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Wirtschaft

Netzallianz will 100 Milliarden investieren

Bundesregierung und Wirtschaft wollen bis zu 100 Milliarden Euro in die Hand nehmen, um die digitalen Datennetze bis 2025 schneller und sicherer zu machen. Allerdings könnte der Fachkräftemangel bremsen.

Eine Vervielfachung der heutigen Datenraten ist das Ziel einer Zukunftsoffensive, die die "Netzallianz Digitales Deutschland" am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Damit sollten in acht Jahren Netzgeschwindigkeiten im Gigabit-Bereich möglich sein, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der im Bundeskabinett auch für die digitale Infrastruktur zuständig ist. 

Der Minister betonte jedoch, dass die Netze der Zukunft nicht ausschließlich mit einer großen Bandbreite aufwarten dürften. Auch andere Parameter wie Sicherheit und Reaktionsgeschwindigkeit spielten eine Rolle. Entscheidend sei, "dass jeder Nutzer gerade immer das Verfügung hat, was für ihn das Optimum darstellt". 

Dobrindt stellte am Dienstag zusammen mit dem Präsidenten des Digitalverbands Bitkom, Thorsten Dirks, einen Vier-Phasen-Plan vor. Dieser sieht unter anderem vor, dass bis 2018 für alle Haushalte eine Breitbandversorgung mit 50 Megabit pro Sekunde gewährleistet wird. Das entspricht dem heutigen Standard-Hochgeschwindigkeitsangebot VDSL der Telekom. Auf anderen Wegen, etwa über Kabel, sind aber auch schon Datenraten von 200 Mbit/s möglich. Allerdings sind VDSL und Internetkabel in Deutschland nicht flächendeckend verfügbar.

Neue Geschäftsmodelle

Außerdem will die Netzallianz bis 2020 die Voraussetzungen für die Einführung einer flächendeckenden Einführung mit dem 5G-Mobilfunk schaffen. "5G ist eben nicht nur ein neuer Mobilfunkstandard, 5G wird ganz neue Geschäftsmodelle in allen Industrien ermöglichen", sagte Bitkom-Präsident Dirks. Der Bund will die 5G-Frequenzen laut Dobrindt bereits im kommenden Jahr an die Telekommunikationsunternehmen vergeben.

Im laufenden Jahr werden voraussichtlich 21.000 zusätzliche Jobs in der Informations- und Kommunikationstechnik-Branche entstehen. Das teilte der Digitalverband Bitkom auf Grundlage aktueller Berechnungen mit. Demnach werden Ende 2017 in der Branche mehr als eine Million Menschen beschäftigt sein. Das entspricht einem Plus von zwei Prozent im Vergleich zum Jahresende 2016.

"Wachstumstreiber sind die Software-Häuser und IT-Dienstleister, die sich am dynamischsten entwickeln und viele neue Jobs schaffen", sagte Dirks im Vorfeld der CeBIT, die am 20. März in Hannover beginnt. Die Branche verzeichnet insgesamt ein stabiles Wachstum. Die Umsätze sollen 2017 um 1,3 Prozent auf 161,4 Milliarden Euro steigen.

Fachkäftemangel bremst Wachstum

"Die Telekommunikationsanbieter investieren kontinuierlich in die Infrastruktur. Aber stabilere Netze und größere Bandbreiten kann es nicht zum Nulltarif geben. Es ist daher wichtig, dass steigende Datenvolumen sich auch im Umsatz widerspiegeln", sagte Dirks. Auf dem Arbeitsmarkt wird die positive Entwicklung allerdings durch den steigenden IT-Fachkräftemangel getrübt. Nach einer Bitkom-Studie gab es Ende vergangenen Jahres 51.000 offene Stellen für IT-Experten. Das entspricht einem Anstieg um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit damals 43.000 unbesetzten Jobs. "Die schwierige Fachkräftesituation hemmt die Entwicklung der Digitalwirtschaft und gefährdet die digitale Transformation", sagte Dirks.

Der Fachkräftebedarf wuchs zuletzt schneller als die Zahl neuer Informatik- Studenten. Vor diesem Hintergrund brauche es stärkere Bemühungen um die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte, forderte Dirks. "Wir müssen um kluge Köpfe aus aller Welt werben, um langfristig Wachstum und Wohlstand zu sichern."

Mehr Medienkompetenz geordert

Debatten über eine vermeintlich drohende Massenarbeitslosigkeit durch die Digitalisierung hält der Bitkom für verfehlt. "Die digitale Transformation schafft weltweit Millionen neuer Jobs. Diese Jobs sind oft nicht mehr an einen bestimmten Standort gebunden. Wir müssen diesen Prozess aktiv so gestalten, dass die Arbeitsplätze in Deutschland entstehen", sagte Dirks.

Bitkom fordert, die Vermittlung von Digitalkompetenz und Medienkompetenz in Schule, Aus- und Weiterbildung besser zu verankern. Informatik sollte ab der fünften Klasse zum Pflichtfach werden, Englisch als Lingua franca der Digitalwirtschaft ab der ersten Klasse. Mit Blick auf die Debatte über "Fake News" und die Diskussionskultur in sozialen Netzwerken sagte Dirks: "Die Einschränkung der Meinungsfreiheit ist kein geeignetes Mittel gegen Desinformation, Hass und Hetze. Dagegen hilft nur eins: Bildung."

wen/wl (dpa, Bitkom)