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Afrika

Kenias Kampf gegen Al-Shabaab

Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren zu Anschlägen in Kenia. 2011 reagierte die Regierung und schickte Truppen ins benachbarte Somalia, um Al-Shabaab zu bekämpfen. Seitdem steigt die Zahl der Anschläge.

Einmarsch kenianischer Truppen in Somalia - (Foto: ddp images)

Militär in Kenia

"Es ist an der Zeit, dass Al-Shabaab aufgibt und ein Teil des Friedensprozesses wird", forderte der Sprecher des kenianischen Militärs Emmanuel Chirchir im April über den Online-Kommunikationsdienst Twitter. "Al-Shabaab unterstützt die Muslime Kenias in vollem Umfang und ermutigt sie, den Dschihad zu wagen, um der Unterdrückung und Ungerechtigkeit der kenianischen Regierung zu begegnen", konterte die militante islamistische Gruppe Al-Shabaab wenige Tage später – ebenfalls über Twitter. Wenngleich nie endgültig bewiesen werden konnte, dass der Twitter-Account tatsächlich von Al-Shabaab angelegt wurde, zeigt die Konversation: Kenia und Al-Shabaab sind im Krieg. Nicht nur online, sondern in der gesamten Region.

Angriff zur Verteidigung

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen vor einer Kirche in Nairobi (Foto: AP)

Bewachtes Gotteshaus - Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen nach dem Anschlag auf eine Kirche

Kenias Regierung vermied jahrelang jegliche militärische Intervention im benachbarten krisengeschüttelten Somalia. Doch ab 2006 wurde Al-Shabaab in Somalia immer stärker. Terror und Hunger trieben tausende Somalis nach Kenia. Heute leben mehr als eine halbe Million somalische Flüchtlinge im Land. Erst als Al-Shabaab für die Entführung von Ausländern in Kenia verantwortlich gemacht wurde, reagierte die Regierung und erklärte der Gruppe im Oktober 2011 den Krieg. "Das Argument war: Wenn wir da rein gehen, können wir Al-Shabaab, die für Sicherheitsprobleme in Kenia verantwortlich gemacht wurden, so weit wie möglich von der kenianischen Grenze verdrängen und möglicherweise sogar eliminieren", sagt Emmanuel Kisiangani, Analyst am Institut für Sicherheitsstudien (ISS) in Nairobi. "Heute kann man sagen, dadurch wurden zwar größere Anschläge verhindert, aber komplett konnten die terroristischen Aktivitäten im Land nicht beendet werden", so Kisiangani weiter.

Deutscher Verdächtiger gesucht

Mit größeren Anschlägen meint Kisiangani Attacken wie die Bombenattentate auf die US-Botschaft in Nairobi und ein Hotel in Mombasa. 1998 fuhr ein Truck mit Sprengstoff in die amerikanische Botschaft in Kenias Hauptstadt und tötete mehr als 200 Menschen. 2002 starben mehr als zehn Menschen bei einem Selbstmordanschlag auf ein israelisches Hotel im Küsten- und Urlaubsort Mombasa. Diese Anschläge von verschiedenen islamistischen Gruppen waren jedoch Angriffe auf westliche Interessen und nicht direkt gegen Kenia gerichtet, meint der Analyst Kisiangani.

Fahndungsfoto der kenianischen Polizei von Ahmed Khaled Mueller (Foto: dpa)

Fahndungsfoto von Ahmed Khaled Mueller

Die Anschläge der vergangenen Monate stehen hingegen im direkten Zusammenhang mit dem Krieg gegen Al-Shabaab. Dabei wurden meist Granaten auf belebte Orte in Nairobi und Mombasa abgefeuert. Zuletzt starben zwei Menschen bei einem Angriff auf eine Kirche in Nairobi Ende April, 15 Personen wurden verletzt. Verdächtigt wird der Deutsche Ahmed Khaled Mueller, der schon einmal 2009 in Pakistan verhaftet wurde und nun illegal nach Kenia eingereist sein soll. "Wir haben Informationen erhalten, dass er mit Al-Shabaab in Somalia in Kontakt steht", erklärt der Sprecher der kenianischen Polizei, Charles Owino, und ruft Mueller auf sich zu stellen, damit die Anschuldigungen gegen ihn geklärt werden können.

Al-Shabaab-Sympathisanten auch in Kenia

Soldaten der Al-Shabab-Miliz vor Mogadischu (Foto: AP)

Gefürchteter Feind: Al-Shabaab-Milizen in Somalia

Experten vermuten eine größere Anzahl ausländischer Kämpfer in den Reihen von Al-Shabaab in Somalia. Inwieweit diese auch in Anschläge in Kenia involviert sind, ist aber unklar. Emmanuel Kisiangani vom Institut für Sicherheitsstudien ist sich jedoch sicher, dass Al-Shabaab Sympathisanten in Kenia hat. Auch in den Flüchtlingslagern rekrutieren die Islamisten ihre Kämpfer. Ein vollkommener Schutz gegen Terrorismus sei deshalb nicht möglich, schon allein wegen Kenias weitläufiger, kaum kontrollierbarer Grenze zu Somalia und einem breiten Meerzugang. Eine Lösung zur Bekämpfung des Terrors dürfe daher nicht nur militärisch sein, meint Kisiangani: "Man muss bei den eigentlichen Ursachen für Terrorismus ansetzen, nämlich Armut und Benachteiligung. Menschen, die sich unterprivilegiert oder arm fühlen, können schnell einer Gehirnwäsche unterzogen und von einer radikalen Ideologie überzeugt werden."

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