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USA / Nordkorea

Nordkorea droht mit Vergeltungsschlag

Pjönjang reagiert auf die Drohungen aus Washington und rasselt kräftig mit den Säbeln. Bleibt die Frage: Nutzt die nordkoreanische Führung den Staatsfeiertag für einen neuen Atomtest? Dann könnten die USA Ernst machen.

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Druck auf Nordkorea wächst

Nordkoreas Führungszirkel holt zum verbalen Gegenschlag auf Washington aus: Die US-Regierung unter Donald Trump kreiere "eine Kriegssituation" auf der koreanischen Halbinsel, mahnt Choe Ryong Hae, der zweite Mann in dem kommunistischen Staat. Pjöngjang sei bereit, einen "totalen Krieg mit einem totalen Krieg zu beantworten". Mit Blick auf den äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass Washington gar Atomwaffen gegen Nordkorea einsetze, drohte Choe in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Rede: "Wir sind bereit, auf jeden Atomangriff mit einem Atomangriff zu reagieren."

Kurz nachdem Choe seine Rede beendet hatte, begann in Pjöngjang eine Militärparade. Tausende Soldaten marschierten an einem jubeldenden Publikum vorbei, begleitet von hunderten beflaggte Armeelastwagen. Der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap zufolge wurden dabei auch eine neue ballistische Interkontinentalrakete und eine U-Boot-gestützte ballistische Rakete vorgeführt, die Pjöngjang im vergangenen Jahr erfolgreich getestet hatte. Militärexperten beobachten die Paraden der nordkoreanischen Armee in der Regel genau, um Schlüsse über militärische Fortschritte des Landes ziehen zu können.

"Ewiger Präsident"

Mit dem "Tag der Sonne" begehen die Nordkoreaner alljährlich den Geburtstag des verstorbenen Staatsgründers Kim Il Sung. Es ist der höchste Feiertag des Landes. Der als "ewiger Präsident" verehrte Kim ist noch 23 Jahre nach seinem Tod in Nordkorea allgegenwärtig. Ebenso wie um seinen Sohn Kim Jong Il sowie seinen Enkel und jetzigen Machthaber Kim Jong Un wird ein intensiver Personenkult betrieben.

Nordkorea Militärparade in Pjöngjang (picture-alliance/dpa/W. Maye-E)

Demonstration der Stärke: Bei der Militärparade präsentiert das nordkoreanische Regime auch seine Raketen

Brisant ist der Tag aber vor allem aus anderen Gründen: Viele befürchten, das kommunistische Regime Nordkoreas könne den Feiertag nutzen, um einen weiteren Atomwaffentest zu unternehmen. US-Experten zufolge zeigen Satellitenbilder bereits verdächtige Aktivitäten auf dem Testgelände. Regelmäßig demonstriert Kim Jong Un mit solchen Tests die militärische Stärke seines Landes. Gleichzeitig arbeitet die nordkoreanische Führung an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten. Das international isolierte Land verstößt damit gegen mehrere Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.

Ein neuerlicher Atomtest könnte die angespannte Situation zwischen Washington und Pjöngjang weiter eskalieren lassen. So hatten die USA zuletzt angekündigt, wegen der Gefahr aus Nordkorea "militärische Optionen" zu prüfen. Vor einigen Tagen schickte US-Präsident Trump bereits einen Flugzeugträger und mehrere Kriegsschiffe vor die koreanische Halbinsel. Trump hatte erklärt, Nordkorea sei ein "Problem, um das wir uns kümmern werden". Mehrmals drohte er damit, das Atomprogramm Nordkoreas notfalls im Alleingang zu stoppen.

Nordkorea Kim Jong Un mit Choe Ryong Hae (picture alliance/AP Photo/W. Maye-E)

Die mächtigsten Männer Nodkoreas: Parteifunktionär Choe Ryong Hae (links) und Machthaber Kim Jong Un

Trumps militärischer Kurswechsel

Die Drohgebärden fügen sich in eine Reihe militärischer Aktionen Washingtons ein. So hatte Trump zuletzt mit einer Abkehr von seinem im Wahlkampf angekündigten Isolationskurs überrascht - und Militärschläge in Syrien und Afghanistan verübt. In der vergangenen Woche ließ er einen syrischen Luftwaffenstützpunkt mit Marschflugkörpern angreifen. Am Donnerstag warfen die US-Streitkräfte ihre stärkste nicht-atomare Bombe in Afghanistan ab. Beobachter werten dieses Vorgehen als indirekte Warnung an Nordkorea. Die Botschaft laute: Washington zögert nicht, militärische Mittel einzusetzen.

Das ruft auch Russland und China auf den Plan. So warnte der chinesische Außenminister Wang Yi vor den Folgen einer direkten Konfrontation. "Die Spannungen zwischen den USA und Südkorea auf der einen Seite und Nordkorea auf der anderen Seite haben zuletzt zugenommen, und man hat das Gefühl, dass nun jederzeit ein Konflikt losbrechen kann", sagte der Diplomat. "Wenn es einen Krieg gibt, ist das Ergebnis eine Situation, in der jeder verliert und es keinen Gewinner geben kann."

Auch Russland rief die USA zur Zurückhaltung auf. "Moskau beobachtet die Eskalation der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel mit großer Sorge", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Man warne daher vor "provokativen Schritten". Der russische Botschafter in Nordkorea, Alexander Mazegora, sagte, zwar schließe auch er einen Test Nordkoreas in naher Zukunft nicht aus, er warne aber zugleich vor einer "verhängnisvollen" Entscheidung Trumps. Er mahnte:  "Wir müssen jetzt alle am Rande des Abgrunds anhalten."

nin/jj (dpa, afp, ape, rtr)

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