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Kultur

Noch ein Museum ersten Ranges in Berlin

Am ersten Dezember-Wochenende lädt das frisch sanierte Bode-Museum zum Räumegucken ein. Zu entdecken gibt es genug im zweiten wieder hergestellten Gebäude der Berliner Museumsinsel.

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Wilhelminische Pracht

"Das ist ein wunderbarer Tag für Berlin, ein wunderbarer Tag für Deutschland und für die Museen dieser Welt." Der kunstsinnige Wolfgang Tiefensee, neu im Amt des Bundesministers für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung machte bei der Schlüsselübergabe am 28.11.2005 keinen Hehl daraus, wie sehr er sich über den Anlass seines ersten öffentlichen Auftritts freute. Damit ist nach fünfeinhalb Jahren Bauzeit der zweite Meilenstein zur Vollendung der sanierungsbedürftigen Museumsinsel erreicht. Und zwar sowohl im geplanten Zeitraum wie auch im veranschlagten Kostenrahmen von 152 Millionen Euro.

Bode-Museum nach Sanierung übergeben

Der mehrjährige Umbau und die Sanierung kosteten 150 Millionen Euro

Wasserschloss über der Spree

"Das Wunder ist die grandiose Architektur. Mit der eindrucksvollen Formensprache der Renaissance und des Barock, mit herrlichen Raumfolgen, originalen Einbauten, wechselnden Farb- und Materialeindrücken, mit wieder frei gelegten, reich ausgekleideten Wänden, Treppen und Portalen." So jubelte Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, bei der Eröffnung.

Tatsächlich thront es wie ein Wasserschloss über der Spree, dieses Bode-Museum, das sich in die nördliche Spitze der Museumsinsel schmiegt. Um 1880 hatte Wilhelm Bode, Direktoralassistent bei den Königlichen Museen, hier den Bau eines Renaissance-Museums angeregt. Hof-Architekt Ernst-Eberhard Ihne realisierte das Gebäude. Bereits 1904 eröffnete Kaiser Wilhelm II. den Neobarockbau mit seinen zwei markanten Kuppeln, der seinerzeit noch Kaiser-Friedrich-Museum genannt wurde.

Zwei Gesichter und andere Eigenarten

Das Foto zeigt einen Teil des renovierten Bode Muesums am Montag, 28. November 2005 in Berlin.

Das Publikum kann kommen

Das Gebäude, erinnert Florian Mausbach, Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, hat im Innern zwei Gesichter: "Das eines musealen Schlosses zur Selbstfeier der preußischen Hohenzollern am Ende einer untergehenden Epoche. Sowie das andere eines großartigen und eigenartigen Museums, das zu Recht den Namen Wilhelm von Bodes trägt." Die Eigenart dieses Museums seien seine Stilräume, die gemeinsame Präsentation von Malerei und Skulptur in einem historisch nachempfundenen Ambiente, erklärt Mausbach. "Das Konzept eines Museums also, das Ausstellung und Architektur untrennbar miteinander verbindet."

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Museum fast zur Hälfte zerstört, Ende der 1940er Jahre zum Abriss bestimmt, aber von einer Bürgerbewegung gerettet. Von Beginn der 50er bis weit in die 1980er Jahre hat man das Gebäude, das 1956 in Bode-Museum umbenannt wurde, immer wieder in Teilen renoviert. Aber zur Grundsanierung kam es erst nach der Wiedervereinigung. Die Museums-Insel wurde in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, Bund und Länder beschlossen einen milliardenschweren Masterplan zur Grundsanierung des gesamten, aus fünf Gebäuden bestehenden Komplexes. "Diese zu erhalten und als Kulturerbe an die nächste Generation weiter zu geben, ist wahrlich eine unverzichtbare, aber auch schöne Aufgabe gesamtstaatlicher Kulturpolitik," sagte Bernd Neumann, Kulturstaatsminister der neuen Bundesregierung, bei der Eröffnung.

Eröffnung im Sommer

Die Generalsanierung des 25.000 Quadratmeter großen Bode-Museums umfasste nicht nur den Einbau modernster Haus-, Sicherheits- und Sanitärtechnik, sondern auch eine denkmalgerechte Restaurierung des 100 Jahre alten Museumsbaus. Zahlreiche, durch den Zweiten Weltkrieg zerstörte und in der Zeit danach zum Teil nur notdürftig wiederhergestellte Dekor-Elemente mussten erneuert werden. Das nicht mehr erhaltene Tiepolo-Zimmer, ein reich verzierter Rokoko-Raum, wurde auf der Grundlage einer Fotoaufnahme aus der Vorkriegszeit gar komplett rekonstruiert.

In den nächsten Monaten nun werden die lichtdurchfluteten hohen Säle eingerichtet - mit Exponaten vom Ausgang der Antike bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. "Skulpturen, Ikonen, Elfenbein, Gemälde alter Meister. In Epochenräumen aufeinander bezogen. Kunstwerke, die wir lange entbehren mussten. Es wird eine überwältigende Sinnenfreude werden, mit der das Wunder Bode-Museum erst richtig zur vollen Blüte kommt," jubelte Stiftungspräsident Lehmann. Die letztendliche Eröffnung des Hauses ist für den Sommer 2006 geplant.

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