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Aktuell Deutschland

Obama-Besuch: Alarmstufe Rot in Hannover

Knapp 30 Stunden ist Präsident Obama in Hannover. Die Stadt gleicht einer Festung. Wegen der Sicherheitsmaßnahmen ist das Berichten nur unter enormen Auflagen möglich. Aus Hannover Sabine Kinkartz.

"Nicht abbiegen, bleiben Sie hier auf dem Weg", ruft mir einer der vielen Polizisten zu, die in den Herrenhäuser Gärten an jeder Ecke stehen.

Ich bin in auf dem Weg zu den zwei großen, stählernen Presse-Tribünen, die so vor dem Schloss Herrenhausen aufgebaut sind, dass die TV-Kollegen während ihrer Berichterstattung über das Treffen von US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Hannover eine schöne Kulisse im Hintergrund haben.

Deutsche-Welle-Redakteurin Sabine Kinkartz (Foto: DW/B. Geilert)

Deutsche-Welle-Redakteurin Sabine Kinkartz

Schloss abgeriegelt

Herrenhausen ist der Ort in Hannover, an dem der politische Teil des Besuchs stattfindet. Eigentlich ist Obama nach Hannover gekommen, um mit der Kanzlerin die Hannover-Messe zu eröffnen. Die USA sind zum ersten Mal Partnerland der größten Industrieschau der Welt. Doch angesichts von Terrorgefahr und Flüchtlingskrise haben der US-Präsident und die Kanzlerin nicht nur die Wirtschaft im Blick. Deshalb sind nicht nur das Messegelände und das Hannover Congress Centrum abgesperrt, sondern auch das Schloss in Hannover.

Polizisten vor Schloss Herrenhausen (Foto: DW/S. Kinkartz)

Polizisten vor Schloss Herrenhausen

Der Sicherheitsapparat ist gigantisch. Die Journalisten, die zu Hunderten nach Hannover gekommen sind, müssen sich einer minutiös geplanten Choreografie unterwerfen. Viele Termine schließen einander aus, weil man Stunden vorher an einem bestimmten Ort sein muss, um dabei sein zu dürfen.

Eventausweise, Zusatzausweise, Basisausweise

Geregelt wird das alles über sogenannte Event-Ausweise. Es gibt eine Basis-Akkreditierung für den Obama-Besuch, Zusatzausweise für die Ankunft am Flughafen, für die Begrüßung mit militärischen Ehren im Schlosshof, für die Pressekonferenz im Schloss, für die Pressetribüne im Garten und so weiter und so fort.

Prachtvolles Ambiente: Das Pressezentrum im Schloss (Foto: DW/S. Kinkartz)

Prachtvolles Ambiente: Das Pressezentrum im Schloss

Der Basisausweis gilt nur für das Pressezentrum, in dem man alle für die Öffentlichkeit bestimmten Bewegungen des Präsidenten auf einem der vielen Fernsehschirme verfolgen kann. In langen Reihen stehen hier Arbeitsplätze bereit, alle aufwendig mit Strom und Internetanschlüssen ausgestattet. Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt, man kann es also durchaus aushalten. Mit normaler Berichterstattung hat das aber wenig zu tun. Denn die erfordert es natürlich, persönlich genau da zu sein, wo etwas passiert.

Eingesperrt im Pressezentrum

Die journalistische Arbeit ist mehr als schwierig und erforderte schon im Vorfeld eine Reihe von Entscheidungen. Wer aus dem Schloss berichtet, ist zum Beispiel kaum in der Lage, die Eröffnungsfeier der Hannover-Messe am Sonntagabend noch rechtzeitig zu erreichen, weil der "Check-In" dort schon Stunden vor Beginn der Feier endet, also noch während die Pressekonferenz von Obama und Merkel im Schloss läuft. Wer die besuchen will, darf den Raum im Übrigen erst wieder verlassen, wenn der US-Präsident das Schlossgelände verlassen hat. Am Nachmittag ist eine ganze Stunde sogar als "Freeze" deklariert worden, das heißt, in dieser Zeit sind alle Türen geschlossen, kein Journalist darf sich auf dem Schloss-Gelände bewegen – Ausweis hin oder her.

Security-Fahrzeug halb unter einem Tarnnetz /Foto: DW/S.Kinkartz)

Security-Fahrzeug halb unter einem Tarnnetz

Hubschrauber mit Raketen

iÜber die Einhaltung aller dieser Regeln wachen Hundertschaften der Polizei, die das Gelände aus allen Perspektiven im Blick haben. Dazu kommen ein paar Hundert Mitarbeiter des Secret Service, die mit dem US-Präsidenten nach Deutschland gekommen sind. Mitgebracht haben sie nicht nur gepanzerte Limousinen, sondern auch zwei Helikopter, die mit Raketen und Laser ausgestattet sind. Am Flughafen Hannover wurde für eine Woche eine Landebahn gesperrt, um für die ganzen Gerätschaften aus den USA Platz zu schaffen.

Mein Kollege Henrik Böhme, der den Obama-Besuch auf dem Messegelände verfolgt, erinnert sich noch gut an 2015, als Indien Partnerland der Hannover-Messe war. Beim traditionellen Eröffnungsrundgang am Montagmorgen waren Zeit und Raum, um Angela Merkel und ihrem Gast, dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi ganz nah zu kommen. In diesem Jahr ist das unmöglich. Die Messe-Hallen, die Obama besichtigen wird, sind gesperrt, dem Rundgang folgen darf nur, wer – genau – einen entsprechenden Event-Ausweis hat. Viele gab es davon nicht.