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Deutschland

Neuer Castor-Transport am Ziel

Mit erheblicher Verspätung hat der jüngste Atommüll-Transport aus Frankreich das Zwischenlager Nord in Mecklenburg-Vorpommern erreicht. Atomkraftgegnern gelang es auf den letzten Kilometern, die Castoren aufzuhalten.

Polizisten sichern Castor-Transport (Foto: dapd)

Abgesichert: Polizisten vor dem Zug mit den vier Castoren

Mehr als 1500 Kilometer kam der Castor-Transport relativ zügig voran - dann ging vorübergehend nichts mehr. Sechs Stunden stand die strahlende Fracht wenige Kilometer vor ihrem Ziel, weil sich südöstlich von Greifswald zwei Aktivisten der Umweltorganisation "Robin Wood" im Gleisbett angekettet hatten - ungeachtet der eisigen Kälte.

Ihre Unterarme seien zudem einbetoniert gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Um Verletzungen zu vermeiden, seien die Beamten bei der "Befreiung" der beiden Atomkraftgegner sehr vorsichtig vorgegangen.

'Robin Wood'-Aktivisten (Foto: dapd)

Sie hielten den Castor-Transport stundenlang auf: 2 Aktivisten der Umweltorganisation "Robin Wood"

Schon zuvor hatten Aktivisten Gleise blockiert - was allerdings nur zu geringen Verzögerungen führte. Insgesamt wurden etwa hundert Atomkraftgegner vorübergehend in Gewahrsam genommen. Erst am späten Donnerstagabend (16.12.2010) rollte der Zug dann schließlich auf das Gelände des Zwischenlagers Nord - damit war er knapp 50 Stunden lang unterwegs, deutlich länger als geplant.

Von Südwest nach Nordost

Das Zwischenlager bei Lubmin betreibt der Bund seit Ende der 1990er Jahre. Ursprünglich war es nur für Atommüll aus den beiden stillgelegten ostdeutschen Kernkraftwerken vorgesehen. Gegen den Willen des Landes Mecklenburg-Vorpommern werden dort jetzt auch Brennstäbe aus Forschungseinrichtungen des Bundes gelagert. Das nun angelieferte hoch radioaktive Material stammt aus dem früheren Kernforschungszentrum Karlsruhe im Südwesten Deutschlands und vom einstigen atomgetriebenen Forschungsfrachter "Otto Hahn". Bis zum Rücktransport lagerte der Atommüll jahrelang in der südfranzösischen Kernforschungsanlage Cadarache.

Frau mit Anti-Atomkraft-Emblem (Foto: AP)

Viele Deutsche lehnen die Atomkraft generell ab

Die Proteste gegen den Castor-Transport in den Nordosten Deutschlands fielen mit insgesamt wenigen hundert Teilnehmern weit verhaltener aus als beim vorangegangenen Transport ins niedersächsische Gorleben. Ein Großaufgebot der Polizei - dem Vernehmen nach waren bundesweit mehr als 10.000 Beamte von Bund und Ländern im Einsatz - und widrige Witterungsverhältnisse bremsten den Protest an der Strecke. Im November hatten im Wendland mehrere zehntausend Menschen demonstriert, darunter auch führende Bundespolitiker.

Autor: Christian Walz (dpa, dapd, afp)
Redaktion: Hans Ziegler

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