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Politik

Netzwerk der Antikapitalisten

Bei Demonstrationen gegen die Globalisierung sind linksextreme Gruppen an vorderster Front. Die Koordination der Proteste ist erstaunlich gut, aber es gibt Probleme mit einer gewaltbereiten Minderheit.

Brennendes Auto in Kopenhagen 2007, Quelle: AP-Photo

Proteste in Kopenhagen: Weltweiter Krawalltourismus?

Beim G8-Gipfel in Heiligendamm (6.-8.6.07) werden bis zu 100.000 Kapitalismus-Gegner erwartet. Die europäische Linke entwickelt eine solche Triebkraft, wie sie wohl seit den 1970er-Jahren nicht mehr da war. Themen wie der Irakkrieg, die Schattenseiten der Globalisierung, soziale Ungerechtigkeit oder Umweltverschmutzung mobilisieren die Massen.

Zusammenhalt und Professionalität

Zwei Frauen auf einer Demonstration gegen den Irakkrieg 2003, Quelle: AP Photo

Spaß am Demonstrieren: Organisierte Proteste finden ein Millionenpublikum

Krieg, Armut und Ungerechtigkeit sind allerdings keine neuen Gründe, um auf die Straße zu gehen. Es steckt mehr hinter den großen Demonstrationen. Ein gut funktionierendes Netzwerk koordiniert die Proteste: Zusammenhalt und Professionalität regieren. Die Wiederauferstehung der radikalen Linken hat viel mit ihrer Organisation zu tun.

Eine der Organisationen, die eine führende Rolle bei der Mobilisierung der radikalen Linken beansprucht, ist "Globalise Resistance" aus London. Die Gruppe war in den letzten sechs Jahren an mehreren der größten Demonstrationen Europas beteiligt: "Für Proteste bei EU- und G8-Treffen gibt es eine Dachorganisation, die die Aktivitäten koordiniert", erklärt Guy Taylor von "Globalise Resistance". Oft übernehme auch "Globalise Resistance" selbst diese Rolle.

Gemeinsame Ideologie verbindet

"Die radikale Linke war schon immer besser vernetzt als die radikale Rechte. Immerhin wurde sie in der Vergangenheit schon von Staaten wie der Sowjetunion und China unterstützt", sagt Professor Cas Mudde, Politikwissenschaftler von der Universität Antwerpen. Diese staatliche Unterstützung existiere heute natürlich nicht mehr, aber die Linke habe immer noch eine gemeinsame internationale Ideologie. Ideologischer Zusammenhalt zwischen unabhängigen Organisationen ermögliche enge Zusammenarbeit.

Autonome protestieren 2002 in Monterrey, Mexiko gegen die Entwicklungshilfekonferenz der UN

Linker Protest hat viele Gesichter

Bei Demonstrationen weltweit hat die Gewalt zugenommen - an Häufigkeit und Intensität. Obwohl dieser Prozess ebenfalls ein Ergebnis einer koordinierten Aktion sein könnte, denkt Guy Taylor anders: "Es ist selten, dass es Druck gibt, gewaltsam zu reagieren." Von den Politikern ignoriert zu werden, mache zwar manche wütend. Diese forderten dann einen radikaleren Weg des Protestes. Aber viel Unterstützung gebe es dafür nicht.

"Linke Gewalt nicht geplant"

Taylor zufolge ist der Ausbruch von Gewalt nur selten von Protestgruppen geplant und organisiert. Allein die geringe Größe der meisten Gruppen verhindere schon eine Koordination im größeren Maßstab: "Oft genug ist die Polizei die einzige Organisation, die groß genug ist Gewalt auszulösen." Wenn die Polizei nicht provoziert habe, seien große Demonstrationen oft friedlich abgelaufen - trotz radikaler und wütender Teilnehmer.

Polizeieinsatz während des G8-Gipfels in Genua 2001, Quelle: AP Photo

Übermäßige Härte? Der Polizei wird vorgeworfen, Gewalt zu provozieren

Professor Mudde meint ebenfalls, dass die Mehrheit der radikalen Linke keiner gewaltbereiten Ideologie folge. Demonstranten des so genannten "Schwarzen Blocks" sind allerdings gewaltbereite Revolutionäre. Der Name "Schwarzer Block" kommt von der schwarzen Kleidung und den schwarzen Masken. Diese ermöglichen den Mitgliedern wie eine einzige große Masse zu erscheinen und erschweren eine Identifizierung von Einzelnen. Sie haben Verbindungen zur Hausbesetzerszene in Deutschland und den Niederlanden. Dennoch stellten sie, erklärt Mudde, nur eine kleine Gruppe von ungefähr 200 professionellen Demonstranten dar.

Gewaltbereite Anarchisten

Professor Luke March, ein weiterer Experte für Linksextremismus, stimmt zu, dass die meisten linksradikalen Gruppen in Europa Gewalt ablehnen und auch nicht anti-demokratisch seien: "Die gewalttätigen Gruppen sind oft Anarchisten, Tierschützer oder Umweltaktivisten." Diese Gruppen marschierten vielleicht mit den Linken, aber sie hätten keine starke Bindung zu deren Zielen.

Jüngste Beispiele, wie die schweren Ausschreitungen wegen der Schließung eines Jugendzentrums in Kopenhagen, zeigen ein weiteres interessantes Phänomen: Gewaltbereite Aktivisten sind bereit für Proteste quer durch Europa zu reisen. Eine der Gruppe vom äußersten linken Rand, das "Anarchistische Schwarze Kreuz" war auch in Kopenhagen dabei und organisiert weltweit Proteste. Das habe Konsequenzen, so Professor Mudde: "Man muss sagen, dass viele moderate Linke mittlerweile von dieser Art von Protest fernbleiben."

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