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Wirtschaft

Online-Handel boomt in Deutschland

Onlinehändler und Versender sind derzeit die Wachstumstreiber in der Einzelhandelsbranche. Sie tragen überproportional zum Aufbau von Beschäftigung bei, und ihre Investitionsbereitschaft ist auf Rekordniveau.

Deutschlands Online-Handel boomt. Die Branche hat im vergangenen Jahr den Umsatz deutlich gesteigert, Arbeitsplätze geschaffen und eine Investitionsbereitschaft auf Rekordniveau gezeigt. Das ist das Ergebnis einer Studie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) und der Creditreform Boniversum GmbH (Boniversum), zu der über 130 Unternehmen befragt wurden

Dank E-Commerce und Internet ist der Versandhandel so vital wie nie zuvor: Der Umsatz im Interaktiven Handel nahm 2015 auf ähnlichem Niveau zu wie 2014. Die Branche setzt aktuell jährlich im Privatkundengeschäft mit Waren und Dienstleistungen rund 63 Milliarden Euro um – eine Steigerung um 6,2Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der jährliche Gesamtumsatz im Geschäft mit gewerblichen Kunden wird auf mindestens acht Milliarden Euro geschätzt.

"Der Interaktive Handel bleibt auch weiterhin der Wachstumstreiber im deutschen Einzelhandel und entwickelt sich deutlich überdurchschnittlich. Auch wenn die Dynamik etwas verhaltener ist als in den Vorjahren“, sagt bevh-Geschäftsführer Christoph Wenk-Fischer. Lageeinschätzung und Erwartungen lägen im Interaktiven Handel deutlich über den Werten der deutschen Gesamtwirtschaft, heißt es in der Studie.

Sieben von zehn sind zufrieden

Der Trend ist allerdings uneinheitlich. Die Lagebeurteilungen zu Umsatz- und Gewinnentwicklung verbessern sich, weil die Unternehmen Bestellmengen ausweiten und Verkaufspreise erhöhen konnten. Auftragseingang und Personallage werden dagegen leicht schlechter als im Vorjahr bewertet. Und auch wenn die Erwartungen der Unternehmen für die nähere Zukunft leicht positiver ausfallen als 2014, hat sich die Zahl der eher negativen Bewertungen erhöht. Rund 68 Prozent der Online- und Versandhändler bewerten die Aussichten für ihre Geschäftslage in den nächsten zwölf Monaten als "sehr gut" oder "gut".

Die Investitionsbereitschaft des Interaktiven Handels erreicht im Frühjahr 2016 ein Rekordniveau, 92 Prozent der Umfrage-Teilnehmer planen in den nächsten zwölf Monaten Investitionsvorhaben. Das liegt weit über dem Wert der Gesamtwirtschaft. Für einen eher verhaltenen Blick der Online- und Versandhändler in die Zukunft sprechen aber die Investitionsziele des Interaktiven Handels. Investitionen zur Kapazitätserweiterung werden deutlich weniger geplant als im Vorjahr. Dagegen haben Ersatzbeschaffung, Rationalisierung und Investitionen in verbesserte Geschäftsabläufe zugenommen.

"Alles in allem zeigt unsere Analyse überaus positive Zahlen. Der Online- und Versandhandel verbleibt im Konjunkturboom“, sagt Ralf Zirbes, Geschäftsführer Boniversum. "Jedoch ist nicht alles rosig im Interaktiven Handel. Der Unternehmensbestand ist 2015, wie auch in der gesamten deutschen Wirtschaft, gesunken. Der Ertragsanstieg ist in Relation zum erhöhten Umsatz eher gering. Trotzdem bleiben die Perspektiven deutlich positiv." Zur Zeit beschäftigt die Brance knapp 83.000 Menschen, ein Zuwachs von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Einsatz von Social Media lohnt sich

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Nutzung von Social Media leicht rückläufig. Nur noch acht von zehn statt wie 2014 neun von zehn Online- und Versandhändlern nutzen Kanäle wie Facebook, Google+ oder Twitter, um ihre Kundenbeziehungen zu qualifizieren und auszubauen. Trotzdem gehört die Social-Media-Nutzung zum Service- und Kommunikationsstandard der meisten Online- und Versandhändler. 48 Prozent der Unternehmen geben an, ihren Personalbestand für Social Media zu erhöhen. Und das scheint sich auszuzahlen. Bei vier von zehn Unternehmen ist offensichtlich der Umsatz durch Social-Media-Nutzung gestiegen. Und wie schon im letzten Jahr weisen Unternehmen, die Social Media nutzen, ein deutlich besseres Geschäftsklima auf als Unternehmen, die nicht in den sozialen Medien aktiv sind.

Etwa vier von zehn Unternehmen des Interaktiven Handels in Deutschland nutzen das Instrument der "dynamischen Preisgestaltung".Das heißt, sie passen die Verkaufspreise ihrer Produkte sehr kurzfristig besonderen Anlässen an. Jedes fünfte Unternehmen plant die Einführung in den nächsten zwölf Monaten. Die Preise werden von der Mehrheit der Online- und Versandhändler "unregelmäßig, je nach Bedarf" angepasst, je nach "Preisverhalten von Wettbewerbern" oder "Bestellverhalten der Kunden".

Besonders Unternehmen aus der Freizeit- und der Technikbranche gestalten ihre Preise flexibel. Die Mehrheit der Unternehmen, sieben von zehn, bewerten die dynamische Preisgestaltung als wichtig für das eigene Kundengeschäft. Die höchsten Wichtigkeitswerte vergeben dabei Unternehmen, die angeben, in näherer Zeit keine Investitionen zu planen. "Grundsätzlich ist es nichts Neues, dass Händler ihre Preise Angebot und Nachfrage entsprechend anpassen. Treibende Kräfte waren schon immer der Wettbewerb und das Kundenverhalten. Heute bieten intelligente Softwarelösungen Händlern jedoch noch passgenauere Möglichkeiten der Preisgestaltung, um im Wettbewerb zu bestehen“, erklärt bevh-Geschäftsführer Christoph Wenk-Fischer.