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Politik

Obama feuert General McChrystal

US-Präsident Obama hat den Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan entlassen. Dieser hatte sich abfällig über Regierungsmitglieder geäußert. Nachfolger soll David Petraeus werden.

Porträt McChrystal (Foto: AP)

Musste seinen Posten räumen: General McChrystal

Abschätzige Bemerkungen über US-Präsident Barack Obama sind dem Chef der internationalen Truppen in Afghanistan, Stanley McChrystal, zum Verhängnis geworden. Obama zitierte den Vier-Sterne-General am Mittwoch (23.06.2010) zum Rapport ins Weiße Haus. Anschließend erklärte der Präsident, er habe den Rücktritt des Afghanistan-Oberbefehlshabers angenommen. Dies geschehe aus Verantwortung für die Truppen und die große Aufgabe in Afghanistan.

McChrystals Posten soll schon bald General David Petraeus übernehmen, ein anerkannter Pentagon-Stratege und bisheriger Befehlshaber für Nahost und Zentralasien. Übergangsweise führt der britische Generalleutnant Nick Parker das Kommando am Hindukusch.

Titel des Magazins Rolling Stone (Foto: Rolling Stone)

Ein Artikel in dem Musikmagazin Rolling Stone löste den Eklat aus

Öffentliche Kritik an der Regierung

Was war passiert? Am Dienstag waren Äußerungen des Vier-Sterne-Generals bekannt geworden, die in einem Bericht des US-Musikmagazins "Rolling Stone" veröffentlicht werden sollen. Sie hatten in Washington einen Skandal ausgelöst. Der Präsident sei erbost, ja wütend, formulierte das Präsidialamt und ließ McChrystals Zukunft zunächst noch offen.

Dieser hatte einem Reporter des Magazins, das normalerweise auf Rockmusik spezialisiert ist, seine Ansichten über den Präsidenten, hohe Regierungsbeamte und die amerikanische Afghanistan-Strategie anvertraut, die alles andere als schmeichelhaft waren.

Obama im Gespräch mit McChrystal (Foto: AP)

Ein Vier-Augen-Gespräch mit Obama tat der General als läppischen Fototermin ab

Das Magazin zitierte McChrystal mit scharfer Kritik an Vizepräsident Joe Biden und am US-Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry. Ein enger Berater des Generals wurde zudem mit der Einschätzung zitiert, dass McChrystal wenig von Präsident Obamas Afghanistan-Politik halte. McChrystal habe ein Treffen mit dem Präsidenten im Nachhinein als "zehnminütigen Fototermin" abgetan, sagte ein Berater dem Magazin.

Umgehende Entschuldigung

Nach Bekanntwerden des Artikels versuchte McChrystal, sich aus der Schlinge zu ziehen. Noch in Kabul entschuldigte er sich öffentlich. "Das war ein Fehler, der schlechtes Urteilsvermögen zeigt und der nie hätte passieren dürfen", erklärte der 55-Jährige. Er rief bei mehreren Personen an, die in dem Interview genannt worden waren, unter anderem auch beim US-Sondergesandten Richard Holbrooke.

Von US-Botschafter Eikenberry fühlte sich McChrystal im vergangenen Jahr während der Debatten über die Afghanistan-Strategie "verraten", wie McChrystal selbst dem Magazin sagte. Dem Artikel zufolge verunglimpfte McChrystal unter anderem den US-Vizepräsidenten Joe Biden, einen Gegner seiner Militärstrategie in Afghanistan, mit dem Wortspiel: "Joe Biden, wer ist das? - Sagten Sie Bite Me (Leck mich)?"

Folgenschwere Schmähreden

Vizepräsident Biden spricht bei der Nato in Brüssel (Foto: AP)

Mit Vizepräsident Biden war McChrystal wegen der Afghanistan-Strategie aneinaner geraten

Obamas Nationalen Sicherheitsberater James Jones schmähte der General als "Clown", der "noch im Jahr 1985" lebe. Über den US-Sondergesandten für Afghanistan, Richard Holbrooke, sagte der General laut "Rolling Stone": "Oh nein, schon wieder eine Email von Holbrooke. Ich will sie nicht mal öffnen." Das Magazin betonte, dass alle zitierten Äußerungen ausdrücklich durch Mitarbeiter des Generals zur Veröffentlichung freigegeben worden seien.

Washington reagiert mit Befremdung

Das politische Washington reagierte parteiübergreifend mit Befremden. Verteidigungsminister Robert Gates warf McChrystal vor, einen "groben Fehler gemacht und schlechtes Urteilsvermögen bewiesen" zu haben. Zwischen der Militärführung und dem zivilen Oberkommando müsse "Einigkeit in den Zielen" bestehen. Generalstabschef Michael Mullen erklärte sich "tief enttäuscht" über die Äußerungen. Die einflussreichen Senatoren John McCain, Lindsey Graham und Joe Lieberman kritisierten McChrystals Verhalten in einer gemeinsamen Erklärung als "unangemessen".

Der Abgang McChrystals bedeutet, dass ein ausgewiesener Experte im Kampf gegen Aufständische nicht mehr zur Verfügung steht. Zudem hatte er den Respekt des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai genossen. McChrystal hat im vergangenen Jahr den Strategiewechsel am Hindukusch umgesetzt. Die USA stockten ihre Truppen massiv auf, gingen in die Offensive gegen die radikal-islamischen Taliban und entwickelten gleichzeitig einen Zeitplan für einen Abzug ihrer Kampftruppen.

Guttenberg hofft auf "Kontinuität"

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bedauerte McChrystals Entlassung. Er habe dessen Arbeit sehr geschätzt, sagte Guttenberg bei einem Truppenbesuch im ostafrikanischen Dschibuti. McChrystal sei ein sehr verlässlicher Partner gewesen. Doch auch der designierte Nachfolger David Petraeus sei besonnen, habe bereits im Irak Verantwortung getragen und dort kluge Schritte umgesetzt. Er hoffe, dass mit Blick auf die für Afghanistan angestoßenen Planungen Kontinuität herrschen werde. "Ich erwarte durch diese Personalie keinen Bruch in der Strategie", fügte Guttenberg hinzu.

Autoren: Eleonore Uhlich / Christian Walz (afp, rtr, dpa, rtr)
Redaktion: Hajo Felten

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