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Afrika

Ochanda: "Kenia ist in keiner angenehmen Lage"

Nach dem Mord an einem islamistischen Geistlichen Ende August in Mombasa ist es in der Stadt zu schweren Ausschreitungen gekommen. Gideon Ochanda von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kenia im Gespräch mit der DW.

DW: Herr Ochanda, bei den Ausschreitungen in Mombasa nach dem Mord an Aboud Rogo sind mehrere Menschen ums Leben gekommen. Muslimische Jugendliche haben bereits mehrere Kirchen verwüstet. Was können Sie über das Verhältnis von Christen und Muslimen in Kenia sagen?

Gideon Ochanda: Die Beziehungen von Christen und Muslimen waren bisher weitgehend friedlich, aber manchmal wurden Animositäten von außen geschürt. Vor fünf oder sechs Jahren hatten wir so eine Situation in Nairobi. Die Entscheidung Kenias, in den Kampf gegen den Terror einzusteigen, führte zu vielen Übergriffen auf Kirchen entlang der Küste. Besonders betroffen war die Gegend um Mombasa, aber auch weiter im Norden, in Garisa, gab es Übergriffe. Ich denke, es handelt sich auch aktuell um Mitglieder von Al-Shabaab, die Kirchen überfallen, um deutlich zu machen, dass Muslime Opfer des Staats sind.

Ihrer Meinung nach steht also die Al-Shabaab hinter den Anschlägen?

Bisher wird angenommen, dass Al-Shabaab diese Anschläge verüben, um Feindschaft zu säen und die Angst vor religiösen Auseinandersetzungen zu schüren. Wir sollten aber weitere Informationen von den Geheimdiensten abwarten.

Denken Sie, dass sich die Unruhen negativ auf das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen auswirken werden?

Ich fürchte, dass sich die Beziehungen verschlechtern werden. Wenn die Unruhen nicht schnell eingedämmt werden, werden auch Christen zu Racheakten greifen. Das Gleiche beobachten wir ja in Nigeria. Ich bin der Ansicht, dass sich die Christen nur in einem begrenzten Maß werden gängeln lassen. Die Vereinigung christlicher Kirchen in Kenia hat erwogen, den Staat anzuklagen.

Auch von Seiten der muslimischen Gemeinschaften hieß es, die christlichen Kirchen seien nicht die Schuldigen.

Natürlich rufen jetzt muslimische Führungskräfte zu mehr Besonnenheit auf. Aber die staatlichen Institutionen sind sehr langsam, das ist eine Tatsache. Und diese Situation erfordert ein schnelles Handeln. Die Lage in Mombasa wird sich weiter zuspitzen, wenn keine ernsthaften Kontrollmechanismen umgesetzt werden.

Welche Konsequenzen wird das für die Wirtschaft haben?

Das ist ein großes Problem. Die Küstenregion ist besonders abhängig vom Tourismus - das ist der einzige bedeutende Wirtschaftsbereich. Die Unsicherheit im Osten wird sich zweifelsohne auf den Tourismus auswirken. Die USA haben ihre Reisewarnung für die kenianische Küste noch nicht aufgehoben. Die kenianische Regierung beschwert sich zwar, aber ich denke, diese Reisewarnung ist angemessen.

Was bedeutet dieser neue Konflikt für die kommenden Wahlen? Nach den Wahlen vom Dezember 2007 kam es bei ethnischen Konflikten zu hunderten Toten, und die Menschen fürchten eine Wiederholung bei den Wahlen im kommenden März. Kommt nun ein religiöser Konflikt hinzu?

Für die Wahlen ist Mombasa in verschiedener Hinsicht von Bedeutung. Sicherlich werden sich die aktuellen Unruhen auf die Wahlen auswirken - das ist das eine. Auf der anderen Seite drängen Teile der Küstengemeinschaften auf eine Abspaltung. Man fühlt sich marginalisiert gegenüber dem Binnenland. Aber dieser Konflikt ist nicht zwangsläufig religiös, während die Al-Shabaab religiöse Motive anführen. Nun verändert sich auch die Zusammensetzung der Küstenbevölkerung. Auf der Insel Lamu leben inzwischen zum größeren Teil Menschen aus dem Binnenland. Das macht die ganze Situation noch unüberschaubarer.

Schlechte Aussichten also?

Kenia ist in einer sehr unangenehmen Lage, auch ohne die aktuellen Gewaltausbrüche in Mombasa. Die Gewalt an der Küste und im Norden ist zu großen Teilen auf Al-Shabaab zurückzuführen, aber auch die lokale Politik spielt hier eine Rolle. Im Tana River Distrikt an der Küste gibt es seit einer Woche gewaltsame Auseinandersetzungen, angestiftet von den lokalen Politikern. Wenn Kenia diese Konflikte nicht in den Griff bekommt, können sie auf bisher friedliche Gegenden übergreifen. Auch die ethnischen Konflikte nach den letzten Wahlen haben so angefangen. Die Wahlen waren nur der Auslöser, aber die Probleme begannen auf der lokalen Ebene. Je eher sich also die lokalen Konflikte begrenzen lassen, desto besser ist dies, um nicht in eine Situation zu geraten, in der sich die Vorgänge von 2008 wiederholen.

Gideon Ochanda ist stellvertretender Leiter des Auslandsbüros Kenia der Konrad-Adenauer-Stiftung mit Sitz in Nairobi.

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