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Wirtschaft

Keine Stadt ohne Shoppingcenter

Nie zuvor gab es in Deutschland so viele Shoppingcenter: In nur 20 Jahren ist ihre Zahl von 180 auf aktuell knapp 480 gestiegen. Doch die Sättigungsgrenze ist bald erreicht, sagen Einzelhandelsforscher voraus.

Der große Boom der Shopping-Center-Neueröffnungen flacht langsam ab. Im laufenden Jahr 2016 werden nur vier Einkaufstempel in Deutschland neu eröffnet, nachdem im Jahr 2014 neun und im vergangenen Jahr 13 Objekte ihre Tore geöffnet haben. Dennoch gebe es viel Bewegung in der Branche, heißt es in einer Studie des Kölner EHI Retail-Institute. Das zeige die Planung von insgesamt 26 Shopping-Centern, die ab 2017 neu entstehen sollen. Zudem setzen die Investoren nach wie vor auf die so genannte "Revitalisierung" von bestehenden Centern, heißt es.

Ein Grund für den Boom ist das viele Geld ausländischer Investoren, die nach Anlagemöglichkeiten suchen. Ein neues Shoppingcenter kostet etwa 100 bis 300 Millionen Euro."Dahinter stehen institutionelle Geldgeber wie Fonds, die den deutschen Immobilienmarkt als sehr attraktiv ansehen. Aufgrund der langen Mietverträge sind Handelsimmobilien sehr gut kalkulierbar. Darauf setzen diese Investoren", sagt Marco Atzberger, Studienautor und Mitglied der Geschäftsleitung beim EHI.

Modernisierung alle zehn Jahre

Insgesamt 476 deutsche Shopping-Center mit einer Gesamtfläche von 15,3 Millionen Quadratmetern hat das EHI bis Anfang des Jahres erfasst. 2020 werden es gut 490 sein, schätzen die EHI-Forscher. "Die hohe Dichte an Shopping-Centern in Deutschland sorgt aktuell für ein verlangsamtes Wachstum bei den Neueröffnungen", heißt es in der Studie. Zudem wird die durchschnittliche Gesamtfläche der Shopping-Center kleiner: So hatten die 13 im vergangenen Jahr eröffneten Center eine Durchschnittsfläche von knapp 29.000 Quadratmetern - gegenüber knapp 41.000 in Vorjahr.

Statt neue Projekte in Angriff zu nehmen, würden bei Centerbetreibern und -entwicklern zunehmend bestehende Center modernisiert und umgebaut - "Revitalisierung" wird das in der Branche genannt. Auffällig sei, dass es sich bei mehr als der Hälfte der derzeit 28 Revitalisierungsprojekte um Umstrukturierung, Modernisierung oder Erweiterung von Handelsimmobilien handele, die in den Neunziger- und 2000er-Jahren realisiert wurden, heißt es in der Studie.

Einkaufen in der Wohlfühlzone

"An dieser Entwicklung lässt sich deutlich die hohe Dynamik des Markts erkennen: Shopping-Center werden in einem Zyklus von rund zehn Jahren modernisiert. Darüber hinaus zeigt sich, dass sich die Planung der damals realisierten Center zu stark am Bedarf der Zeit orientiert hat“, erläutert Marco Atzberger. Künftig müssten sich die Einkaufstempel stärker als Marke profilieren, mehr Atmosphäre, bessere Gastronomie oder exklusive Mieter anbieten. Atzberger: "Manchmal sind das Mittelständler aus der Region. Häufiger sind es tatsächlich neue internationale Marken, die in den deutschen Markt streben."

Die Planung neuer Shopping-Center konzentriere sich heute besonders auf die Entwicklung von Standorten in den Innenstädten, heißt es in der EHI-Studie. Die Betreiber wollten für den Kunden Orte schaffen, die Einkaufen, Leben, Wohnen und Arbeiten unter einem Dach vereinen. Neue Shopping-Center-Konzepte haben deshalb, neben der Möglichkeit für Besorgungen des täglichen Bedarfs, immer mehr zusätzliche Angebote, wie zum Beispiel Hotels, Restaurants, Wohnungen, Büros, Arztpraxen oder Kinos, die auch nach den Ladenschlusszeiten für eine Belebung der Shopping-Center sorgen.

Innenstädte gefragt

Um ein Stimmungsbild des Einzelhandels in Deutschland zu den wichtigsten aktuellen Themen einzufangen, befragt das EHI regelmäßig Manager großer Vertriebslinien des stationären Einzelhandels nach ihrer Einschätzung. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen wie hohen Mietpreisen oder Konkurrenz durch Onlinehandel und andere stationäre Einzelhändler will der Großteil der Befragten in diesem Jahr weitere Standorte eröffnen. Besonders gefragt sind Innenstädte und Fachmarktlagen in Mittelstädten und kleinen Großstädten. Der aktuell hohen Zuwanderung von Menschen nach Deutschland sieht der Einzelhandel gelassen entgegen. Er sieht vorrangig die Chancen, zum Beispiel für die Umsatzentwicklung und die Personalbeschaffung.

Das EHI Retail Institute ist ein Forschungs- und Beratungsinstitut für den Handel und hat rund 60 Mitarbeiter. Es umfasst rund 750 Mitgliedsunternehmen aus Handel, Konsum- und Investitionsgüterindustrie sowie Dienstleister. Das EHI erhebt wichtige Kennzahlen für den stationären und den Onlinehandel, ermittelt Trends und veranstaltet zusammen mit der Messe Düsseldorf die EuroShop, die weltweit führende Investitionsgütermesse für den Handel.