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Wirtschaft

Deutschlands digitale Defizite

Die deutsche Wirtschaft hat Nachholbedarf bei der Digitalisierung, so eine aktuelle Studie. Vor allem Fachkräfte, Breitbandnetz und IT-Sicherheit fehlen.

Als Standort für die digitale Wirtschaft ist Deutschland unter führenden Industrieländern nur Mittelmaß. Die Bedingungen für die Digital-Wirtschaft, sprich: für Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Internetunternehmen, sind hierzulande bei weitem nicht so gut wie in den USA, Südkorea oder Großbritannien. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von TNS Infratest und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZIW) in Mannheim, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt wurde.

Nur Platz 6 von 10

In der Studie landet Deutschland als Standort für die digitale Industrie mit 53 von 100 möglichen Indexpunkten auf dem sechsten von zehn Plätzen. Knapp besser schneidet China ab – mit 55 Punkten rückt die Volksrepublik von Platz 7 im Vorjahr auf Platz 4 vor und ist punktgleich mit Japan. Die Spitzenreiter der Studie sind, wie auch im Vorjahr, Großbritannien mit 57, Südkorea mit 66, und die USA mit 80 Indexpunkten. Schlechter als Deutschland schneiden Finnland, Frankreich, Spanien und Indien ab.

"Die Zahlen zeigen, dass bei der Digitalisierung unserer Wirtschaft Luft nach oben ist", kommentierte Matthias Machnig, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, die Ergebnisse der Studie. Er erklärte, Politik und Wirtschaft müssten gemeinsam noch stärkere Anstrengungen unternehmen, um eine Spitzenposition Deutschlands bei der Digitalisierung zu erreichen.

Zu wenig Fachkräfte und schlechte Infrastruktur

Unternehmen der digitalen Wirtschaft haben vor allem drei Schwächen des deutschen Marktes benannt, denen sich die Politik annehmen sollte: einen Mangel an Fachkräften, eine schlechte Infrastruktur beim Breitbandnetz und mangelnde IT-Sicherheit.

Der Studie zufolge zeigt sich die digitale Wirtschaft in Deutschland auf den Weltmärkten nur mit unterdurchschnittlichen Leistungen, gemessen an Umsätzen, Nachfrage und Exporten. Hier führten die USA mit deutlichem Abstand, gefolgt von Südkorea, China, Japan und Großbritannien.

Überdurchschnittlich seien in der Bundesrepublik hingegen die technischen und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Als besondere Stärken sehen die Marktforscher hier die Innovationsfähigkeit und einen guten Marktzugang. Auch die Vernetzung der Digitalbranche mit anderen Wirtschaftsbereichen funktioniere in Deutschland sehr gut.

Mehr als 300 Millarden Umsatz

Deutsche Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie haben im vergangenen Jahr 221 Milliarden Umsatz generiert. Deutschland ist somit der fünftgrößte Markt nach den USA, China, Japan und Großbritannien. Die Branche hatte 2014 einen Anteil von 4,6 Prozent an den Unternehmensumsätzen im Land. Die Einnahmen in der Digital-Wirtschaft sind somit größer als die im Maschinenbau und nur knapp geringer als die im Fahrzeugbau. Die deutsche Internet-Wirtschaft hat 2014 Güter und Dienstleistungen im Wert von knapp über 100 Milliarden Euro umgesetzt. Damit liegt Deutschland auch in diesem Bereich auf Platz fünf im internationalen Vergleich, hinter Südkorea, Großbritannien, den USA und Finnland.

mb/wen (dpa, rtr)