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Wirtschaft

OECD: Aufschwung dauert an

Die Industriestaaten-Organisation OECD ist optimistischer als die Bundesregierung, rät zum Abbau der deutschen Überschüsse in der Leistungsbilanz - und hat auch einen Ratschlag für die EZB.

So sagt die Organisation in ihrem am Mittwoch in Paris vorgestellten Wirtschaftsausblick der deutschen Wirtschaft einen anhaltenden Aufschwung voraus. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem Jahr um 1,7 Prozent zulegen, erklärte die OECD. 2018 dürften es dann 2,0 Prozent werden.

Damit ist die Organisation optimistischer als die Bundesregierung, die der hiesigen Wirtschaft für 2017 nur ein Plus von 1,5 und für 2018 von 1,6 Prozent zutraut. Die geringe Arbeitslosigkeit und höhere Staatsausgaben werden aus Sicht der OECD den privaten Verbrauch weiter fördern.

"Niedrige Zinsen und die Zuwanderung dürften die Wohnungsbauinvestitionen stützen, die Unternehmensinvestitionen werden aber voraussichtlich nur langsam anziehen", heißt es in dem Bericht weiter. Die Exporte profitieren aus Sicht der OECD von der starken Nachfrage aus Asien und den USA, werden sich allerdings abschwächen, wenn der Effekt der Euro-Abwertung der vergangenen Zeit abklingt und das Einfuhrwachstum in China nachlässt.

Überschüsse abbauen

Auch zu dem international in die Kritik geratenen deutschen Überschuss in der Leistungsbilanz nahm die Organisation Stellung: Sie empfiehlt Reformen, um den Dienstleistungssektor stärker zu öffnen, außerdem Investitionen in die Infrastruktur. Diese Schritte seien geeignet, den "großen" Leistungsbilanzüberschuss zu verringern.

Auch die EU-Kommission empfiehlt der größten Volkswirtschaft der EU durch finanzpolitische Instrumente die Binnennachfrage zu stärken und mehr zu investieren. In die Leistungsbilanz fließen neben dem Warenhandel auch alle anderen Transfers mit dem Ausland ein - von Dienstleistungen bis zur Entwicklungshilfe.

Weltwirtschaft erholt sich

Die Weltwirtschaft dürfte laut OECD in den kommenden Monaten leicht an Schwung gewinnen. "Nach fünf Jahren schwachen Wachstums sehen wir endlich Licht am Ende des Tunnels", erklärte OECD-Generalsekretär Angel Gurría am Mittwoch in Paris. Die Organisation hob ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr leicht an: Sie rechnet nun mit einem weltweiten Plus von 3,5 Prozent. Das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als noch im März erwartet.

Für 2018 geht die OECD weiterhin von einem Plus um 3,6 Prozent aus. Im vergangenen Jahr hatte die Weltwirtschaft um 3,0 Prozent zugelegt. Gurría sagte, die konjunkturelle Belebung sei aber noch zu schwach, um eine spürbare Verbesserung der Lebensverhältnisse in allen OECD-Ländern zu gewährleisten. Zu der Organisation gehören 35 Mitgliedstaaten, vor allem Industrieländer.

Geldpolitik: Nicht zu scharf bremsen

Trotz der wirtschaftlichen Erholung im Euro-Raum rät die OECD der Europäischen Zentralbank (EZB), ihre Nullzinspolitik vorerst beizubehalten. "Wir glauben nicht, dass derzeit Handlungsbedarf für die EZB besteht. Sie wäre gut beraten, ihren Kurs zu halten, da die Risiken weiter sehr hoch sind", sagte OECD-Experte Christian Kastrop am Mittwoch in Paris. Aus Sicht der OECD sollte die Geldpolitik konjunkturstützend bleiben, bis die Inflation "eindeutig und dauerhaft" in Richtung des EZB-Zielwerts von knapp zwei Prozent ansteigt.

Im nächsten Jahr könne die EZB dann damit beginnen, die Geldpolitik etwas zu straffen und ihre Wertpapierkäufe schrittweise zurückzuführen. Zudem wäre es dann möglich, eine allmähliche Beendigung der jetzigen Zinspolitik einzuleiten. Insbesondere könnte der negative Einlagensatz laut OECD gegen Ende 2018 angehoben werden. Diesen Strafzins müssen Banken zahlen, wenn sie über Nacht überschüssige Liquidität bei der EZB parken. Er liegt aktuell bei minus 0,4 Prozent.

Angesichts der aufgehellten Konjunkturperspektiven wird die EZB Experten zufolge am Donnerstag wohl einen kleinen Schritt hin zu einer geldpolitischen Wende wagen. Die Währungshüter dürften auf ihrem Ratstreffen in der estnischen Hauptstadt Tallinn wahrscheinlich die Risiken für das Wirtschaftswachstum als ausgeglichen bezeichnen - und damit zuversichtlicher auf die Konjunktur blicken. Auch sind Änderungen beim Zinsausblick denkbar.

wen/bea (dpa, rtr)