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Wirtschaft

Obama in Hannover: Wie es dazu kam

Zum ersten Mal in der Geschichte der größten Industriemesse der Welt sind die USA das Partnerland. Und Präsident Obama lässt es sich nicht nehmen, eigens dafür nach Hannover zu reisen. Wie hat die Messe das geschafft?

Es ist in der Tat ein Coup, den die Organisatoren der Hannover Messe da gelandet haben: Noch nie hat ein US-Präsident in Europa eine Messe eröffnet. Und die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover hätte ohne die Messe wohl auch niemals auf dem Reiseplan des vermeintlich mächtigsten Mannes der Welt gestanden. Der Plan der Messemacher, Barack Obama nach Hannover zu locken, war verwegen. Es gab nicht wenige, die über diese Idee von Wolfram von Fritsch - er ist der Chef der Deutschen Messe AG - nur müde lächeln konnten.

Jetzt lächelt von Fritsch. Sein Plan ist aufgegangen. Mit dem Auftritt von Barack Obama rückt nicht nur Hannover für zwei Tage in den Mittelpunkt des Weltgeschehens, auch die größte Industriemesse dürfte von diesem Glanz sehr profitieren. Der Image-Gewinn ist jedenfalls enorm. Zumal mit Deutschland und den USA zwei der führenden Industrienationen der Welt auf dem Messegelände eindrucksvoll zeigen, wie sie sich die Welt der industriellen Produktion von morgen vorstellen. Doch dazu später mehr.

Video ansehen 03:58

Der Zukunft voraus - Industrie-Kultur in den USA (19.04.2016)

Putin, Wen, Modi, Obama

Die Sache mit dem Partnerland hat Tradition in Hannover, sowohl zur Computermesse Cebit als auch zur Hannover Messe, der großen Industrieschau. 2012 beispielsweise war China auserkoren, der damals amtierende Premier Wen Jiabao gab sich die Ehre in Hannover. Ein Jahr darauf war es Russland - und zu Gast war, richtig: Präsident Wladimir Putin. Wie die Zeiten sich geändert haben. Im vergangenen Jahr schließlich hieß das Partnerland Indien - und mit Premierminister Narendra Modi war ebenfalls Politprominenz am Start. Jetzt also Barack Obama.

Vor fünf Jahren bereits habe man die Idee gehabt, erzählt Jochen Köckler vom Vorstand der Deutschen Messe AG und verantwortlich für die Hannover Messe im Gespräch mit der DW. Damals habe sich das Land, bedingt durch den Fracking-Boom in der Ölförderung begonnen, sich zu reindustrialisieren. Schließlich hatte es Präsident Obama sich auch zu einem Ziel seiner Amtszeit gemacht, den US-Anteil an der weltweiten Wertschöpfung wieder zu erhöhen.

Klinkenputzen in den USA

Damit rückten die USA wieder stärker in den Fokus der Messe, die sich als weltgrößte Veranstaltung für sogenannte Investitionsgüter - also Maschinen und Anlagen für die industrielle Produktion - sieht. Die Messe eröffnete ein Büro in Washington, und dort begann der Projektleiter Marco Siebert mit dem Klinkenputzen. "Viele Klinken", wie er in einem Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk sagt.

Aber irgendwann kam die Sache in Bewegung. Vor etwas mehr als einem Jahr lud Bundeskanzlerin Angela Merkel Obama nach Hannover ein. Und kurz vor Weihnachten verkündete der Präsident seine Reisepläne via Twitter. Bei den Messemachern in Hannover dürften die Korken geknallt haben.

Thema Industrie 4.0

Natürlich ist durch die enormen Sicherheitsvorkehrungen in diesem Frühjahr vieles auf der Hannover Messe anders als sonst. Messehallen, in denen sich der Präsident am Montag umschauen wird, sind schon seit Sonntag gesperrt. Aber die Aussteller zeigen überwiegend Verständnis, lockt das Ereignis doch wesentlich mehr Industrieprominenz als sonst auf die Messe. Hannover als das "Davos der Industrie" sozusagen. Ein wenig verstellt die ganze Aufregung um Obama allerdings den Blick auf das eigentliche Messethema: die sogenannte vernetzte Industrie (Integrated Industry) oder auch: Industrie 4.0.

Mit Deutschland und den USA treffen zwei führende Anbieter solcher Technologien in Hannover aufeinander. Die Amerikaner ihrerseits gelten als Vorreiter der Informationstechnologie, die deutschen Maschinenbauer als Hochburg industrieller Fertigung und Automation. Natürlich gibt es da einen Konkurrenzkampf, zum Beispiel um die Standards, die künftig gelten sollen: Ist es der deutsche Industrie 4.0-Standard oder der namens Industrial Internet aus den USA? Immerhin haben beide Länder Anfang des Jahres gemeinsame Ziele vereinbart, was den Aufbau zuverlässiger Infrastrukturen und Systeme angeht.

Mit 465 Firmen stellen die Amerikaner einen Großteil der ausländischen Aussteller auf der Hannover Messe. Das ist die größte Zahl von US-Unternehmen, die je an einer Messe außerhalb des eigenen Kontinents teilgenommen haben. Insgesamt verzeichnet die Messe mit über 5200 Ausstellern aus 75 Ländern ein deutlich gestiegenes Interesse. Ob das alleine am Obama-Faktor liegt, ist fraglich. Die Messemacher von Hannover freut es so oder so.

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