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Hintergrund

Online-Ausstellungen: Das Wichtigste bleibt der Text

Für ein Museum ist ein Internet-Auftritt ein Muss. Das US Holocaust Memorial Museum in Washington, DC, nutzt dabei die ganze Bandbreite der technischen Möglichkeiten. Um die Grundlagen kommt es dennoch nicht herum.

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United States Holocaust Memorial Museum - Ausstellungen auch im Internet

"Give me your children" - gebt mir Eure Kinder - heißt die jüngste Online-Ausstellung des Museums. Die "richtige" Ausstellung dazu ist seit Dezember 2006 zu sehen. Es geht um die Kinder im polnischen Lodz und darum, wie sie den Holocaust erlebten. Auf der Seite ist die Ausstellungseröffnung nachzulesen, es gibt eine 20-minütige Videopräsentation und die Biographien der Kinder. Doch nicht nur auf dieser Seite fällt schnell auf: Neben Bildern, Grafiken und Animationen ist das geschriebene Wort, der Text zum Ausdrucken, immer präsent.

Larry Swiader, Pressesprecher des Museums, erklärt, dass man zuerst versucht habe, die technischen Möglichkeiten auszureizen und Audios, Videos und Texte zu kombinieren. Das sei aber für viele Nutzer schlecht gewesen: "Es gibt Leute, die wollen nur den Text. Die wollen ihn in ausgedruckter Form lesen und nicht warten müssen, bis die Bilder runtergeladen sind." Jetzt können die einzelnen Elemente getrennt werden: Wer möchte, bekommt nur den Text der Videopräsentation.

Jeder kann virtuell nach Washington reisen

Swiader ist vor neun Jahren zum Museum gekommen. Seine Aufgabe war es, die Webseiten aufzubauen und eigene Online-Ausstellungen zu entwickeln - für alle, die das Museum nicht persönlich besuchen können. Dabei ging es zu Beginn nur um die Präsentation von Texten und Bildern. "The Doctors Trial", eine Ausstellung über die Militärtribunale gegen die Nazi-Ärzte, war die erste. Sie besteht aus nur wenigen Seiten.

United States Holocaust Memorial Museum

Eine der populärsten Ausstellungen, so Swiader, sei noch immer die über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Das Thema Sport sei hier der Türöffner und würde viele Nutzer auf die Seiten des Museums bringen. Aber auch über andere Begriffe: "In der Ausstellung haben wir ein paar Seiten, auf denen es um die diskriminierenden Gesetze der USA zu dieser Zeit geht", erklärt Swiader. Ein Beispiel: Die so genannten Jim-Crow-Gesetze. Wer den Begriff "Jim Crow" bei Google eingibt, bekommt als einen der oberen Einträge den Link zum Museum in Washington.

Langsame Internet-Verbindungen berücksichtigen

Nach den Bildern kam der Ton. Über die Musik des Holocaust gibt es eine eigene Ausstellung mit Hörbeispielen. Inzwischen werden alle Möglichkeiten des Internets ausgenutzt. Details können vergrößert, Liedtexte simultan übersetzt werden. Ein Flashplayer ist Voraussetzung für die Präsentationen. Mit einem Klick kann sich der Benutzer von der eigentlichen Geschichte weg bewegen und sich Einzelschicksale anhören und ansehen.

Dabei hakt das Audio schon manchmal und es dauert etwas, bis das Video beginnt. "Wir wissen, dass wir Inhalte für gute Computer und schnelle Internetverbindungen machen müssen", sagt Swiader. 50 Prozent der Besucher würden aber aus dem Ausland auf die Museumsseiten zugreifen - oft über langsame Verbindungen. Auch diese Nutzer werden berücksichtigt.

Wenig Geld - große Wirkung

Aus der ganzen Welt klicken sich die Menschen in das Museum, sagt Swiader. 2006 hatten die Internetseiten 15 Millionen Besucher. In diesem Jahr erwartet er 20 Millionen. Sechs Mitarbeiter sind hauptsächlich mit dem Internetauftritt des Museums beschäftigt, alles wird selbst entwickelt. Das Budget sei im Vergleich zu dem der richtigen Ausstellungen bescheiden. "Es gibt keinen Zweifel," sagt der Pressesprecher, "mit weniger Geld können wir ein größeres Publikum erreichen." Doch ohne das "richtige" Museum wäre der Erfolg der Online-Seiten auch nicht so groß.

Dass es überhaupt eine Online-Ausstellungen zum Museum gebe, sei zwingend notwendig. "Die Besucher erwarten dies heutzutage", sagt er. Sie wollen sich vor einem Besuch informieren, hinterher erinnern, ihre Erfahrungen beisteuern und austauschen. Wer nicht kommen kann, stellt die Informationen in seinen Blog. So würde das wichtige Thema Völkermord eine möglichst große Aufmerksamkeit bekommen, betont Swiader. Denn das Museum beschäftigt sich nicht nur mit der Vergangenheit - in einer der jüngsten Online-Ausstellungen berichtet Schauspielerin Angelina Jolie über ihre Eindrücke im Kongo.

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