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Filme

Neurologe und Cineast: Hans Weingartner

Elf Jahre musste die hiesige Filmbranche warten, ehe es 2004 auf dem Filmfestival in Cannes wieder einmal ein deutscher Film in den Wettbewerb schaffte: "Die fetten Jahre sind vorbei" von Hans Weingartner.

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Weingartner und seine Schauspieler in Cannes

Klar. Hans Weingartner ist ja eigentlich gebürtiger Österreicher. Allerdings lebt er seit vielen Jahren in Deutschland, wo er auch seinen Film mit deutschen Schauspielern und Fördergeldern drehte. Seither gilt Hans Weingartner als Aushängeschild des deutschen Films und zugleich als einer der wenigen Filmemacher für gesellschaftspolitische Filme.

"Ist man ab 30 nur noch die Summe seiner Gewohnheiten? Ich finde, man sollte sich jeden Tag die Frage eigentlich stellen: …. Lebe ich noch ein Leben, das mich wirklich glücklich macht, oder bin ich schon total fremd bestimmt?"

Kein Zweifel, Hans Weingartner lebt sein Leben! Falsche Kompromisse, eingetretene Wege sind seine Sache nicht. Dafür steht auch seine Vita: Weingartner wird 1970 in einem österreichischen Bergdorf geboren. Bereits als Jugendlicher macht er mit der Videokamera seiner Eltern erste Filmversuche. Nach dem Abitur jobbt er als Skilehrer und Kanuführer, absolviert dann in Wien eine Ausbildung zum Kameraassistenten und studiert anschließend Medizin, Spezialgebiet: Gehirnforschung.

Abgleiten in die Schizophrenie

Filmszene aus Das weiße Rauschen

Szene aus 'Das weiße Rauschen'

Eigentlich könnte Hans Weingartner jetzt eine Karriere als Neurologe beginnen. Stattdessen nimmt er ein Postgraduierten-Studium an der Kunsthochschule für Medien in Köln auf, das er 2001 mit dem Spielfilm "Das weiße Rauschen" abschließt. Das Werk handelt von dem 20jährigen Lukas, der vom Land nach Köln kommt, wo er zunächst das Großstadtleben genießt: eine neue Freundin, Partys, ein Drogentrip - alles, was dazu gehört. Allerdings nicht ohne Folgen. Denn plötzlich hört Lukas ein ständiges Stimmengewirr, und er leidet unter Verfolgungsangst.

Der Film über das Abgleiten in die Schizophrenie - digital gedreht und viel improvisiert - sorgt auf Festivals und bei der Presse für Aufsehen: In Saarbrücken gewinnt Weingartner den Max-Ophüls-Preis. Außerdem wird das Werk für den Deutschen Filmpreis nominiert. Und Alfred Holighaus, Leiter der Berlinale-Sektion "Perspektive Deutsches Kino", hält den jungen Regisseur gar für einen Erneuerer des deutschen Films.

Trotz des Erfolges gelingt es Hans Weingartner nicht, für seinen nächsten Film, "Die fetten Jahre sind vorbei", einen Produzenten zu finden. Der Stoff ist den meisten zu politisch. Zu großen Änderungen aber ist der Filmemacher nicht bereit. Also gründet er einfach eine Produktionsfirma und dreht seine Geschichte über drei junge Großstadtrevoluzzer. Sie brechen in Villen ein, klauen aber nichts. Sie verrücken nur die Möbel und hinterlassen eine Botschaft. Entweder "Die fetten Jahre sind vorbei" oder "Sie haben zuviel Geld".

Spannungsfeld zwischen Jung und Alt

Hans Weingartner in Cannes 2004 Miniquiz Mai 2004

Hans Weingartner - 2004 in Cannes

Doch eines Tages werden sie dabei vom Hausherrn überrascht. In Panik nehmen sie ihn als Geisel und flüchten in die Berge, wo sich zwischen den vieren eine Auseinandersetzung über Geld und Ideale, Korruption und Widerstand, alt und jung entwickelt.

"Ich glaube, dass es eigentlich ein natürlich … gesellschaftlicher Prozess ist,… der da lautet: Wenn du jung bist, stellst du erst mal alles in Frage. Und die Alten sagen: Ne, es muss so bleiben! Und aus diesem Spannungsfeld entwickelt sich dann eine neue Gesellschaftsordnung, in der die guten Sachen überleben und die nicht so guten reformiert werden. Und dieser dynamische Prozess ist halt so ein bisschen zum Stillstand gekommen."

Von dem 35jährigen können wir also noch viel erwarten. Auch wenn er prinzipiell nichts über seine nächsten Projekte verrät. Denn Weingartner ist zwar risikobereit, aber auch sehr abergläubisch.

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