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Kultur

Ein Jahr Holocaust-Mahnmal

Vor einem Jahr wurde in Berlin das Holocaust-Mahnmal eröffnet. Die zentrale Gedenkstätte war lange umstritten - zog aber schon jetzt 3,5 Millionen Besucher an. Eine erste Zwischenbilanz.

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Ein weiteres Symbol für Deutschland

Viele behaupten, ohne Wolfgang Thierse gäbe es das Holocaust-Denkmal immer noch nicht. Zumindest auf der politischen Ebene war er es der frühere Bundestagspräsident, der sich wie kein anderer für das Projekt eingesetzt hat. Als Vorsitzender der Denkmal-Stiftung zieht der Sozialdemokrat eine positive Zwischenbilanz. Dass die Reaktionen auf das 20.000 Quadratmeter große Feld mit seinen 2700 steinernen Stelen unterschiedlich sind, wundert Thierse nicht im Geringsten: "Dass nicht alle dem Denkmal zustimmen, dass noch immer umstritten ist, liegt in der Natur der Sache. Wir erinnern schließlich an die schlimmste Tat in der deutschen Geschichte. Das kann nicht nur Zustimmung hervorrufen."

Holocaust-Mahnmal nach einem Jahr

Touristen vor dem Holocaust-Mahnmals in Berlin

Anziehend ist das Mahnmal aber auf jeden Fall: Rund 3,5 Millionen Menschen haben das Denkmal für die ermordeten Juden Europas mit seinen schiefen Ebenen und eng aneinander gereihten Stelen durchschritten. Knapp eine halbe Million besuchten den unterirdischen Ort der Information, wo Einzel-Schicksale ermordeter Juden dokumentiert sind.

"Wunderbares Denkmal"

Susie Kaufmans Mutter stammte aus Bamberg, ihr Vater aus Wien, ihre Schwiegermutter aus Berlin. Susie Kaufman engagiert sich in der Association of Jewish Refugees. Das ist eine im Jahr 1941 - also mitten im Krieg - gegründete Organisation, die jüdischen Flüchtlingen und ihren Nachfahren hilft. Sie schätzt das Mahnmal sehr: "Es ist ein wunderbares Denkmal. Es verkörpert eine Menge von dem, was passiert ist. Jeder interpretiert das auf seine Art. Ich spüre, dass es sehr unterschiedliche Aspekte anspricht. Es ist wirklich ein sehr sensibles Denkmal."

Holocaust Mahnmal in Berlin

Luftbild des Holocaust Mahnmals

Von der weltweit überwiegend positiven Resonanz auf das Holocaust-Mahnmal überrascht ist der Geschäftsführer der vom Bund finanzierten Stiftung, Uwe Neumärker. Allein im April und Mai dieses Jahres hätten sich 300 Gruppen angemeldet. Die Hälfte der Besucher seien junge Menschen: "Für mich ist es erstaunlich, wie dieses heiß diskutierte Projekt mittlerweile eine Selbstverständlichkeit geworden ist. Ohne dass damit ein steinerner Schlussstrich gezogen worden wäre. Die Menschen debattieren auch angesichts des eröffneten Denkmals weiter."

Die Oma mit dem Brot

Viel diskutiert wird nach wie vor über die offene Nutzung des Holocaust-Denkmals. Tag und Nacht kann man hinein oder auch hinauf. Denn die schwarzen Stelen laden geradezu zum Klettern ein. Kein Problem für die Publizistin Lea Rosh, auf deren Initiative Ende der 1980er Jahre das Denkmal zurückgeht. Sie selbst habe kleinen Jungs, die Versteck spielen und von Stele zu Stele hopsen, versucht zu erklären, was das Denkmal ist. "Es macht ja niemand Krawall oder ist auf Radau aus", sagt Rosh. "Und wenn da mal eine Oma oder ein Opa sitzt und eine Scheibe Brot auspackt und die isst - ich habe nicht dagegen."

Dass das Holocaust-Denkmal auch und gerade für künftige Generationen mehr als ein abstraktes Gebilde im Herzen Berlins sein wird, das ist der größte Mensch Susie Kaufmans von der Organisation jüdischer Flüchtlinge: "Ich hoffe, es lehrt sie, was passiert ist, dass so viele Menschen ermordet wurden. Dass ein Regime wie das der Nazis von einem Mann und seiner Ideologie initiiert werden kann. Und hoffentlich passiert so etwas nie wieder."

Jerusalem, Warschau, Washington, Berlin

Holocaust-Mahnmal vor Eröffnung

Großformatige Porträts von Opfern des Holocaust in der Ausstellung des "Ortes der Information" unter dem begehbaren Feld des Holocaust-Mahnmals

Eine rein deutsche Angelegenheit ist das Holocaust-Denkmal in seinem Selbstverständnis keineswegs. Im Gegenteil: Die Zusammenarbeit mit anderen Gedenkstätten, allen voran Yad Vashem in Jerusalem ist eng, freut sich Denkmal-Geschäftsführer Neumärker: "Die Kontakte haben sich speziell nach Washington, Jerusalem, aber auch nach Warschau vertieft. Um gemeinsam zu überlegen, wie wir die Inhalte weiter vermitteln können. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern auf den Erfahrungen der anderen aufbauend das Besondere dieses Ortes der Information vermitteln."

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