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Aktuell Europa

Offenbar Anschlag in Istanbul verhindert

Die türkischen Behörden gehen davon aus, dass eine Gruppe von Dschihadisten einen Anschlag in Istanbul planten - am Tag der Terrorserie in Paris. Fünf Verdächtige wurden festgenommen.

Erste Ermittlungen deuteten darauf hin, dass ein "großer Anschlag" vereitelt worden sei, sagte ein Regierungsvertreter in Ankara. Unter den fünf Verdächtigen, die festgenommen wurden, sei auch ein enger Vertrauter des britischen IS-Kämpfers "Dschihadi John". Die Türkei fahndet seit dem Anschlag auf eine Friedensdemonstration in der Hauptstadt Ankara am 10. Oktober verstärkt nach Dschihadisten. Bei dem Attentat, zu dem sich wie in Paris die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt hatte, waren 102 Menschen getötet worden - es war der folgenschwerste Anschlag in der Geschichte des Landes.

Behörden prüfen Verbindungen zu Anschlag in Paris

Die Festnahme des "Dschihadi-John"-Gefährten Aine Lesley Davis, ebenfalls ein Brite, war bereits am Freitag vermeldet worden. Er war nach Angaben aus Regierungskreisen einer der "engsten Gefährten" von "Dschihadi John" und wurde mit mehreren anderen Islamisten bei einer Razzia in Istanbul aufgegriffen. Die fünf Verdächtigen seien in dieser Woche aus Syrien in das Nachbarland gekommen, "um einen Anschlag in der Türkei zu begehen", sagte der Regierungsvertreter.

Die türkischen Behörden versuchen nun herauszufinden, ob es eine Verbindung zu den Anschlägen in Paris gibt. "Alle Möglichkeiten werden geprüft", sagte der Regierungsvertreter. Es sei auch denkbar, dass die Verdächtigen auch einen Anschlag in Europa geplant hätten. Die türkische Polizei habe daher bereits Kontakt zur französischen Polizei aufgenommen.

Der türkischen Regierung war lange Untätigkeit gegenüber den IS-Dschihadisten vorgeworfen worden. Kritiker beschuldigten Ankara unter anderem, die Dschihadisten mit Waffen zu versorgen und nichts zu unternehmen, um IS-Kämpfer am Grenzübertritt zu hindern. Auch die französische Terrorverdächtige Hayat Boumeddiene setzte sich über die Türkei nach Syrien ab. Die Freundin des IS-Anhängers Amédy Coulibaly, der nach dem Anschlag auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" im Januar fünf weitere Menschen erschossen hatte, war schon vor den Anschlägen in die Türkei und von dort nach Syrien gereist.

Türkei verstärkt Vorgehen gegen Dschihadisten

Nach dem Blutbad in Ankara hatte die türkische Polizei ihr Vorgehen gegen die Dschihadisten jedoch sichtlich verstärkt. Der IS wird auch für Anschläge auf prokurdische Veranstaltungen in Diyarbakir und in der Stadt Suruc an der syrischen Grenze verantwortlich gemacht, bei denen im Juni und im Juli insgesamt fast 40 Menschen getötet worden waren.

"Dschihadi John", der mit wirklichem Namen Mohammed Emwazi heißt, war nach US-Angaben vor wenigen Tagen höchstwahrscheinlich bei einem US-Luftangriff in Syrien getötet worden. Der Extremist, der mehrere westliche Geiseln hinrichtete, wurde in der Nacht zum Freitag in der Dschihadisten-Hochburg Rakka ins Visier genommen, wie das Pentagon mitteilte. Sein Tod wurde offiziell zunächst nicht bestätigt. Das US-Militär hält diesen aber für sehr wahrscheinlich.

cr/djo (afp, rtr)