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Politik

Neue Drohungen zwischen Israel und Libanon

Nach dem Gefangenenaustausch zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz ist von Annäherung keine Spur. Weitere Soldaten sollen entführt werden. Israel marschierte unterdessen in Bethlehem ein.

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Wieder frei: der israelische Geschäftsmann Elchanan Tennenboim

Mit einer Übergabe der Leichen von 59 Kämpfern der Hisbollah-Miliz ist der Austausch von Gefangenen und Toten mit Israel am Freitag (30.1.2004) abgeschlossen worden. Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) überstellten die sterblichen Überreste am Grenzübergang Nakuora an die Miliz und die libanesischen Behörden. "Die Überstellung ist abgeschlossen und der Einsatz ist sehr reibungslos abgelaufen", sagte eine IKRK-Vertreterin.

Ein Luftwaffen-Airbus hatte bereits am Donnerstag (29.1.) von Israel freigelassene Araber nach Beirut gebracht, nachdem die Hisbollah-Miliz einen entführten israelischen Geschäftsmann freigelassen und die Leichen von drei verschleppten israelischen Soldaten übergeben hatte. Der Gefangenenaustausch fand auf dem Flughafen Köln-Bonn statt. Deutschland hatte das Abkommen über den Austausch vermittelt.

Hisbollah droht Israel

Nach dem Gefangenenaustausch hat der Chef der libanesischen Hisbollah-Miliz, Scheich Hassan Nasrallah, die Entführung weiterer israelischer Soldaten angedroht. Bei der Heimkehr von 21 Libanesen aus Israel versprach Nasrallah am Donnerstag in Beirut, keinen arabischen Gefangenen in Israel zurückzulassen.

Israels Regierungschef Ariel Scharon warnte davor, dass die Entführung von Israelis nicht zur Methode werden dürfe. "Ich rate niemandem, uns herauszufordern - wir könnten Mittel einsetzen, von denen wir bislang noch keinen Gebrauch gemacht haben." Neben Scharon erwiesen mehrere Mitglieder von Regierung und Opposition den toten Soldaten die letzte Ehre, unter anderem Oppositionsführer Schimon Peres.

Scharon verteidigte dabei den Gefangenenaustausch gegen Kritik. Die Regierung habe alle Gegebenheiten in Rechnung gezogen und schließlich eine "gerechte, moralische und ethische Entscheidung" gefällt, sagte er. "Das Erbe Israels verpflichtet uns, unsere im Kampf gefallenen Soldaten in ihrem Land zu bestatten."

Schiitenführer und israelischer Geschäftsmann frei

Unterdessen wurden am Beiruter Flughafen die beiden Schiitenführer Abdel Karim Obeid und Mustafa Dirani empfangen. Die beiden Männer waren von Israel entführt worden, um Informationen zu dem im Jahr 1986 über Libanon abgeschossenen israelischen Piloten Ron Arad zu erlangen.

Der ebenfalls freigelassene israelische Geschäftsmann Elchanan Tennenboim wurde nach seiner Ankunft in Tel Aviv in ein Militärkrankenhaus gebracht. Medizinische Untersuchungen sollten klären, ob er vor seiner Freilassung unter Drogen gesetzt wurde.

Die israelische Armee marschierte unterdessen in der Nacht zu Freitag in die Stadt Bethlehem im Westjordanland ein. Die Soldaten seien in leicht gepanzerten Fahrzeugen aus verschiedenen Richtungen in die Stadt vorgedrungen, hieß es in palästinensischen Sicherheitskreisen. In Jerusalem hatte sich am Donnerstag ein Selbstmordattentäter fast zeitgleich zum Gefangenenaustausch in die Luft gesprengt. Dabei wurden zehn Menschen getötet. Zu dem Anschlag bekannten sich die radikal-islamischen El-Aksa-Brigaden. Auch die Palästinenser-Organisation Hamas deutete an, sie sei an dem Anschlag beteiligt gewesen.

Die Vereinbarung zum Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah auf deutschem Boden war unter monatelanger Vermittlung des Geheimdienstkoordinators im Kanzleramt, Ernst Uhrlau, zu Stande gekommen. (ali)

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