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Aktuell Deutschland

Oft leere Hallen beim Katholikentag

Das Wort von Kardinal Karl Lehmann hat Gewicht in der Katholischen Kirche. Nun regt Lehmann an, künftig andere Konzepte zu entwickeln, um wieder mehr Besucher für die Veranstaltungen des Katholikentages zu gewinnen.

Der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Karl Lehmann hat sich angesichts teils halbleerer Hallen beim Katholikentag besorgt gezeigt. "Man wird das sorgfältig untersuchen müssen", sagte Lehmann am Rande der Veranstaltung. Bei Auftritten etwa der Bundesminister Thomas de Maiziere und Andrea Nahles waren zuvor viele Plätze leergeblieben. Lehmann nannte als mögliche Ursachen nicht nur die übliche Verdrossenheit, sondern auch "ein Stück weit Hoffnungslosigkeit". Manche Menschen zögen sich von aktuellen Themen wohl zurück. Er sehe aber eine Gefahr darin, wenn ihr Interesse daran dauerhaft nachlasse.

Mainz Kardinal Karl Lehmann 80. Geburtstag Foto: vom 16.05.2016) Copyright: picture-alliance/dpa/A. Dedert

Äußerte sich kritisch über den Verlauf des Katholikentages: Kardinal Karl Lehmann

Ähnlich urteilte auch sein Nachfolger als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Er sieht einen Mangel an Fantasie in der politischen Debatte. Es brauche ein neues Denken in der "Einen Welt", sagte der Münchner Erzbischof. Zukunftsweisend sei für ihn eher die jüngste Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus als die "neoliberalen Konzepte der 90er Jahre, die uns in die Irre geführt haben". Das ist quasi ein Bruch zu dem Kirchendenken der vergangenen 30 Jahre und lässt auf eine Neuorientierung der Katholischen Kirche schließen.

Verantwortung der Christen

Zugleich wandte sich Marx mit Blick auf die Flüchtlingsfrage gegen eine einseitige Konzentration auf die Frage sicherer Grenzen, um die Armen dieser Welt abzuwehren. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, warnte bei derselben Veranstaltung davor, moralische Standards zu senken, nur weil sich die politische Situation von diesen entferne. Auch wenn es selbstverständlich sei, dass Deutschland nicht alle Flüchtlinge der Welt aufnehmen könne, dürfe man das nicht zum Programm machen, betonte der bayerische Landesbischof. Zur Verantwortung der Christen gehöre es vielmehr, alles zu versuchen, was sie tun können. Und was wir nicht schaffen, müssen wir in Gottes Hand geben, fügte er hinzu.

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Mainz - Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Kardinal Marx Foto: +++(c) dpa - Bildfunk+++

Kirchenführer unter sich: Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Kardinal Marx

Passend zur Abkehr des Neoliberalismus ist auch die Diskussion zur künftigen Rolle der Frau in der Katholischen Kirche auf diesem Kirchentag. So verlangte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode einen größeren Einfluss von Frauen in der katholischen Kirche. "Es ist wichtig, dass bei Themen wie der "Pille danach" Frauen mitdiskutieren. Es ist lächerlich, wenn wir nur als Männer darüber in der Bischofskonferenz diskutieren", sprach Bode ein bislang brisantes Thema an.

Bode wagte dabein auch einen Blick zurück. Schon in der Vergangenheit habe sich die Bedeutung der Sicht von Frauen für die katholische Kirche gezeigt. "Es war wichtig, dass bei uns bei den Missbrauchsfällen im Jahr 2010 Frauen mitdiskutiert haben und einen anderen Blick darauf hatten", sagte Bode. Der Bischof begrüßte die Ankündigung von Papst Franziskus, eine Studienkommission zum Diakonat der Frau einsetzen zu wollen.

Rolle der katholischen Frau wird überdacht

"Ich bin dankbar dafür, dass der Papst so deutlich gesagt hat, dass er das Thema Frauen in der Kirche klären lassen will." Der Bischof sprach sich außerdem dafür aus, die Rolle der Priester und des Diakonats in der katholischen Kirche neu zu überdenken. "Das Wichtigste ist, Macht und Leitung neu zu organisieren", sagte Bode und ergänzte: "Verantwortung muss nicht an Weihe gebunden sein." Der Priester sei nicht der oberste Manager der Gemeinde, er müsse Verantwortung abgeben. "Die Nichtgeweihten sind nicht die verlängerten Arme der Geweihten"»

Auch Kardinal Karl Lehmann begrüßte die Ankündigung von Papst Franziskus, eine entsprechende Studienkommission zu dem Thema einsetzen zu wollen. Man müsse nun die weiteren Schritte abwarten und zum Beispiel schauen, wer die Kommission leiten solle, so Lehmann. Mitte Mai hatte der Papst die Einrichtung einer Studienkommission angekündigt, die eine Zulassung von Frauen zum Diakonenamt prüfen soll. Der Diakonat ist vor der Priester- und Bischofsweihe die erste Weihestufe in der katholischen Kirche, die diese Weihen nach geltender Lehre Männern vorbehält.

Trotz einiger nur spärlich besuchter Diskussionen zeigte sich der Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Stefan Vesper, zufrieden. Die Entscheidung nach Leipzig zu gehen, habe sich als richtig erwiesen. Man sei offenen, toleranten und interessierten Mitbürgern begegnet. 40.000 Besucher wurden gezählt, 10.000 weniger als vor zwei Jahren.

cgn/sc (epd, kna)