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Afrika

Nigeria: Entschlossen gegen Boko Haram

Bei Selbstmordanschlägen in Yola und Kano sind am Dienstag und Mittwoch mehr als 50 Nigerianer gestorben. Der Gouverneur des betroffenen Bundesstaates Adamawa sieht im DW-Gespräch auch Parallelen zum Terror in Europa.

Muhammad Umar Jibrilla, Gouverneur des nigerianischen Bundesstaates Adamawa (Foto: DW/A. Kriesch)

Gouverneur Jibrilla in Yola

Deutsche Welle: Gouverneur Jibrilla, Sie haben einen Tag nach dem Anschlag in Yola die beiden Krankenhäuser besucht, in denen die Opfer behandelt werden. Was ging in Ihnen vor, als Sie dort so viele schwer verletzte Kinder gesehen haben?

Muhammad Umar Jibrilla: Es ist einfach nur traurig und ein feiger Akt. Keiner kann sagen, was die Terroristen mit einem solchen Anschlag eigentlich erreichen wollen. Man kann doch nicht einfach so Frauen und Kinder umbringen.

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Nach dem Anschlag von Yola (18.11.2015)

Was kann gegen solche Anschläge getan werden?

Wir haben bei einem Sicherheitstreffen beschlossen, dass es hier ab 18 Uhr keine Menschenansammlungen mehr geben soll. Die Märkte müssen bei Dunkelheit schließen. Die Menschen müssen sich der Bedrohung bewusster werden. Sie sollten sicherstellen, dass sie ihre Nachbarn kennen. Es ist oft schwierig für Polizei und Militär festzustellen, wer ein Mitglied von Boko Haram ist. Wir müssen gezielter Informationen sammeln, und auch normale Bürger sollten sich daran beteiligen. Es geht darum, aufmerksam zu sein und Auffälliges an die Sicherheitsbehörden weiterzugeben.

Präsident Muhammadu Buhari war erst vor wenigen Tagen in der Stadt. Er hat gesagt, dass Boko Haram fast zerschlagen sei.

Das stimmt. Die Anschläge sind doch Verzweiflungstaten. Die Attentäter haben Geld an kleine Kindern verteilt. So haben sie sie angelockt, um dann möglichst viele zu töten. Der Präsident hat recht: Boko Haram wird bald Geschichte sein und Nigeria wieder friedlich. Unser Präsident und die neuen Sicherheitschefs haben hervorragende Arbeit geleistet und konnten Boko Haram weiter zurückdrängen. Die Regierung leistet viel Aufklärungsarbeit. Das ist nicht mehr nur ein Kampf, den die Armee führt. Die gesamte Gesellschaft muss sich jetzt beteiligen, wir müssen wachsamer sein.

Die Terrorgefahr ist in immer mehr Ländern zu spüren, auch in Europa. Braucht es mehr internationale Anstrengungen dagegen?

Die Angriffe in Paris waren genau wie hier Guerilla-Attacken. Auch in Deutschland musste ja ein Stadion evakuiert werden. Das zeigt: Diese Bedrohung gibt es jetzt überall. Darum müssen wir zusammenarbeiten, um diesen Unsinn zu beenden.

Muhammad Umar Jibrilla ist seit Mai 2015 Gouverneur des Bundesstaates Adamawa im Nordosten Nigerias.

Das Interview führten Adrian Kriesch und Jan-Philipp Scholz.

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