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Deutschland

Obamas Stippvisite in Deutschland

In Deutschland schrumpft die Vorfreude auf US-Präsident Barack Obama, weil dessen Besuchsprogrammm für Freitag in Deutschland immer kürzer wird.

Symbolbild Obama in Deutschland, Quelle: DW

Obamas Besuch in Deutschland wird immer kürzer

Ein Besuch in der Dresdner Frauenkirche. Ein Bad in der Menge von tausenden Bürgern, die begeistert schwarz-rot-goldene Fahnen und die Stars and Stripes schwingen. So schön hätte der zweite Deutschland-Besuch von US-Präsident Barack Obama werden können. Aber Obamas Berater wollen nicht. Alles Bitten der deutschen Unterhändler nach mehr Volksnähe für Obamas zweiten Deutschland-Aufenthalt an diesem Freitag (05.06.2009) bleibt erfolglos, das Zugeständnis der Amerikaner war, dass sie überhaupt nach Dresden kommen. Doch selbst der Besuch der Frauenkirche wurde aus dem Programm gestrichen.

Blick auf eine Häftlingsbaracke in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar, aufgenommen am 25.05.2009, Foto: dpa

Auf den Spuren seines Großonkels: Obama will nach Buchenwald

Äußerst knapp wird der Besuch Obamas in Deutschland ausfallen, Dresdens Bevölkerung wird ihn fast gar nicht zu Gesicht bekommen. So wird der US-Präsident in der sächsischen Landeshauptstadt am Freitagvormittag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im historischen Grünen Gewölbe zu einem Gespräch empfangen werden. Anschließend ist eine Pressekonferenz vorgesehen. Merkel wird den US-Präsidenten dann auch beim Besuch des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar begleiten.

Auf den Spuren des Großonkels

Obama hatte den Wunsch nach einem Besuch geäußert, weil sein Großonkels Charles Payne, ein Obergefreiter der US-Army im Zweiten Weltkrieg, 1945 bei der Befreiung des Konzentrationslagers dabei war. An der Besichtigung des Lagers wird wahrscheinlich auch der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel teilnehmen. Wiesel gehörte zu den Insassen, die von amerikanischen Streitkräfte befreit werden konnten. Er soll auch den Anstoß für den Wunsch Obamas gegeben haben, das Lager zu besuchen.

Am Freitagnachmittag wird Obama in Landstuhl in der Pfalz ein amerikanisches Militärhospital besuchen. Am Samstag wird er in der Normandie an den Feiern zum 65. Jahrestag der Landung der Alliierten teilnehmen. Diese war der Anfang der Befreiung Westeuropas von den Nationalsozialisten.

Andere Schwerpunkte

Das Weiße Haus war von Beginn an bestrebt, das Deutschland-Programm einzugrenzen. Die Berater des Präsidenten hatten eine genaue Vorstellung von Obamas vierter Auslandsreise. Wichtig waren ihnen vor allem der Besuch in Buchenwald und die Gedenkfeiern an die Befreiung von den Nazis in der Normandie. Ein facettenreiches Programm in Deutschland hätte aus ihrer Sicht diese große Linie, die im Gedenken an den amerikanischen Beitrag zur Beendigung der nationalsozialistischen Barbarei besteht, konterkariert.

Ein Passant mit einem Transparent und der Aufschrift Obama for Kanzler steht in Berlin in der Nähe der Siegessäule (Archiv 2008, Foto: dpa)

Vorfreude und Begeisterung für Obama sind in Deutschland groß

Der Aufenthalt in Buchenwald ist für Obama aber auch deshalb wichtig, weil er zuvor aus Kairo kommt, wo er am Donnerstag eine Rede an die arabische Welt hält. Von der wird eine Distanzierung von der israelische Politik erwartet. Buchenwald gibt Obama die Chance, die historische Verpflichtung der freien Welt für das Existenzrecht des jüdischen Staates symbolträchtig zu unterstreichen.

Enttäuschung in Deutschland

In Deutschland, vor allem in Dresden, herrscht Enttäuschung ob des immer kürzer werdenden Programms. Die sächsische Landeshauptstadt hat bereits eine große Willkommens-Feier zu Ehren des Staatsgastes geplant, zudem soll es überall Konzerte und Auftritte von Vertretern aus Sport, Kultur und Wissenschaft geben. Wegen der strengen Sicherheitsvorkehrungen werden aber nur die wenigsten Dresdner Obama live sehen können.

"Eigentlich gab es ja keinen Anlass für den Besuch", heißt es versöhnlich von Seiten der Bundesregierung. Gut sei, dass Obama so kurz nach seinem Aufenthalt im April schon wieder nach Deutschland komme. Und wie Musik klingt es den Beratern von Merkel in den Ohren, wenn im Weißen Haus vom "großen Respekt" Obamas vor Merkel und ihren Schilderungen der Vergangenheit in der DDR die Rede ist. Und dass dies ein Grund sei, warum er überhaupt komme. (ina/det/ap/dpa)

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