1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Afrika

Historischer Machtwechsel in Nigeria

Erst erklärte sich die Opposition in Nigeria zum Sieger der Präsidentenwahl. Dann gestand Amtsinhaber Jonathan seine Wahlschlappe ein. Nun ist es offiziell: Neuer Präsident wird Ex-Militärdiktator Buhari.

In einer im Fernsehen übertragenen Ansprache wandte sich der Nigerias designierter Präsident Muhammadu Buhari (Artikelbild) an die Menschen im Land: "Für mich ist das ein historischer Moment", sagte er. "Wir haben den Einparteienstaat hinter uns gelassen." Buhari mahnte jedoch zu Respekt vor seinem bei der Wahl unterlegenen Gegner und warnte vor gewaltsamen Auseinandersetzungen. "Jetzt ist nicht die Zeit für Kämpfe", sagte er.

Jonathan akzeptiert Niederlage

Der nigerianische Staatschef Goodluck Jonathan hatte zuvor seine Niederlage öffentlich eingeräumt. "Ich habe dem Land freie und faire Wahlen versprochen, und ich habe mein Wort gehalten", erklärte der 57-Jährige. Er beglückwünschte Wahlsieger Buhari zu dessen Erfolg und rief seine Anhänger auf, das Ergebnis zu akzeptieren. Der scheidende Präsident dankte in seiner Erklärung dem Volk für die "großartige Chance, das Land zu führen" und versicherte, bis zum offiziellen Ende seiner Amtszeit alles in seiner Macht Stehende für das Wohl der Nation zu tun. "Einigkeit, Stabilität und Fortschritt unseres geliebten Landes sind in diesem Moment das Wichtigste", erklärte Jonathan.

Einige Stunden vorher hatte er in einem Telefonat dem 72-jährigen Ex-Militärdiktator Muhammadu Buhari gratuliert. Zuvor hatte sich die Opposition bereits zur Siegerin der Wahl erklärt. Buhari erzielte den ersten Sieg der Opposition, seit das ölreiche westafrikanische Land 1999 zur Demokratie zurückgekehrt ist.

Die Unabhängige Nationale Wahlkommission teilte am Mittwochmorgen mit, Buhari habe 2,57 Millionen Stimmen mehr erzielt als Amtsinhaber Goodluck Jonathan. Demnach gewann Buhari die Präsidentenwahl mit 53,95 Prozent der Stimmen. Amtsinhaber Jonathan kam auf 44,96 Prozent. Die Wahlkommission erklärte Buhari damit offiziell zum Sieger und zum neuen gewählten Präsidenten.

Endgültig besiegelt wurde Buharis Erfolg durch das Ergebnis im Bundesstaat Borno. Dort siegte der oppositionelle Herausforderer mit 94 Prozent der Stimmen. Borno ist einer der Bundesstaaten, die am meisten unter der Gewalt der Islamistengruppe Boko Haram leiden. Jonathans Gegner hatten ihm vorgeworfen, den blutigen Aufstand der Bewegung nicht in den Griff zu bekommen.

EU begrüßt Wahlsieg Buharis

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini erklärte in Brüssel, sie begrüße den Wahlsieg Buharis als Kandidat der Partei APC "herzlich". Zugleich gratulierte sie den Politikern aller Parteien, die bei der gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahl am Wochenende einen Sitz in der Abgeordnetenkammer und im Senat erlangt haben. Mogherini dankte Amtsinhaber Goodluck Jonathan für dessen "großen Beitrag für den Aufbau des Landes und für die Festigung der Demokratie in den vergangenen fünf Jahren".

Jonathans Eingeständnis der Niederlage kommt große Bedeutung zu, da dadurch gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der beiden Kandidaten weniger wahrscheinlich sind. Bei der letzten Wahl kamen nach solchen Ausschreitungen rund 1000 Menschen ums Leben.

Buharis Anhänger feiern

In der nördlichen Stadt Kaduna feierten am Abend Hunderte Menschen Buharis Sieg. Seine Anhänger tanzten, umarmten einander und viele ließen ihre Autohupen ertönen. In Abuja machte sich ebenfalls Erleichterung breit. "Die Leute haben befürchtet, er würde die Wahl nicht anerkennen und dabei den Weg für Chaos und Blutvergießen bereiten", sagte Oloye Ademola, ein Taxi-Fahrer in der Hauptstadt. Geschäftsmann Emmanuel Obaro sagte, das Land könne auf den demokratischen Machtwechsel stolz sein. "Das ganze Land hat für den Wechsel gestimmt weil die Menschen die schwache Führung Jonathans satt hatten." Buhari hatte im Wahlkampf versprochen, er werde die grassierende Korruption bekämpfen und den islamischen Terrorismus der Boko Haram ausmerzen.

Anhänger des Kandidaten Buhari bejubeln in Kaduna seinen Wahlsieg (Foto: AP)

Anhänger des Kandidaten Buhari bejubeln in Kaduna seinen Wahlsieg

Buhari regierte Nigeria von Ende 1983 für knapp zwei Jahre als Militärdiktator. Er setzte die Verfassung außer Kraft und beschnitt Freiheitsrechte. Seine Regierung konnte die damals bestehenden wirtschaftlichen Probleme jedoch nicht lösen und wurde ihrerseits weggeputscht.

kle/qu (afp, dpa, ape, rtre)