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Aktuell Deutschland

Katholikentag in Leipzig: Gauck gegen Angst und Hetze in Deutschland

Der 100. Katholikentag ist mit verschiedenen Veranstaltungen in die inhaltliche Arbeit gestartet. Bundespräsident Gauck beklagt auf einer Podiumsdiskussion eine "neue Ängstlichkeit" in Deutschland.

Bundespräsident Joachim Gauck hat das kalkulierte Schüren von Angst und Hysterie in öffentlichen Debatten verurteilt. "Diejenigen, die mit Ängsten ihr politisches Süppchen kochen, um Hetze zum Normalzustand zu erklären, vor denen trennen wir uns gänzlich ab", sagte Gauck auf dem Katholikentag in Leipzig. Zugleich bekundete er Verständnis für Menschen, die sich vor Fremdheit ängstigen. Der Präsident äußerte sich bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "In welcher Gesellschaft wollen wir leben?".

"Training der seriösen Debatte"

"Eine gewisse Hysterie arbeitet künstlich mit Ängsten", ohne dass dies begründet sei, kritisierte Gauck. Er verwies auf Demonstrationen in Sachsen gegen Moscheen und Minarette, obgleich es dort kaum Fremde oder Gründe für eine Überfremdung gebe. Dagegen herrschten etwa in Stuttgart oder Nordrhein-Westfalen trotz des höheren Anteils von Migranten keine derartigen Sorgen vor.

"Alle Völker kennen das, dass Fremdheit Angst macht", betonte das Staatsoberhaupt. Entscheidend sei, wie damit umgegangen werde. Die Erfahrung im Westen beim Umgang mit Migranten könne für den Osten eine Hilfe sein.

Der Bundespräsident forderte ein "Training der seriösen Debatte, wo das Argument zählt und nicht nur das ängstliche Gesicht". Die Krise solle eher als Weckruf verstanden werden: "Auf, setz dich ein für deine Demokratie", rief er unter dem Applaus mehrerer tausend Besucher. Demokratie bedeute auch Debatte, Auseinandersetzung und Streit.

Diakonat für Frauen gefordert

Der 100. Katholikentag startete derweil in ide inhaltliche Arbeit. Zahlreiche Veranstaltungen in Leipzig befassen sich mit religiösen, gesellschaftlichen und politischen Themen. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) will mit den deutschen Bischöfen eine gemeinsame Position zum Diakonat der Frau für Papst Franziskus erarbeiten. Das kündigte die Vizepräsidentin des Gremiums kirchlicher Laien, Karin Kortmann, an. Beim nächsten Treffen mit der Deutschen Bischofskonferenz im Juni solle darüber gesprochen und ein Ergebnis erzielt werden. Durch die Ankündigung des Papstes, einen Diakonat der Frau und seine geschichtliche Tradition prüfen zu lassen, "haben wir enormen Rückenwind bekommen", so Kortmann.

Der Diakonat ist die erste Weihestufe in der katholischen Kirche, es folgen Priester und Bischof. Bisher sind in allen drei Stufen nur Männer erlaubt. Jedoch gab es in der frühen Kirche bereits Diakoninnen in speziellen Diensten der Gemeinde. Diakone haben Aufgaben vor allem im sozialen Bereich, in der Seelsorge und der Gemeindearbeit. Sie dürfen unter anderem predigen, taufen und beerdigen.

Die meisten Fakten zum Diakonat der Frau seien seit Jahren bekannt, so Kortmann. Die Problematik dürfe nicht vertagt werden. Das Priesteramt für Frauen strebe das ZdK nicht an, fügte sie hinzu, "weil wir uns verheben würden". Der Diakonat der Frau sei als selbstständiges Amt zu sehen und nicht als Vorstufe für die Priesterweihe.

cr/qu (dpa, kna, afp)