Überlebenden fordern seit Jahrzehnten von Deutschland, die blutigen Massaker als Völkermord anzuerkennen und Entschädigungen zu zahlen.

Petition zum Jahrestag

Am 9. Juli 1915, während des Ersten Weltkriegs, endete nach 31 Jahren die deutsche Kolonialherrschaft in Namibia. Anlass für eine Unterschriftenaktion, in der die Bundesregierung aufgerufen wird, den Genozid offiziell anzuerkennen. Am kommenden Montag (6. Juli) soll die Petition an Bundespräsident Joachim Gauck übergeben werden. Auch eine namibische Delegation wird dazu anreisen, wie das Bündnis "Völkermord verjährt nicht!" in Berlin mitteilte. Weitere Forderungen sind den Angaben zufolge eine offizielle Entschuldigung, die Rückgabe der damals nach Deutschland gebrachten menschlichen Überreste und ein Mitwirken an Versöhnungsprojekten. In deutschen Museen lagern noch heute zahlreiche Knochen von Herero-Nachfahren, die damals zu "rassenanatomischen Untersuchungen" nach Deutschland gebracht wurden.

Ex-Entwicklungsministerin macht sich für Namibia stark

Zu den Unterzeichnern gehören mehrere Bundestagsabgeordnete sowie die frühere Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), die 2004 bei einem Besuch in Namibia gesagt hatte: "Die damaligen Gräueltaten waren das, was man heute als Völkermord bezeichnen würde." So weit gingen die verschiedenen Bundesregierungen seither nie wieder. Wieczorek-Zeul forderte Regierung, Bundestag und Bundespräsident auf, sich zur deutschen Schuld zu bekennen. Mit Blick auf eine Parlamentsdebatte im April sagte sie der Deutschen Presseagentur: "Der Völkermord an den Armeniern wurde im Bundestag vor wenigen Wochen klar benannt und die Türkei aufgefordert, sich zu ihrer Verantwortung zu bekennen. Wir dürfen nicht nur andere auffordern, Position zu beziehen, sondern müssen das auch selber tun."

Zwischen Deutschland und Namibia laufen derzeit Regierungsgespräche, in denen es neben der Anerkennung des Völkermordes auch um finanzielle Entschädigung geht. Die Verhandlungen kommen nach Angaben des Auswärtigen Amts "gut voran", sind aber noch nicht abgeschlossen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat dazu den Afrika-Beauftragten des Auswärtigen Amts, Georg Schmidt, seit Beginn des Jahres zwei Mal nach Windhuk geschickt.

Von 1884 bis 1915 war Namibia deutsche Kolonie. Von 1920 an verwaltete Südafrika das Nachbarland mit einem Mandat des Völkerbundes und dehnte später seine Apartheidpolitik auf das Territorium aus. Das führte zum Konflikt mit den Vereinten Nationen, die Südafrika das Mandat 1966 entzogen und dem früheren "Deutsch-Südwestafrika" den Namen Namibia gaben. 1990 wurde Namibia unabhängig.

qu/sp (dpa, kna)