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Asien

Nordkoreas Wunderwaffe - ein Exportschlager?!

Mag die internationale Empörung noch so groß sein: Interessenten für die nordkoreanische Raketentechnik gibt es genug, vor allem im Nahen Osten. Der Iran, Syrien, Libyen und der Jemen gehören zu den Hauptabnehmern.

Zeichnung der nordkoreanischen Langstreckenrakete

Nordkoreas Traum von einer Interkontinentalrakete

Zwar kann der bettelarme Staat seine eigene Bevölkerung nicht ausreichend ernähren, gleichwohl unterhält Nordkorea ein riesiges Heer und betreibt ein ambitioniertes Programm zum Bau von Mittel- und Langstreckenraketen. Im Wesentlichen handelt es sich um vier Modelle: Die einstufigen Raketen vom Typ Rodong 1 und Rodong 2 sowie die Mehrstufenraketen Taepodong 1 und Taepodong 2. Landesweit soll das kommunistische Regime nach Angaben von Militärexperten der amerikanischen "Nuclear Threat Initiative" 600 bis 800 ballistische Raketen in Stellung gebracht haben, die alle wichtigen Ziele in Südkorea oder Japan in wenigen Minuten erreichen können.

Vier Jahrzehnte Erfahrung

Nordkoreanische Raketen - zur Abschreckung im Museum von Seoul

Nordkoreanische Rodong-Raketen - zur Abschreckung im Museum von Seoul

Grundlage für die nordkoreanische Raketentechnologie war die sowjetische Scud-B vom Typ R-17. In den 80er Jahren hatten nordkoreanische Ingenieure diese Kurzstreckenrakete weiterentwickelt – mit finanzieller Unterstützung aus dem Iran. Getestet wurde der erste Scud-Eigenbau 1984. Die modifizierte Scud-Rakete, die einstufige Rodong-1, verfügte schon über eine Reichweite von 1.300 Kilometern. Das Nachfolgemodell, die Rodong 2, konnte Mitte der 1990er Jahre bereits 1.500 Kilometer weit fliegen. Die Raketen sind so konzipiert, dass sie konventionelle und möglicherweise auch atomare, biologische und chemische Sprengköpfe ins Ziel befördern können. Nach wie vor soll Nordkorea einer der größten Produzenten von biologischen und chemischen Kampfstoffen sein.

Lukrative Einnahmequelle

Aufgebrachtes Schiff in der Arabischen See mit nordkoreansichen Scud Raketen für Jemen (AP)

Schiff mit nordkoreanischen Scud Raketen für Jemen an Bord

Seit Ende der 1990er Jahre exportiert Nordkorea seine Raketentechnik. Interessenten damals wie heute: der Iran, Syrien, Libyen, Ägypten, vermutlich auch Pakistan und der Jemen. Wie verbreitet die Raketen im Nahen Osten bereits sind, zeigte sich während des letzte Golf-Krieges: Fast alle Scud-Rakete, die der Irak auf Israel abfeuerte, stammten ursprünglich aus Nordkorea.

Einen ballistischen Quantensprung stellte die zweistufige Taepodong 1 dar, die stolze 2.000 Kilometer weit flog. Mit einer abermals modifizierten Taepodong 1-Variante soll der Aktionsradius auf bereits 4.500 bis 6000 Kilometer Reichweite ausgeweitet worden sein. Damit könnte sie die amerikanischen Territorien Alaska und Hawaii, aber auch die Nordküste von Australien erreichen.


Wut und Ohnmacht bei den Nachbarn

Südkoreansiche Demonstranten protestieren gegen den Raketenstart

Wut und Angst bei den Nachbarstaaten

Die Nachbarstaaten und selbst die USA waren schockiert, als Nordkorea am 31. August 1998 eine solche mehrstufige Rakete über Japan hinweg abfeuerte. Obwohl sie nach ihrem Flug in den Pazifik stürzte, war der Test ein Erfolg für Nordkorea, hatte doch die Stufen-Trennung funktioniert. Damit unterstrich Pjöngjang einmal mehr die Erwartung, dass Nordkorea früher oder später Raketen interkontinentaler Reichweite produzieren kann.

Der Test einer Rakete vom Typ Taepodong 2 schlug im Oktober 2006 aber erst einmal fehl. 6700 Kilometer weit sollte diese dreistufige Rakete angeblich fliegen können. Dabei hätte die etwa 35 Meter hohe Rakete mit einem Durchmesser von gut zwei Metern einen etwa 1000 Kilogramm schweren Sprengkopf ins Ziel bringen können. Bei geringerer Last könnte die Taepodong 2 sogar 10.000 Kilometer weit fliegen – dass würde bis Osteuropa reichen.

Provokante Position der Stärke

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il wird an einem unbekannten Ort von Feldkommandeuren bei einer militärischen Übung unterrichtet (undatierte Aufnahme, dpa)

Der nordkoreanische Machthaber gefällt sich in der Rolle als Militärstratege

Mit der jetzigen Testfeuerung hat Pjöngjang der Welt bewiesen, dass man aus den Fehlern gelernt hat. Zwar hat Pjöngjang wohl nicht - wie behauptet - einen Satelliten ins All geschossen, aber trotzdem war der Start der Rakete vom Typ Unha-2 für das Regime ein voller Erfolg: Nordkorea hat aller Welt gezeigt, dass es eine Interkontinentalrakete bauen kann, deren Ausbaupotenzial bei bis zu 10 000 Kilometern liegt. Bei dieser maximalen Entfernung könnte die Rakete schätzungsweise eine Last von beinahe 500 Kilogramm tragen. Außerdem hat Nordkorea seine Verhandlungsposition gegenüber den USA, Japan und Südkorea gestärkt. Der gesundheitlich angeschlagene Diktator Kim Jong Il konnte sich endlich mal wieder als starker Mann präsentieren. Und als Lieferant für Raketentechnologie und Know-How bleibt Nordkorea weiterhin interessant. Dies zu verhindern wird vorrangige Aufgabe der internationalen Staatengemeinschaft bleiben.

Autor: Alexander Freund / Redaktion: Esther Broders

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