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Aktuell Afrika

Nigerianische Polizei nimmt Boko-Haram-Kommandeur fest

Erfolg im Kampf gegen gegen Boko Haram: Die nigerianische Polizei hat einen hochrangigen Kommandeur der Terrorgruppe festgenommen. Doch das Morden der radikalen Islamisten geht weiter.

Der ranghohe Kommandeur der radikalen Islamistengruppe Boko Haram, Mohammed Zakari, wurde bereits am Samstag festgenommen, wie die nigerianische Polizei jetzt mitteilte. Die Sicherheitskräfte griffen den 30-Jährigen demnach bei der Erstürmung eines Camps der Terrorgruppe im Wald von Balmo im nordöstlichen Bundesstaat Bauchi auf. Zakari bezeichnet sich selbst als "Chef-Schlächter" von Boko Haram. Nach Angaben der Polizei soll er für ein kürzlich begangenes Massaker an sieben Menschen verantwortlich sein. Der Balmo-Wald ist eine von vielen Rückzugsgebieten von Boko Haram, von denen aus die Gruppe ihre Terrorangriffe organisiert.

Islamisten morden weiter

Bei einem Angriff auf ein Dorf im Nordosten Nigerias wurden unterdessen nach Angaben von Einwohnern mindestens 26 Menschen getötet. Andere Quellen sprechen von mindestens 45 Toten. Die Kämpfer, die den Ort Dille im Bundesstaat Borno am Montag überfallen hätten, gehörten vermutlich zu Boko Haram, sagten Bewohner des Dorfes am Dienstag. Die Angreifer hätten mehrere Stunden lang auf die Einheimischen geschossen sowie Häuser und Kirchen in Brand gesetzt. Ein Kampfflugzeug habe die mit Pritschenwagen flüchtenden Angreifer später unter Beschuss genommen. Dabei seien jedoch auch Zivilisten getötet worden.

Mindestens sechs Menschen seien vermutlich durch den Beschuss des Kampfflugzeugs getötet worden, sagten Bewohner des Dorfes nahe der Grenze zu Kamerun. Es handle sich um vier Frauen und zwei Kinder.

Knapp 100 Anschläge in der ersten Jahreshälfte

Boko Haram hat in der ersten Jahreshälfte laut Menschenrechtlern etwa 95 Anschläge verübt. Dabei seien mindestens 2.053 Zivilisten getötet worden, erklärte "Human Rights Watch" in Nigerias Hauptstadt Abuja. "Boko Haram führt tatsächlich Krieg gegen die Bevölkerung im Nordosten Nigerias um einen erschütternd hohen Preis an Menschenleben", sagte die Westafrika-Direktorin der Organisation, Corinne Dufka. Diese Gräueltaten seien Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wofür die Täter zur Rechenschaft gezogen werden müssten.

In insgesamt 70 Dörfern und Städten hätten Angehörige der Gruppe Angriffe verübt. Dabei sei die Zahl der Opfer durch Bombenanschläge dramatisch gestiegen. Seit Januar seien mindestens 432 Menschen bei 14 Sprengstoffattentaten getötet worden. Die meisten Anschläge seien gegen Ziele im Bundesstaat Borno, dem Stammland von Boko Haram, gerichtet gewesen. Dabei starben knapp 1.450 Menschen. Für ihre Angaben stützt sich die Organisation auf Medienberichte, Augenzeugen und Überlebende von Anschlägen. Demnach zielen die Boko-Haram-Kämpfer bei ihren Attacken bewusst auf Zivilisten.

Über 10.000 Tote insgesamt

Innerhalb von fünf Jahren starben durch Angriffe der islamistischen Bewegung, die für einen islamischen Staat im Norden und Nordosten Nigerias kämpft, schon mehr als 10.000 Menschen. Weltweites Aufsehen erregte die Gruppe mit der Entführung von mehr als 200 Schülerinnen Anfang April. Einige konnten fliehen. Die meisten von ihnen werden jedoch noch immer vermisst.

cr/se (afp, dpa, rtr, epd)