1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Notenbanken greifen nach Brexit-Votum ein

Das Brexit-Votum ist ein Schock für die Finanzmärkte. Die Notenbanken haben zwar seit längerem Pläne für den Fall den Fälle - doch der Ausgang des Referendums hat die Märkte überrascht.

Video ansehen 01:53

Böses Erwachen für Londoner Börsenhändler

Die Schweizer Nationalbank (SNB) intervenierte am Devisenmarkt, um dem starken Anstieg des Franken einzudämmen. Die Bank von England stellte zusätzliche Mittel zur Geldversorgung der Finanzbranche des Landes bereit. Der Franken war am Freitagmorgen zum Euro auf den höchsten Stand seit Sommer 2015 gestiegen. Es war der stärkste Zuwachs an einem Tag seit der Aufhebung des Mindestkurses Anfang 2015. Das britische Pfund verzeichnete zum Dollar zeitweise den heftigsten Kursverlust seit mindestens 40 Jahren.

"Nach der Abstimmung Großbritanniens über einen Austritt aus der Europäischen Union ist der Schweizer Franken unter Aufwertungsdruck geraten", erklärte die SNB. Sie habe deshalb stabilisierend eingegriffen und bleibe am Markt aktiv. Großbritanniens Notenbank erklärte, sie stehe bereit, um Verwerfungen an den Finanzmärkten einzudämmen. Zur Geldversorgung der Bankenbranche stünden zusätzliche 250 Milliarden Pfund zur Verfügung, sagte der Chef der Bank von England (BoE), Mark Carney. Falls nötig, könne die britische Notenbank auch massive Liquidität in Fremdwährung bereitstellen. Einige Experten rechnen damit, dass die Bank of England den Leitzins von derzeit 0,5 Prozent in Richtung null senken dürfte.

Hektisch ging es auch in Asien zu

In Fernost griffen Händlern zufolge mindestens zwei Notenbanken auf dem Devisenmarkt ein. Laut Börsianern verkaufte die Zentralbank Südkoreas Dollar, um den Fall der Landeswährung Won zu begrenzen. Indiens Notenbank hat Händlern zufolge ebenfalls US-Währung über staatseigene Banken verkauft, um einen Kursrutsch der Landeswährung Rupie zu begrenzen. Die Zentralbank Japans stimmt sich nach den Worten ihres Vize-Chefs, Hiroshi Nakaso, eng mit heimischen und ausländischen Behörden ab. Sie werde sicherstellen, dass Schritte zur Beruhigung der Märkte eingeleitet würden. Dazu zählte Nakaso auch bestehende Devisen-Swap-Vereinbarungen mit anderen Notenbanken. Mit solchen Abkommen stellen sich die Währungshüter gegenseitig Liquidität in Fremdwährung zur Verfügung. Damit wollen sie unter anderem sicherstellen, dass ihre heimischen Geschäftsbanken im Notfall ausreichend Zugang zu Devisen haben.

Auch die Europäische Zentralbank wird notfalls eingreifen. "Die EZB steht bereit, falls nötig, zusätzliche Liquidität in Euro oder ausländischen Währungen zur Verfügung zu stellen", erklärte die Notenbank am Freitag in Frankfurt. Die EZB beobachte die Entwicklung an den Finanzmärkten sehr genau und stehe in engem Kontakt mit anderen Zentralbanken. Das Bankensystem im Euroraum hält die EZB, die die wichtigsten Finanzkonzerne in dem Währungsgebiet direkt überwacht, für widerstandsfähig.

Neben den Schwankungen beim Euro dürfte die EZB auch mit Argusaugen beobachten, dass die Renditen auf Staatspapiere südeuropäischer Länder nach dem Brexit in die Höhe geschnellt sind. Einige Experten hatten vor dem Brexit-Votum sogar spekuliert, die EZB könnte im Extremfall ihr sogenanntes OMT-Programm zum Einsatz bringen, also gezielt Staatsanleihen von Krisenländern aufkaufen.

zdh/ul (dpa, rtr)

Audio und Video zum Thema