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Welt

Neuer Chef der Exil-Tibeter ist im Amt

Im April hatte der 43-jährige Lobsang Sangay bei einer Abstimmung unter Exil-Tibetern in aller Welt die meisten Stimmen erhalten. Der in den USA lebende Völkerrechtsexperte wurde im indischen Dharamsala vereidigt.

Lobsang Sangay (l.) verbeugt sich vor dem Dalai Lama (r.) (Foto: dapd)

Lobsang Sangay vor der tibetischen Flagge (Foto: AP)

Engagierter Einsatz für Tibet

Es war genau um 9.09 Uhr am Montagmorgen (08.08.2011/Ortszeit) am Sitz der Exil-Regierung im indischen Dharamsala, als Lobsang Sangay die entscheidenden Worte seines Amtseides sprach. Dabei war die Uhrzeit kein Zufall, schließlich soll die Zahl 9 laut chinesischer Astrologie Glück bringen. An der Zeremonie im Tsuglagkhang-Tempel nahm auch das geistige Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, teil.

"Ich verspreche, die (Widerstands-)Bewegung aufrechtzuerhalten, bis in Tibet die Freiheit wiederherstellt ist und der Dalai Lama in seine Heimat zurückkehren kann", sagte Lobsang Sangay bei seiner Antrittsrede. Wenn die Tibeter im Exil und in den von China beherrschten Gebieten zusammenstünden, werde der Widerstand langfristig Erfolg haben, betonte der 43-Jährige. "Unsere Zeit wird kommen."

Kritik an Pekings Politik

Der Jurist Sangay war Ende April von 55 Prozent der weltweit rund 83.000 stimmberechtigten Tibeter gewählt worden. Nach dem Wahlsieg hatte der 43-Jährige angekündigt, der politischen Linie des Dalai Lama zu folgen und für die Tibeter "echte Autonomie" mit kulturellen und religiösen Freiheiten innerhalb Chinas zu fordern.

Diese Forderung bekräftigte er in seiner Rede. Er selbst und die Exilregierung seien bereit, darüber "zu jeder Zeit, an jedem Ort" mit der chinesischen Regierung zu verhandeln, sagte Sangay. Gleichzeitig kritisierte er das Regime in Peking, das direkte Gespräche ablehnt. "Es gibt keinen Sozialismus in Tibet. Tibet ist nicht das Paradies, dass es sein könnte. Es ist eine Tragödie", sagte er. "Die chinesische Regierung sollte das wissen." Der tibetische Widerstand sei daher auch nicht gegen China gerichtet, sondern ausschließlich gegen die "kompromisslose Politik" der kommunistischen Führung.

Keine offizielle Anerkennung

Samdhong Rinpoche (Foto: dpa)

Amtsvorgänger Rinpoche trat nicht mehr an

Der neue Chef der Exil-Regierung wird zukünftig mehr Einfluss als sein Vorgänger Samdhong Rinpoche haben. Denn der Dalai Lama hatte im März angekündigt, seine politischen Funktionen niederzulegen. Rinpoche stand nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung.

Sein Kabinett will Sangay Mitte September vorstellen, wenn die Abgeordneten des neu gewählten Exil-Parlaments erstmals zusammentreten werden. Wie groß die Einflussnahme der politischen Vertretung der Exil-Tibeter tatasächlich sein wird, bleibt abzuwarten. Schließlich erkennt kein Land der Welt die Exil-Regierung als legitime Vertretung an. Sie wird jedoch als Sprachrohr der Exil-Tibeter wahrgenommen.

Autorin: Marion Linnenbrink (afp, dpa)
Redaktion: Gerd Winkelmann

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