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Politik

Neue Zusammenstöße in Teheran

Am 30. Jahrestag des Geiseldramas an der US-Botschaft in Teheran ist die iranische Polizei mit Tränengas gegen oppositionelle Demonstranten vorgegangen. Es gab Verletzte und Festnahmen.

Protestkundgebung in Teheran am 30. Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft (Foto: shooresh1917

Irans Opposition demonstriert

Obwohl die Regierung davor gewarnt hatte, am Jahrestag der Botschaftsbesetzung ohne Genehmigung zu demonstrieren, schaffte es die Opposition, Kundgebungen zu organisieren. Dabei kam es zu heftigen Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Es waren die ersten größeren Proteste gegen die Regierung seit September.

Porträt des iranischen Oppositionsführers Musswai (Foto: AP)

Oppositionsführer Mussawi

Nach Augenzeugenberichten versammelten sich schon am Morgen einige Hundert Demonstranten in Teheran in der Nähe der staatlichen Kundgebung vor der früheren US-Botschaft. Sie trugen grüne Schals oder Armbänder und skandierten "Tod dem Diktator". Angehörige der paramilitärischen Revolutionsgarden seien mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Oppositionsanhänger vorgegangen. Mehrere Regimegegner seien festgenommen worden. Einige der Reformbewegung nahe stehenden Internet-Seiten berichteten, Sicherheitskräfte hätten auch in die Menge geschossen. Dabei seien einige Menschen verletzt worden. Augenzeugen bestätigten Schüsse in die Luft. Offizielle Berichte über Verletzte oder Festnahmen lagen zunächst nicht vor.

Die Oppositionschefs Mir Hossein Mussawi und Mehdi Karubi hatten ihre Anhänger zum Protest gegen die iranische Führung unter Präsident Mahmud Ahmadinedschad aufgefordert. Die Behörden hatten ein "entschlossenes" Vorgehen der Polizei angedroht. Es waren lediglich anti-amerikanische Proteste gestattet.

Vor 30 Jahren wurde US-Botschaft besetzt

Hintergrund ist der 30. Jahrestag der Erstürmung der ehemaligen amerikanischen Botschaft am 4. November 1979. Damals hatten iranische Studenten im Sog der Islamischen Revolution die US-Botschaft in Teheran besetzt und 52 Diplomaten 444 Tage als Geiseln genommen. Der damalige US-Präsident Jimmy Carter verhängte daraufhin Sanktionen und brach die diplomatischen Beziehungen mit der Islamischen Republik ab. Eine militärische Befreiungsaktion scheiterte im April 1980. Erst im Januar 1981 wurden die Geiseln nach algerischer Vermittlung freigelassen.

Gebäude der ehemaligen US-Botschaft in Teheran (Foto: dpa)

Die ehemalige US-Botschaft

Vor dem Gebäude, das jetzt von den Revolutionswächtern genutzt wird, versammeln sich jedes Jahr regierungstreue Demonstranten. Sie verbrennen US-Flaggen und skandieren anti-amerikanische Parolen.

Obama setzt auf bessere Beziehungen

US-Präsident Barack Obama bekräftigte am Dienstag seinen Willen, einen Neuanfang in den amerikanisch-iranischen Beziehungen zu wagen. Die USA wollten die Vergangenheit hinter sich lassen und eine auf "gegenseitigen Interessen" und "Respekt" basierende Beziehung zum Iran aufbauen, sagte Obama. Die iranische Regierung müsse nun entscheiden, "ob sie den Blick weiter in die Vergangenheit richtet oder Entscheidungen trifft, um die Türen zu größeren Möglichkeiten, Wohlstand und Gerechtigkeit für ihr Volk aufzustoßen".

Autorin: Annamaria Sigrist, Sandra Petersmann (afp/dpa/rtr/ap)
Redaktion: Manfred Götzke

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