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Nahost

Neue Anschlagswelle im Irak

Erneut sind bei einem Anschlag im Irak dutzende Menschen getötet worden. Die Attentäter nehmen zunehmend irakische Zivilisten ins Visier, die mit den Besatzungsmächten zusammenarbeiten.

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US-Truppen untersuchen das gesprengte Fahrzeug


Beim zweiten schweren Anschlag im Irak binnen 24 Stunden hat sich am Mittwochmorgen (11.2.2004) ein Selbstmordattentäter in Bagdad in die Luft gesprengt und mindestens 40 Menschen mit in den Tod gerissen. Die Explosion, bei der auch 50 Menschen verletzt wurden, ereignete sich vor einem Rekrutierungsbüro der irakischen Armee, vor dem mehrere hundert Menschen Schlange standen. Ein mit rund 150 bis 250 Kilogramm Sprengstoff beladenes Auto sei plötzlich in das Gebäude hineingerast und detoniert, sagte ein Sprecher der US-Armee.

"Anschlag ist gegen Iraker gerichtet"

"Es war ein Selbstmordanschlag, der von einem einzigen Mann ausgeübt wurde", sagte der US-Sprecher. Die meisten der Opfer seien Iraker gewesen, die gerade als Soldaten rekrutiert worden seien. Der Anschlag habe sich gegen Iraker gerichtet - die Ausführung des Attentats weise auf das Terrornetzwerk El Kaida oder die kurdische Islamistenorganisation El Ansar hin, fügte der Sprecher hinzu.

US-Soldaten riegelten unterdessen das Rekrutierungsbüro ab. Es liegt auf einem kleinen Flughafengelände, das Jahrzehnte lang verwaist war und seit Kurzem von der neuen irakischen Armee genutzt wird. Die Rettungsarbeiten wurden durch starken Regen behindert.

Am Dienstag bereits 55 Menschen getötet

Am Dienstag (10.2.) waren bei einem Selbstmordanschlag vor der Polizeiwache in Iskandarija, 50 Kilometer südlich von Bagdad, 55 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen Zivilisten. Sie hatten vor dem Gebäude angestanden, um sich um den Polizeidienst zu bewerben.

Nach irakischen Angaben wurden bislang 300 Polizisten bei Angriffen von Freischärlern getötet. Die von den USA geschulten Polizei-Einheiten sind Teil des US-Plans, die Verantwortung für die Sicherheit im Land wieder auf die Iraker zu übertragen, bevor der Golfstaat seine Souveränität zurückgewinnt. Hintergrund der Anschlagsserie ist die geplante Machtübergabe an eine provisorische irakische Regierung am 30. Juni, die die Rebellen verhindern wollen

USA machen El Kaida verantwortlich

US-Generalstabschef Richard Myers machte die Terrororganisation El Kaida für einen "bedeutenden" Anteil an der derzeitigen Gewalt in Irak verantwortlich. Dies gehe aus dem Dokument hervor, das unlängst bei einer Razzia in der irakischen Hauptstadt gefunden worden war und dem Jordanier Abu Mussab el Sarkawi zugeschrieben wird, sagte Myers am Dienstagabend. Das Schreiben Sarkawis, der Verbindungen zu El Kaida haben soll, offenbare "eine verzweifelte Taktik", die darin bestehe, schiitische Iraker zur Gewalt gegen sunnitische Iraker aufzustacheln. Dies solle "eine Fortsetzung des Extremismus gewährleisten", sagte Myers.

Nach Angaben der US-Regierung ruft der zur Fahndung ausgeschriebene Sarkawi in dem 17-seitigen Papier radikalislamische Kämpfer in Irak dazu auf, Angehörige der schiitischen und sunnitischen Konfessionen gegeneinander aufzustacheln. Der Anschlag am Mittwoch ereignete sich unweit des Büros einer fundamentalistischen Schiiten-Gruppe. (ali)

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