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Nigeria

Nigeria: Präsident Buhari kehrt zurück

Nigerias Präsident Muhammadu Buhari ist nach langer medizinischer Behandlung im Ausland in seine Heimat zurückgekehrt. Die Menschen erwarten, dass er endlich Nigerias drängende Probleme löst: Terror, Gewalt und Armut.

In Nigeria blitzt ein Funke Hoffnung auf. Seit Samstag ist Präsident Muhammadu Buhari nach einem dreimonatigen Krankenhausaufenthalt in London wieder zurück in seiner Heimat. Warum er sich dieses Jahr schon zweimal in Großbritannien behandeln lassen musste, verriet der 74jährige Staatschef in seiner ersten Rede nach der Rückkehr am Montag (21.8.) jedoch nicht.

Viele Nigerianer nahmen sein insgesamt fünf Monate langes Fehlen mit Sorge hin. Da die Regierung Buharis Gesundheitszustand als eine Art Staatsgeheimnis behandelte, brodelte die Gerüchteküche. Zeitweilig gab es sogar Spekulationen, der Präsident wäre verstorben.  Die Gerüchte beunruhigten viele Nigerianer, denn ihr Land hat große Probleme. Neben neuen Angriffen der Terrormiliz Boko Haram leidet Westafrikas größtes Flächenland unter einer anhaltenden Wirtschaftskrise und wachsenden Spannungen zwischen einigen Bevölkerungsgruppen. 

Buharis Versprechen: Nigeria bleibt vereint

In seiner Ansprache im nigerianischen Fernsehen versprach Buhari einen engagierten Kampf gegen Boko Haram, Korruption und Gewalt. "Separatisten, die eine Teilung Nigerias durchsetzen wollen, haben eine rote Linie überschritten. Die Einheit des Landes ist nicht verhandelbar", sagte er immer noch krank wirkende Staatschef.

Präsident Buhari läuft eine Treppe aus einem Flugzeug hinunter (picture-alliance/Nigeria State House/S. Aghaeze)

Am Samstag kehrte Präsident Buhari aus Großbritannien zurück

Ethnische Spannungen kamen besonders in den vergangenen Monaten zum Vorschein, als Separatisten in der Biafra-Region ihren Forderungen nach einem unabhängigen Staat mit Aufständen Nachdruck verliehen. Biafra war Ende der sechtziger Jahre bereits Schauplatz eines blutigen Bürgerkrieges, nachdem sich die Region für unabhängig erklärt hatte. Auch im Niger-Delta, in dem reiche Ölvorkommen liegen, gibt es schon lange Rufe nach Unabhängigkeit. Im Nordosten kämpfen Milizen der Terrorgruppe Boko Haram seit 2009 für einen islamischen Staat.

Doch Kritiker sehen das Schweigen des Präsidenten über seine Krankheit als Zeichen, dass er etwas zu verbergen hat. "Anstatt die Öffentlichkeit zu informieren, wird etwas versteckt", sagt Asemota Kingsley vom Netzwerk "Zivilgesellschaft Nigeria" im DW-Interview.  Das zeige den Mangel an Respekt, den die Führungseliten vor den Nigerianern hätten. "Es ist wirklich schade, dass die Regierung dieses Landes die Menschen nicht ernst nimmt. Wenn man nicht fit für das Regierungsamt ist, dann tritt man ab, so dass wenigstens eine fähige Person die Aufgaben übernehmen kann." Seit August gab es in Abuja eine Reihe von Demonstrationen, bei denen Buharis Rückkehr oder sein Rücktritt gefordert wurde. 

Kinder in einem Flüchtlingslager der Vereinten Nationen in Nord-Nigeria (imago/epd/A. Staeritz)

Mehr als 2 Millionen Menschen sind durch Boko Haram-Angriffe vertrieben worden

Neue politische Chance

Buhari vermochte die Hoffnungen, die viele Nigerianer bei seiner Wahl vor zwei Jahren in ihn gesetzt hatten, bisher nicht zu erfüllen. Angetreten als Reformer und unnachgiebiger Korruptionsbekämpfer gab es schnell Vorwürfe, dass er den Erwartungen kaum gerecht werde. Vielfach wurde ihm vorgeworfen, er regiere zu passiv. "Jetzt hat er eine Chance, sich zu beweisen. Das Volk wartet ängstlich, ob er über Worte hinaus auch wichtige Entscheidungen trifft, zum Beispiel das Kabinett verkleinert oder die Sicherheitslage verbessert", sagt der Politikwissenschafter Abubakar Umar von der Universität Abuja im DW-Interview. Nach der Buhari-Rede geht er davon aus, dass die Regierung harte militärische Schritte unternimmt, um die Gewalt im Land einzudämmen.

Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit und der Enttäuschung im Land habe Buhari noch viele Anhänger im Norden des Landes. "Alles, was er jetzt tun muss ist, diese Unterstützung zu halten. Er ist immer noch der populärste und mächtigste Politiker im Land", sagt Umar. Die Menschen wollten konkrete politische Maßnahmen sehen. Dann könnte Buhari auch die nächsten Präsidentschaftswahlen 2019 gewinnen, wenn es seine Gesundheit erlaube. "Sein Gesundheitszustand ist ein Problem, das manche Oppositionspolitiker ausschlachten werden", sagt Politikprofessor Umar. "Es ist fast eine Tradition afrikanischer Führer, auch in Nigeria, ihre Krankheiten als Privatsache zu betrachten." 

Mitarbeit: Sam Olukoya, Lagos

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