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Wissen & Umwelt

Open Access revolutioniert die Wissenschaft

Immer mehr Wissenschaftler veröffentlichen ihre Forschungsergebnisse im Internet. Wissen wird damit schneller und leichter verknüpfbar. In Berlin ist mit ScienceOpen eine neue Plattform online gegangen.

Screenshot scienceopen.com

Die Wissenschafts-Plattform ScienceOpen ist gerade online gegangen

"Für mich ist es sehr wichtig, dass alle Leute sofort Zugang zu den wunderbaren Produkten der Wissenschaftler haben", sagt

Stephanie Dawson

. Die Biologin mit Yale-Abschluss ist Managing Director von

ScienceOpen

, einer Wissenschaftsplattform, die an diesem Dienstag (06.05.2014) online gegangen ist. Sie verantwortet den operativen Bereich, organisiert die Redaktion der Wissenschaftsbeiträge, die auf dem Portal veröffentlicht werden. Für Dawson ist "der Zugang zu diesem Wissen fast ein Menschenrecht. Schließlich ist das alles mit Steuergeldern bezahlte Forschung."

Ohne Querdenken keine Relativitätstheorie

Der Wissenschaftshistoriker

Professor Jürgen Renn

setzt sich schon seit Jahren für Open Access ein. "Es kann keine künstlichen Barrieren geben, um von einem Artikel zum anderen zu kommen. Man muss frei im Wissen surfen können!" Nur durch den so möglichen permanenten Austausch zwischen Wissenschaftlern aus der ganzen Welt könnten bahnbrechende neue Erkenntnisse gewonnen werden. Interdisziplinäres Arbeiten wird erleichtert.

Diesen Blick über den Tellerrand habe es schon früher gegeben, bei Darwin und seiner Evolutionstheorie etwa oder bei Einsteins Relativitätstheorie. "Diese beiden haben Zusammenhänge erkannt, die andere mit vielleicht spezialistischerem Blick nicht erkannt haben." Renn, Direktor am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, nennt die Schlagworte "Findbarkeit und Verknüpfbarkeit".

Die Wissenschaft profitiert von der Schnelligkeit

Stephanie Dawson kennt auch die traditionelle Seite wissenschaftlicher Publikationen: Zwölf Jahre hat sie für einen renommierten Verlag gearbeitet, hat sich dort um die Veröffentlichung von Biologie- und Chemie-Artikeln in Zeitschriften und Büchern gekümmert. Dabei hat sie auch die hohen Standards zur Qualitätssicherung kennengelernt. Wissenschaftliche Forschungsergebnisse mussten erst aufwändige Gutachter-Verfahren von bis zu sechs Monaten Dauer durchlaufen, bevor sie sich in den Fachmagazinen wiederfanden. Für die Wissenschaftler, auch für die Wissenschaft selbst, ein enormer Zeitverlust. Durch das Internet geht es deutlich schneller.

Angst um die Güte der Veröffentlichung hat die gebürtige Kalifornierin nicht: "Natürlich lassen wir durch unsere Redakteure prüfen, ob es sich um Wissenschaft handelt. Aber dann setzen wir auf die Stärke des Internets: Wir laden die wissenschaftliche Community ein, ihre Gutachten zu schreiben." Das bringe mehr Transparenz gegenüber der bisher gängigen Praxis, "in der in wissenschaftlichen Verlagen ein oder zwei Experten im Geheimen ihren Stempel unter einen Artikel gesetzt haben", so Dawson, "und wo nach der Veröffentlichung nie wieder über die Qualität der Arbeit gesprochen wurde." Etwaige Fehler oder Irrwege können so auch nach Jahren korrigiert oder relativiert werden, im Gegensatz zu Print-Publikationen.

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Research Gate - Facebook für Forscher

Die traditionellen Verlage führen gern das Argument der Vorselektion an. Sie wählen aus der Unzahl von Angeboten die vermeintlich relevanten aus. Aber auch hier entgegnet Stephanie Dawson: "Google ist die meistgenutzte Wissenschafts-Suchmaschine", sagt sie, "so funktioniert wissenschaftliches Arbeiten heute". Und dazu seien Plattformen, auf denen Wissenschaftler sich austauschen und vernetzen können immer mehr im Kommen. Indirekt pflichtet dem Jürgen Renn bei: "Auch bisher waren es nicht die Verlage, die ausgewählt haben, sondern die Wissenschaft selbst. Die Explosion an Veröffentlichungen hat bereits vor der Digitalisierung begonnen, jetzt werden zusätzlich neue Strukturen in diese Vielfalt gebracht." Auch der Auswahlprozess würde transparenter und damit objektiver.

Open Access - ein Grundprinzip des Internets

800 Dollar, etwa 600 Euro, so Dawson, kostet die Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Artikels auf ScienceOpen einschließlich Redaktion und sprachlicher Korrekturen. "Wir wollen etwas Hochwertiges präsentieren, uns aber abgrenzen von Internet-Magazinen, die für einen Open-Access-Artikel 5000 oder 6000 Euro verlangen." Das sei langfristig für die Community kein tragbares Modell. Für die Leser ist die Nutzung von ScienceOpen ebenso kostenlos wie andere Features der Plattform, wie ein "Workspace", ein geschützter Raum, in dem gemeinsam an einem Paper, einem Artikel, gearbeitet werden kann. Bereits mit dem Start konnten die Besucher der Website auf über eine Million Fachbeiträge zurückgreifen. Sechs Mitarbeiter in Berlin und weitere sechs in Boston in den USA arbeiten bei ScienceOpen.

Der sogenannte Open Access, also der freie Zugang, ist in der Wissenschaft nicht neu. Schon seit es das Internet gibt, findet der freie Austausch von Wissen statt, sagt Wissenschaftshistoriker Renn: "Die Idee von Open Access ist so tief mit dem Web verknüpft, dass man beides nicht mehr voneinander trennen kann."

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