1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Deutschland vermittelt Austausch

Mit deutscher Vermittlung ist der Flughafen Köln-Bonn zum Schauplatz eines seit Jahren geplanten Gefangenenaustausches zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah geworden. Der Ablauf wurde minutiös vorbereitet.

default

Auf dem Weg in die Freiheit: Schiiten-Führer Mustafa Durani


Wenige Minuten nach sieben Uhr landeten am Donnerstagmorgen (29.1.) auf dem Flugfeld eine Bundeswehrmaschine und ein Flugzeug der israelischen Luftwaffe. Die Maschinen waren knapp vier Stunden zuvor in Beirut und in Tel Aviv gestartet - an Bord der israelischen Maschine mehr als 30 Araber verschiedener Nationalitäten, die zum Teil bereits seit Jahren in israelischen Gefängnissen eingesessen hatten. An Bord der anderen Maschine die Särge von drei israelischen Soldaten, die vor Jahren im Südlibanon umgekommen waren. Und: ein israelischer Geschäftsmann, der im Oktober 2000 nach Beirut gelockt und dort von der Hisbollah festgenommen worden war.

Die Ankunft der Flugzeuge fand - bei zwei Grad Minus und Neuschnee - unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, denn das Militär-Flugfeld war weiträumig abgesperrt. Zahlreiche Journalisten - unter ihnen besonders Rundfunk- und Fernsehteams - mussten ihre Übertragungswagen außerhalb des Geländes aufstellen, ohne dass sie von dort Einblick in das Gelände des Flughafens gehabt hätten.

Schon einen Tag zuvor war hier eine israelische Mannschaft eingetroffen, der militärische Ober-Rabbiner und führende Pathologen angehören. Ihre Aufgabe sollte es sein, die Identität der drei Leichen zu bestimmen. Und erst wenn dies ohne jeden Zweifel geschehen war, sollte der Austausch beginnen und die freigelassenen Araber das israelische Flugzeug verlassen können. Sie sollten dann mit der Bundeswehrmaschine nach Beirut geflogen werden, während der israelische Geschäftsmann und die Särge der drei Soldaten an Bord des israelischen Flugzeuges nach Tel Aviv gebracht werden sollten.

Auch Deutscher bei Austausch dabei

Unter den freigelassenen Arabern befinden sich zwei prominente Schiiten-Führer - Scheich Abed Karim Obeid und Mustafa Durani -, die beide bereits vor Jahren von Israel entführt und festgehalten wurden, um bei Gelegenheit gegen Israelis ausgetauscht zu werden. Bei den anderen Freigelassenen handelt es sich nicht nur um Libanesen, sondern auch um Staatsangehörige anderer arabischer Staaten, die offenbar von Beirut aus in ihre Heimatländer zurückkehren würden. Unklarheit bestand bis zuletzt über einen Deutschen, der sich auch in der Gruppe befindet: Steven Smyrek, der zum Islam konvertierte, hatte in Israel Ziele für Anschläge der Hisbollah ausspionieren wollen und war dabei gefasst worden. Smyrek hatte kürzlich in einem Interview erklärt, er wolle sich im Libanon der Hisbollah anschließen.

Der Austausch umfasst nicht nur die Freigelassenen, die nach Köln-Bonn gebracht wurden, sondern auch 400 Palästinenser, die in ihre Heimatorte im Gazastreifen und der Westbank entlassen werden sollen. Außerdem hat Israel sich verpflichtet, 60 bisher in Israel beerdigte gefallene Hisbollah-Kämpfer an den Libanon zu übergeben.

Hisbollah will weiter kooperieren

In einer zweiten Phase will die Hisbollah sich nun innerhalb der nächsten zwei Monate um Informationen über den Verbleib weiterer israelischer Soldaten bemühen, die seit dem Libanon-Krieg vermisst sind. Unter ihnen der Flugnavigator Ron Arad, von dem in Israel immer wieder behauptet wurde, er befinde sich in iranischer Gefangenschaft. Der Iran ist der Haupt-Unterstützer der Hisbollah, und seit Mittwoch befindet sich eine iranische Delegation in Beirut, die offenbar bei der Aufklärung des Falles helfen will. Offenbar hatte es in letzter Zeit auch Kontakte zwischen dem deutschen Vermittler des Austauschs, Geheimdienst-Koordinator Ernst Uhrlau, und den iranischen Behörden in Teheran gegeben.

Es ist nicht das erste Mal, dass deutsche Behörden in solchen Fällen vermitteln. Der Erfolg der gegenwärtigen Aktion bestätigt sicher, dass Deutschlands gute Beziehungen zu allen Seiten des Nahost-Konflikts durchaus auch Positives bewirken.

Die Redaktion empfiehlt