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Politik

Neue Stufe der Gewalt

Die Muslimgruppe Abu Sayyaf hat sich zu dem jüngsten Anschlag auf den Philippinen bekannt. Gefahr geht auch von der Rebellengruppe im Süden des Landes, der MILF, aus. Ein Ende der Terror-Attacken ist nicht in Sicht.

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Terrorziel: der Flughafen von Davao

Der Bombenanschlag auf dem Flughafen von Davao, der am Dienstag (4.3.2003) 23 Menschen das Leben kostete, steht für eine neue Eskalation der Gewalt im Süden der Philippinen. Seit den siebziger Jahren wütet auf Mindanao, der zweitgrößten Insel des philippinischen Archipels, ein blutiger Bürgerkrieg. Nach Schätzungen sind in den zurückliegenden drei Jahrzehnten, in denen sich Phasen relativer Friedfertigkeit und Perioden extremer politischer Gewalt abwechselten, schätzungsweise 125.000 Menschen getötet worden, viele davon Zivilisten.

Die Frontlinien des internen Konflikts sind dabei nicht immer offenkundig. Die Regierungstruppen, die auf Befehle der Zentralregierung im fernen Manila hören, haben es mit mehreren bewaffneten Gruppierungen zu tun. Für internationale Schlagzeilen sorgten in den zurückliegenden Jahren vor allem radikale muslimische Gruppen, die für einen unabhängigen Staat im Süden der Philippinen kämpfen. Die Moros, wie sich die philippinischen Muslime selber nennen, sind in Folge einer systematischen Besiedlungspolitik der philippinischen Regierung zu einer Minderheit im dem historisch von ihnen dominierten Mindanao geworden. Die demographische wie ökonomische Marginalisierung der Moros ist die wichtigste Ursache der bewaffneten Rebellion gegen die christlich-dominierte Zentralregierung.

Ausbildung in Afghanistan

Die zahlenmäßig wie politisch bedeutendste bewaffnete Rebellengruppe ist die MILF (Moro Islamic Liberation Front). Während diese Gruppierung als eine eher traditionelle Guerillatruppe bezeichnet werden kann, ist die Abu-Sayyaf-Bande, die sich zu dem jüngsten Anschlag bekannt hat, eine radikale Abspaltung, die mit Entführungen und Erpressungen Aufsehen erregt hat. Der Abu Sayyaf werden Beziehungen zum El-Kaida-Netzwerk nachgesagt. Es ist belegt, dass philippinische Kämpfer zu Taliban-Zeiten in Afghanistan militärisch ausgebildet wurden.

Mitte Februar hat die Regierung eine militärische Offensive gegen die MILF gestartet, bei der rund 200 Rebellen getötet wurden. Daraufhin hat die Moro-Organisation ihre Teilnahme an den Friedensgesprächen aufgekündigt. Seit Jahren finden - ungeachtet der anhaltenden Gewalt in Mindanao - Verhandlungen zwischen den Streitparteien statt, bei denen die Regierung des Nachbarlandes Malaysia eine Vermittlerrolle spielt. Während Malaysia sich auf die Diplomatie konzentriert, ist die Rolle der USA in den Philippinen traditionell eine eher militärische. Seit Jahren arbeiten die Streitkräfte Washingtons und Manilas eng zusammen.

Terroristenbekämpfung auf den Philippinen

Eklat bei militärischer Zusammenarbeit

In diesem Jahr ist es bei der Manöverplanung zu einem politischen Eklat gekommen. Offenbar ohne vorherige Abstimmung mit den philippinischen Stellen hat das Pentagon Ende Februar wissen lassen, dass 1700 US-Soldaten im Süden der Philippinen gegen Kämpfer der Terror-Gruppe Abu Sayyaf eingesetzt werden würden. Zuvor hatten Abu-Sayyaf-Sprecher mit so genannten Vergeltungsangriffen gedroht, sollten die USA den Irak attackieren. Zum Unmut der philippinischen Regierung und einer hoch sensiblen Öffentlichkeit drohte das südostasiatische Land ungewollt zu einem zweiten Schauplatz im von Washington angeführten Krieg gegen den internationalen Terrorismus zu werden.

Erfolg ohne US-Hilfe fraglich

Die Regierung in Manila hat inzwischen die von Washington geplante Truppen-Entsendung gestoppt. Die US-Soldaten seien als Ausbilder zwar willkommen, doch Kampfeinsätze im Süden des Landes kommen nicht in Frage, betonte Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo am Mittwoch (5.3.2003): "Ich möchte", sagte die Präsidentin, "dass unseren Soldaten das Kämpfen überlassen wird - nicht den Amerikanern."

Allerdings sind Zweifel angebracht, ob die unzureichend ausgerüsteten und unterbezahlten philippinischen Streitkräfte in der Lage sind, die Rebellion im Süden der Republik ohne fremde - sprich US-amerikanische - Militär-Hilfe einzudämmen.

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